Wieder zu Hause: ″Polarstern″ von Arktisexpedition zurück | Wissen & Umwelt | DW | 12.10.2020
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Forschungsfahrt

Wieder zu Hause: "Polarstern" von Arktisexpedition zurück

Die Corona-Pandemie ließ auch die "Mosaic"-Expedition zur logistischen Herausforderung werden. Nach einem Jahr in der Arktis ist das Forschungsschiff nun wieder in seinen Heimathafen Bremerhaven zurückgekehrt.

Video ansehen 02:49

"Polarstern" zurück aus dem ewigen Eis

Ein Jahr im "ewigen Eis" kann lang werden. Denn auch wenn die "Polarstern" tausende Kilometer vom eigentlichen Corona-Geschehen entfernt war, hat die weltweite Pandemie auch die Arktis-Expedition logistisch kräftig durcheinander gewirbelt.

Crewwechsel konnten nicht wie geplant stattfinden, Versorgungsschiffe konnten nicht oder nur verspätet festmachen und geplante Erkundungsflüge zur Unterstützung der Wissenschaftler auf dem Eis fanden nicht statt, weil der Flughafen im norwegischen Spitzbergen zeitweise wegen Corona gesperrt war.

Expedition Polarstern 2020

Zwei Wochen später als geplant konnte das Versorgungsschiff im Vordergrund mit neuer Fracht und frischen Crewmitgliedern zur "Polarstern" im Hintergrund vordringen

Manchem Crewmitglied mag die Zeit auch aufgrund der schwierigen Kommunikationsmöglichkeiten lang geworden sein, die Hälfte der Zeit mussten die Forschenden in der dunklen Polarnacht arbeiten. Aber immerhin hat sich kein Besatzungsmitglied der "Mosaic"-Expedition mit dem Coronavirus infiziert.

Zum Abschied machten die Forschenden aus aller Welt noch ein gemeinsames Erinnerungsfoto, dann begann die Rückreise.

Nun ist das Forschungsschiff wieder in seinem Heimathafen Bremerhaven angekommen. Damit geht der erste Teil der spektakulären "Mosaic"-Expedition zur Erforschung des Klimasystems in der zentralen Arktis zu Ende. Der Eisbrecher war am 20. September 2019 vom norwegischen Tromsø aufgebrochen.

Größte Arktis-Expedition aller Zeiten

Unter der Leitung des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) hatte sich die "Polarstern" mit einer gewaltigen Eisscholle durch die Arktis driften lassen, um umfangreiche Messungen im Eis, im Ozean und in der Atmosphäre vornehmen zu können. An der bislang weltweit größten Arktis-Expedition seien nach AWI-Angaben mehr als 70 wissenschaftliche Institute aus fast 20 Ländern mit Hunderten Forschern beteiligt gewesen.

Video ansehen 08:02

Auf dünnem Eis

Von diesen Untersuchungen im Nordpolarmeer erhoffen sich die Forschenden neue Erkenntnisse über Klimaveränderungen der Erde. Die eigentliche Auswertung der gesamten Daten beginnt aber erst nach der Rückkehr von der Expedition.

Klimawandel unmittelbar spürbar

Schon jetzt konnten die Forschenden aber feststellen, dass der Klimawandel der Arktis schwer zu schaffen macht. Laut AWI hätten Wärmewellen dem Eis sowohl von oben als auch von unten zugesetzt und es großflächig schmelzen lassen. Keine andere Region der Welt erwärmt sich schneller als die Arktis.

Passend dazu teilte das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum der USA in Boulder im Bundesstaat Colorado mit, dass das Meereis in der Arktis auf die zweitniedrigste Ausdehnung seit Beginn der Messungen vor rund 40 Jahren geschrumpft sei. Mit 3,74 Millionen Quadratkilometern sei in der vergangenen Woche wahrscheinlich das Minimum für dieses Jahr erreicht worden, so die US-Behörde.

"Es war ein verrücktes Jahr im Norden, mit Meereis in der Nähe eines Rekordtiefs, Hitzewellen mit knapp 40 Grad in Sibirien und massiven Waldbränden", sagte NSIDC-Chef Mark Serreze. "Das Jahr 2020 wird als Ausrufungszeichen in einem Abwärtstrend bei der Ausbreitung des arktischen Meereises stehen. Wir steuern auf einen saisonal eisfreien Arktischen Ozean zu, und dieses Jahr ist ein weiterer Nagel im Sarg."

Schon auf dem Hinweg aus dem norwegischen Tromsø war die "Polarstern" durch ein Seegebiet gefahren, in dem sich früher Eisbrecher mühsam durch das dicke Eis kämpfen mussten. Im vergangenen September brauchte die "Polarstern" gerade mal sechs Tage für die Passage zum Nordpol.

Noch lange nicht vorbei

"Wir haben zugesehen, wie in der Arktis das Eismeer stirbt", berichtete Expeditionsleiter Markus Rex der Nachrichtenagentur AFP. "Wenn es mit dem Klimawandel in der Arktis so weitergeht, wie es in der Vergangenheit abgelaufen ist, dann werden wir in wenigen Jahrzehnten im Sommer eine eisfreie Arktis haben."

Mit der Rückkehr der "Polarstern" ist die "Mosaic"-Mission allerdings noch lange nicht beendet. "Eigentlich geht Mosaic jetzt erst los", sagte AWI-Direktorin Antje Boetius mit Blick auf die Daten, die während der Expedition gesammelt wurden und die in den kommenden Jahren ausgewertet werden müssen.

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