Wieder tiefrote Zahlen an den Börsen | Wirtschaft | DW | 16.03.2020
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Aktienmärkte

Wieder tiefrote Zahlen an den Börsen

An den Aktienbörsen ging es auch am Montag wieder deutlich abwärts. Eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank bleibt vorerst ohne Wirkung. Die gute Nachricht: Zum Handelsende konnte der Dax seine Verluste begrenzen.

Wegen der Furcht vor einer weltweiten Rezession durch die Corona-Krise ist der deutsche Aktienindex Dax auch am Montag  weiter gefallen. Zwischenzeitlich lag er mit zehn Prozent im Minus bei rund 8300 Punkten, das war der tiefste Stand seit fünfeinhalb Jahren. 

Der Dax hat seit seinem Rekordhoch (13.789 Punkte am 19. Februar) fast 40 Prozent an Wert verloren. Beim Dow, S&P und Nikkei beträgt das Minus jeweils mehr als ein Viertel. "Das ist eine gehörige Korrektur. Den Großteil des Weges haben wir mit hoher Wahrscheinlichkeit aber hinter uns", sagte Robert Greil, Chefstratege beim Bankhaus Merck Finck.

Am Nachmittag konnten der Dax und die anderen europäischen Börsenbarometer ihre Verluste jedoch etwas begrenzen. Der Dax ging mit einem Minus von 5,3 Prozent bei 8742 Punkten aus dem Handel. Ähnlich verlief der Tag an den Börsen von Paris, London und Mailand, deren Indizes zwischen fünf und sechs Prozent nachgaben. Die Börse in Madrid verlor acht Prozent. 

Auch an der New Yorker Wall Street hatte der Tag mit deutlichen Verlusten begonnen, erneut wurde der Handel für 15 Minuten gestoppt. Bei Wiederaufnahme notierte der Dow Jones-Index mit über zehn Prozent im Minus, am Ende waren es knapp 13 Prozent - ein absolutes Desaster. 

Hauptsache Handel

Die Frankfurter Börse hat sich gegen eine Aussetzung des Handels ausgesprochen. Börsenbetreiber verdienen an den dort gemachten Umsätzen, also unabhängig davon, ob Anleger kaufen oder verkaufen. "Die Tatsache, dass es aktuell starke Kursbewegungen gibt und Unsicherheit an den Märkten vorherrscht, ist kein Grund für eine Aussetzung des Handels", sagte ein Sprecher der Frankfurter Börse am Montag. Vielmehr seien gerade in turbulenten Zeiten eine transparente und faire Preisbildung erforderlich, wie sie an Börsen stattfindet.

Zuvor hatte sich bereits die US-Börsenaufsicht SEC gegen eine Schließung der Wall Street ausgesprochen. "Die Märkte sollten auch in Zeiten wie diesen weiter funktionieren", sagte
SEC-Chef Jay Clayton dem Fernsehsender CNBC.

Erst am Donnerstag hatte der Dax mit dem zweitgrößten prozentualen Tagesverlust in seiner gut dreißigjährigen Geschichte unter der Marke von 10.000 Zählern geschlossen. Auf Wochensicht ergab sich ein Minus von rund 20 Prozent. Am Montagmorgen waren bereits die Kurse in Asien weiter abgerutscht. Der japanische Leitindex Nikkei-225 verlor gut 2,5 Prozent auf 17.002 Punkte. In China ging es für den CSI mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen um 4,3 Prozent auf 3727 Zähler nach unten.

Drastische Zinssekung der US-Notenbank

Am Sonntag hatte die US-Notenbank angesichts der Rezessionsängste wegen der Virus-Krise zu drastischen Mitteln gegriffen. In einer Notfallaktion senkte sie den Leitzins überraschend um einen ganzen Prozentpunkt auf fast null Prozent und kündigte ein Maßnahmenpaket in Koordination mit anderen Notenbanken an.

Eigentlich waren die Beschlüsse der Notenbank Fed erst für Mittwoch geplant gewesen - und Analysten hatten nur mit einer Zinssenkung um 0,50 Prozentpunkte gerechnet. Die Entscheidungen gehen zudem weit über die Zinsen hinaus. Die Fed will die Wirtschaft mit einem 700 Milliarden Dollar schweren Anleihekaufprogramm stützen und Banken vorübergehend Notfallkredite gewähren - wie nach der großen Finanzkrise 2008.

Die japanische Zentralbank kündigte am Montag an, mit Anleihekäufen und einem Kreditprogramm für Unternehmen gegen die Virus-Krise anzukämpfen. Auch die Notenbanken Koreas, Australiens und Neuseelands lockerten ihre Geldpolitik.

Am Montagnachmittag wollen die Finanzminister der Eurogruppe in einer Videokonferenz über ein umfassendes Krisenpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie beraten. Dies hatte Eurogruppenchef Mario Centeno am Wochenende angekündigt. Die EU-Kommission hatte am Freitag ein milliardenschweres Notprogramm vorgeschlagen, um Unternehmen und Bürgern in der Coronavirus-Krise zu helfen. So sollen europäische Schulden-, Defizit- und Beihilferegeln so großzügig wie möglich ausgelegt werden, damit die EU-Staaten eigene Nothilfen auflegen können. Darüber hinaus sollen Milliarden aus dem EU-Haushalt umgewidmet werden, um Unternehmen zahlungsfähig zu halten und Investitionen zu ermöglichen.

hb/bea (dpa)

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