Wie im Computerspiel | Archiv | DW | 21.11.2013
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Wie im Computerspiel

Im Reisetagebuch schildern die Kandidaten abwechselnd ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Gedanken rund um die Dreharbeiten. Heute vergleicht Nasser den Straßenverkehr in deutschen Großstädten mit dem in Kairo.

Jonas hat in der Teamkamera erklärt, dass wir bei der Aufgabe in Köln den Fehler gemacht hatten, direkt bis an den Dom zu fahren. Als wir unseren Fehler bemerkten, überlegten wir im Hauptbahnhof, welche Fortbewegungsmittel wir noch verwenden könnten.

Ich fragte zuerst den Fahrer einer Fahrradrikscha, aber der wollte uns nicht helfen. Dann sah ich eine Gruppe Jugendlicher mit Rollstühlen. Ich hatte mich gewundert, weil die Jugendlichen nicht behindert waren, und habe mich gefragt, was sie mit den Rollstühlen machten. Auf diese Frage habe ich zwar nie eine Antwort bekommen, aber die Jugendlichen haben uns geholfen. So hatten wir wenigstens noch ein Fortbewegungsmittel mehr gefunden.

Ich hatte eigentlich das sichere Gefühl, dass wir gewinnen würden. Als wir das nicht geschafft hatten, war ich traurig. Weil es sich um den direkten Vergleich zwischen den beiden Teams gehandelt hat, war es besonders hart, das Ticket nicht zu gewinnen. Jonas konnte besser mit unserer Niederlage umgehen. Er hat am Dom gleich mit dem anderen Team geredet. Ich war ziemlich traurig und still und brauchte etwas mehr Zeit.

Wir mussten bei der Aufgabe möglichst viele Fortbewegungsmittel benutzen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich fand, dass es in Köln nicht viel Verkehr gab. Ein Verkehrsproblem konnte ich in den deutschen Großstädten, die wir besucht haben, nicht feststellen. Aber vielleicht ist das einfach eine Frage der Perspektive: Der Verkehr in Kairo ist unglaublich.

Wenn man verabredet ist und bis zum Treffpunkt zwei Kilometer mit dem Bus fahren muss, sollte man eine Stunde früher an der Haltestelle sein. Trotzdem wird man wahrscheinlich zu spät ankommen. Wenn man sich zum Beispiel um sieben verabredet, dann kann man eigentlich davon ausgehen, dass alle erst um acht Uhr da sein werden, weil es immer überall Stau gibt.

Die Straßen in Kairo sind wie diese Computerspiele, die wir als Kinder auf dem PC gespielt haben. Die Autos kommen aus jeder Richtung auf vier Fahrbahnen. Du musst aufpassen, dass du nicht mit einem der Autos zusammenstößt. Am PC hast du drei Leben und verlierst am Ende nur ein Spiel. In Kairo verlierst du direkt dein Leben.

Ich lache oft über deutsche Freunde, die am Straßenrand stehen und aussehen, als müssten sie eine Formel-1-Strecke überqueren. Ich kann das auch mit Handy am Ohr und Einkaufstasche in der Hand. Mein Vorteil: Ich kenne die Mentalität der Autofahrer. Das Wichtigste ist, Augenkontakt zu halten und zu wissen, welche Fahrer bremsen und welche nicht.

Wie wir das wissen? Wisst ihr, wie wir die Pyramiden gebaut haben? Das ist ein Geheimnis der Ägypter! Genauso ist es unser Geheimnis, wie wir den Verkehr in Kairo überleben.

Text: Nasser