Wie sicher sind Busreisen in Europa? | Politik | DW | 18.04.2019
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Europa

Wie sicher sind Busreisen in Europa?

Das schwere Unglück auf Madeira am Donnerstag ist kein Einzelfall. Immer wieder kommt es in der EU zu Unfällen mit Bussen. Wie sicher ist das Reisen mit dem Bus in Europa?

Viele Reisende in ganz Europa machen sich seit dem Unglück auf Madeira verstärkt Sorgen, ob man überhaupt noch Ausflüge mit Reisebussen buchen sollte. Was zunächst emotional nachvollziehbar erscheint, wird von der Statistik nicht bestätigt. Laut Statistischem Bundesamt gab es in Deutschland im Jahr 2017 5926 Busunfälle - zwei Drittel davon passierten im Öffentlichen Personennahverkehr. 

Auf Gesamteuropa gesehen verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2015 84.500 Verkehrstote. Davon entfielen 150 Todesopfer auf Busunfälle. Dies entspricht nicht einmal 0,2 Prozent der Todesfälle.

Diese vergleichsweise niedrige Zahl ist auf die strikten Sicherheitsregeln zurückzuführen, die in den vergangenen Jahren für Busunternehmen eingeführt wurden. Und wenn doch Unfälle passieren, liegt die Ursache meist darin, dass Unternehmen oder Fahrer die Sicherheitsregeln missachten.

Hier einige Fakten über die Sicherheit in Bussen in Europa:

1. Sitzgurte

Seit 2005 sind Sitzgurte für Fahrer und Passagiere in Reisebussen EU-weit verpflichtend. Auch für Kleinkinder muss es eine Möglichkeit geben, sich anzuschnallen. Die konkrete Entscheidung, wann die Gurte tatsächlich angelegt werden müssen, obliegt allerdings dem Fahrer - hier sehen Kritiker eine Schwachstelle in der Gesetzgebung. In vielen Fällen allerdings, wie dem schweren Unglück 2012 in der Schweiz, bei dem 22 Kinder ums Leben kamen, helfen die Sitzgurte in Reisebussen nicht. Die Untersuchung nach dem Crash ergab, dass zwar alle Kinder angeschnallt waren, angesichts der Schwere des Aufpralls die Gurte aber keine Hilfe mehr boten.

2. Regeln für Busfahrer

Einer der Hauptgründe für Busunfälle ist die Übermüdung des Fahrers. Auch hier gibt es deshalb in der EU strenge Regeln, wie lange Busfahrer hinter dem Steuer sitzen dürfen: maximal 56 Stunden pro Woche, maximal neun pro Tag, nie länger als vierinhalb Stunden am Stück. Dann muss eine Pause von mindestens 45 Minuten eingelegt werden. Kritiker sagen, dass diese Regeln in der Praxis zu einfach unterlaufen werden könnten.

3. Fahrtenschreiber

Um genau solche Manipulationen zu vermeiden, müssen alle seit dem 1. Mai 2006 zugelassenen Reisebusse mit einem digitalen Fahrtenschreiber ausgestattet sein. Das Gerät wird am Getriebe angebracht und zeichnet Informationen über die Fahrzeugaktivität, die zurückgelegte Strecke, Pausen und Geschwindigkeiten auf.   

Digitaler Fahrtenschreiber & Flottenmanagement von Continental Automotive GmbH (picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte)

Der digitale Fahrtenschreiber dokumentiert, ob sich der Fahrer an die Sicherheitsregeln hält

4. Fahrerassistenzsystem

Seit 2009 müssen alle Busse in der EU mit zwei Fahrerassistenzsystemen neuster Generation ausgestattet sein: einem, das eingreift, wenn die Fahrbahn verlassen wird, und einem, das autonom bremst, wenn ein Crash droht.