Wie man Lehrkräfte aufs Land lockt | Deutschlehrer-Info | DW | 08.11.2018
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Deutschlehrer-Info

Wie man Lehrkräfte aufs Land lockt

Lehrer sind derzeit in allen Bundesländern gefragt. Doch der Mangel trifft manche Regionen mehr als andere. Wie lassen sich Lehrer gewinnen, wenn man nicht mit Großstadtflair aufwarten kann?

Jeden Monat 300 Euro bis zum Ende des Studiums: Das ist das Angebot, das die Stadt Gardelegen im Norden Sachsen-Anhalts macht. Wer es annimmt, verpflichtet sich, nach dem Lehramtsstudium einen Lehrer-Job in der dünn besiedelten Region zu suchen – und mindestens so lange zu bleiben, wie er zuvor das Stipendium erhielt. CDU-Kommunalpolitikerin Sandra Hietel sagt: „Wir dachten uns, wenn andere Gemeinden ein Stipendium gegen Landarztmangel vergeben, dann können wir das mal gegen Lehrermangel tun.“

Zurück in den Heimatort

Isabelle Radtke hat das Angebot angenommen und sich damit erst einmal festgelegt. Gerade erhielt sie bei einer Tour durch die Schulen der Stadt die Urkunde als sogenannte „Gardelehrerin“. Für sie ist es ein Heimspiel: Am Gymnasium der Stadt hat sie 2011 ihr Abitur gemacht. „Ich habe gerade meinen Master in Magdeburg angefangen und noch zwei Jahre“, erzählt sie. Ihre Fächer Mathematik und Wirtschaft sind begehrt.

„Ich hoffe, das ist keine Eintagsfliege, wir wollen damit auf Jahrzehnte unseren Bedarf decken“, sagt Bürgermeisterin Mandy Zepig (SPD). Sie weiß, dass sie mit ihrem Projekt nicht unbedingt Scharen aus dem ganzen Bundesgebiet anlockt. Aber sie will jene zurückholen, die in der Gegend aufgewachsen sind. Sieben Grundschulen gibt es in Gardelegen, zwei Sekundarschulen, ein Gymnasium, 14.500 Einwohner. Egal, mit welchem Schulleiter man spricht: Allen fehlen Kollegen für den regulären Unterricht.

Kleinere Orte gehen oft leer aus

Lehrer werden im ganzen Land gesucht. Je nach Schulart, Fächerkombination und Region ist die Besetzung besonders schwer. 32.000 Kollegen müssen nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz bis 2030 jedes Jahr eingestellt werden. Während der Westen rechnerisch mehr ausbildet, als er braucht, klafft im Osten inklusive Berlin eine große Lücke zwischen Abgängen und Nachschub. Auch der Trend, in die großen Städte und Ballungsgebiete zu ziehen, hat Folgen: Wenn dort mehr Menschen leben, werden dort auch mehr Pädagogen gebraucht. Die Posten lassen sich tendenziell aber auch leichter besetzen, sagen Verbände. Kleinere Orte gehen häufiger leer aus. „Da steht Sachsen-Anhalt mitnichten alleine da“, sagt Ulf Rödde von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Gerade in ostdeutschen Ländern, aber auch in Regionen im Westen sieht es ähnlich aus.

Lehrerverband begrüßt Stipendien-Idee

Die „Gardelehrer“ in Sachsen-Anhalt seien seines Wissens eine völlig neue Idee im Lehrerbereich, kommentiert der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, den Vorstoß. „Wenn sich eine solche Verpflichtung für einen Stipendiaten juristisch sauber umsetzen lässt, dann würde ich so ein Modell begrüßen.“ Allzu viele Strategien gegen den Lehrermangel gebe es nämlich bisher nicht.

In manchen Bundesländern – wie zum Beispiel in Bayern – werden Lehrer zwar bei Bedarf auch in Regionen geschickt, die fern von ihrem Wunschort liegen. Aber jetzt, wo der Lehrermangel sich verstärke, komme dieses System an seine Grenzen, so Meidinger. So sei der Mangel in Oberbayern größer als anderswo. Bewerber aus anderen Ecken des Bundeslands träten ihre Stelle anders als früher oft nicht an. „In Ländern, wo sich Kollegen direkt für eine konkrete Schule bewerben können, ist das Problem besonders dramatisch, in Sachsen zum Beispiel“, sagt Meidinger weiter. Die dortige Landesregierung will Referendaren ab Januar 2019 bis zu 1000 Euro Zulage zahlen, wenn sie im Gegenzug im ländlichen Raum unterrichten. Auch Sachsen-Anhalt zahlt zeitlich befristet einen Bonus für schwer besetzbare Stellen aus. Im ersten Versuch konnten so 24 von 55 Posten besetzt werden – die meisten auf dem Land. „Ob das wirklich funktioniert, können wir noch nicht mit Sicherheit sagen“, resümiert Meidinger vom Lehrerverband. Auch der „Gardelehrer“ muss sich erst bewähren.

Die Initiatoren sind positiv gestimmt: 28 Bewerbungen seien für die Premiere eingegangen, sagt Kommunalpolitikerin Hietel. „Das ist viel mehr als wir erwartet haben.“ Wegen der großen Resonanz fördert die Stadt jetzt drei Studierende, statt wie ursprünglich geplant einen.

dpa/mk/sts

 

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