Wieder viele Verletzte bei Protesten an Gaza-Grenze | Aktuell Nahost | DW | 04.05.2018
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Nahostkonflikt

Wieder viele Verletzte bei Protesten an Gaza-Grenze

Seit Ende März protestieren Palästinenser jeden Freitag im Gazastreifen an der Grenze zu Israel. Dabei kommt es immer wieder zu blutigen Zusammenstößen mit israelischen Soldaten – auch an diesem Freitag.

Bei erneuten Konfrontationen mit israelischen Soldaten sind an der Gaza-Grenze 350 Palästinenser verletzt worden. 42 von ihnen seien von scharfer Munition getroffen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza-Stadt mit. Etwa 300 seien wegen anderer Verletzungen oder eingeatmetem Gas behandelt worden.

Die israelische Armee teilte mit, palästinensische Demonstranten hätten brennende Reifen in Richtung der Soldaten gerollt und Steine geworfen. Die Soldaten würden entsprechend der Vorgaben feuern. Die Armee hat mehrfach betont, die an der Grenze positionierten Scharfschützen hätten klare Anweisungen, erst nach mehreren Warnungen zu schießen und auch dann nur auf die Beine. Eine Gruppe Palästinenser habe erfolglos versucht, den Sicherheitszaun zu durchbrechen.

Proteste in Gaza Palästina (Reuters/M. Salem)

Zwei Frauen schützen sich im Gazastreifen mit Tüchern gegen das Tränengas

Zwei israelische Drohnen im sogenannten Dokumentationseinsatz seien im Gazastreifen zu Boden gegangen, hieß es in der Mitteilung der Streitkräfte. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, Palästinenser hätten die Drohnen mit Steinwürfen vom Himmel geholt.

Anlass ist Staatsgründung Israels

Seit Ende März sind bei ähnlichen Konfrontationen 50 Palästinenser getötet worden. Mehr als 7000 wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt, dabei rund 2000 durch scharfe Munition. Die Proteste richten sich gegen den 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels. Beim "Marsch der Rückkehr" fordern die Palästinenser das Recht auf Rückkehr in das heutige israelische Staatsgebiet. Israel lehnt das ab.

Beteiligung wird schwächer

Die Anzahl der Teilnehmer der Kundgebungen nahm erneut ab. Am Anfang waren am 30. März Zehntausende in das Grenzgebiet zu Israel gekommen und hatten Zelte aufgestellt. Jetzt zählte das israelische Militär noch etwa 7000 Palästinenser, die an fünf Orten entlang der Grenze zusammenkamen.

Palästinensische Aktivisten schickten am Freitag mehrere Lenkdrachen mit Brandbomben über die Grenze nach Israel. In den vergangenen Wochen waren nach israelischen Medienberichten durch Drachen mit brennenden Stofffetzen bereits mehrfach Felder im Süden Israels in Flammen aufgegangen. Die Zeitung "Jediot Achronot" berichtete in dieser Woche von Schäden in Höhe von umgerechnet mehr als 100. 000 Euro.

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70 Jahre Israel: Ein belastetes Jubiläum?

Israel wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, bei den Protesten Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu benutzen und Minderjährige wissentlich in Gefahr zu bringen. Unter dem Deckmantel der Proteste gebe es immer wieder Versuche, den Grenzzaun zu Israel zu zerstören und Anschläge zu verüben. Die Proteste sollen noch bis zum 15. Mai dauern. Für dieses Datum kündigen die Veranstalter eine Million Teilnehmer an. Am Nakba-Tag gedenken die Palästinenser der Vertreibung Hunderttausender während des Nahost-Krieges 1948. Die Palästinenser flohen nach der Staatsgründung Israels oder wurden vertrieben. Etwa zwei Drittel der zwei Millionen Bewohner des Gazastreifens sind Flüchtlinge oder deren Nachkommen.

kle/uh (dpa, ape, rtre)

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