Wieder demonstrieren Tausende gegen Putin | Aktuell Europa | DW | 08.08.2020
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Russland

Wieder demonstrieren Tausende gegen Putin

Weiter Unmut wegen einer Festnahme: Den fünften Samstag in Folge zogen etwa 3000 Demonstranten durch Chabarowsk - 8000 Kilometer östlich von Moskau - und forderten die Absetzung von Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Russland: Erneute Proteste in Chabarowsk gegen Absetzung des Gouverneurs Sergej Furgal (Reuters/E. Pereverzev)

"Nieder mit der Unterdrückung" steht auf dem Banner, das die Demonstranten bei der Kundgebung tragen

Einen Monat nach Festnahme eines Ex-Gouverneurs in Russlands äußerstem Osten sind wieder Tausende Menschen aus Solidarität auf die Straße gegangen. In der Großstadt Chabarowsk zogen nach Angaben der Behörden etwa 3000 Demonstranten mit Plakaten und Fahnen durchs Zentrum. Sie kritisierten zu großen Einfluss der Regierung in Moskau und forderten die Absetzung von Kremlchef Wladimir Putin.

Die Industrieregion liegt 8000 Kilometer östlich der russischen Hauptstadt. Auch in anderen Städten an der Pazifikküste gab es Kundgebungen. Konkret geht es um Anschuldigungen gegen den ehemaligen Gouverneur von Chabarowsk, Sergej Furgal. Ihm wird vorgeworfen, vor 15 Jahren an Auftragsmorden beteiligt gewesen zu sein. Furgal streitet dies ab. Seit seiner Festnahme im Juli gehen besonders an den Wochenenden Tausende für ihn auf die Straße.

Bislang kaum Festnahmen

Mit bis zu 85.000 Teilnehmern waren es zeitweise die größten Proteste seit Jahrzehnten. Furgal gehört der Liberaldemokratischen Partei (LDPR) des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski an. Furgal hatte bei den Wahlen 2018 fast 70 Prozent der Stimmen in der Region Chabarowsk geholt und den Kandidaten der Regierungspartei "Geeintes Russland" geschlagen.

Russland - Proteste in Chabarowsk: Demonstrantin mit einem Pro-Sergej-Furgal-Plakat (Reuters/E. Pereverzev)

Demonstrantin mit einem Pro-Sergej-Furgal-Plakat: Kritik am Einfluss der Regierung in Moskau

Die LDPR gilt loyal zum Kreml. Dennoch war die Wahlschlappe für die Partei "Geeintes Russland" eine Überraschung. Nach der Festnahme des beliebten Politikers setzte Präsident Putin den LDPR-Abgeordneten Michail Degtjarjow übergangsweise als dessen Nachfolger ein.

Bislang gab es kaum Festnahmen bei den nicht genehmigten Massendemonstrationen. Beobachter gehen davon aus, dass der Kreml die Protestwelle aussitzen will. Ein hartes Durchgreifen könnte Demonstrationen in anderen Regionen provozieren.

nob/AR (dpa, afp, rtr)

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