Wie funktioniert der Leistungscheck für Bundesliga-Profis? | Sport | DW | 05.07.2019
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Vor dem Bundesliga-Start

Wie funktioniert der Leistungscheck für Bundesliga-Profis?

Bevor die Bundesliga in die Vorbereitung startet, müssen die Profis bei der Leistungsdiagnostik intensive Checks absolvieren. Bei Bayer Leverkusen wird jeder Spieler stundenlang getestet. Am Ende profitieren alle davon.

Es fließt viel Schweiß in der 3. Etage des Leverkusener Stadions. Die Vorbereitung auf die anstehende Bundesliga-Saison beginnt beim Tabellenvierten der vergangenen Saison. Neuzugang Kerem Demirbay läuft mit einer Maske auf dem Gesicht und vielen Kabeln um sich herum in hohem Tempo auf einem Laufband. Flügelstürmer Karim Bellarabi stemmt an einem Fitnessgerät immer wieder Gewichte. Außenverteidiger Wendell liegt auf dem Bauch auf dem Holzboden und bewegt sichtlich angestrengt seine Rückenmuskulatur. Die Schonzeit für die Bayer-Profis ist vorbei.

Eine Saison beansprucht die körperlichen Fähigkeiten der Fußballspieler extrem, deshalb ist eine intensive Vorbereitung unausweichlich. Doch bevor die Spieler auf dem Fußballplatz so richtig loslegen können, stehen erst einmal umfassende Untersuchungen für sie an. "Die Spieler kommen aus dem Urlaub erholt direkt in die Leistungsdiagnostik", sagt Malte Krüger. Der 37-Jährige ist der leitende Sportwissenschaftler bei der Werkself und checkt mit seinem Team die Fußballprofis auf Herz und Nieren.

Auf der Suche nach dem Vitamin D

Sportwissenschaftler Malte Krüger testet die Bayer-Profis (Bayer 04 Leverkusen)

Sportwissenschaftler Malte Krüger testet die Bayer-Profis

Zwar haben alle Spieler einen individuell abgestimmten Trainingsplan mit in die Ferien bekommen. Hier im "Baylab", das über modernste Untersuchungs- und Trainingsgeräte verfügt, durchläuft aber jeder Einzelne eine über mehr als drei Stunden andauernde Untersuchung.

"Es gibt einen medizinischen Teil, einen für Physiotherapie und einen für die Athletik. Es findet ein Körperscreening statt", erklärt Krüger. "Es geht darum, zu überprüfen, ob die Spieler gesund sind, in welchen Bereichen sie körperliche Stärken aber auch Schwächen haben." Daraus werde nach Abschluss der Untersuchungen ein individuelles Profil eines jeden Spielers erstellt.

Dazu gehöre etwa ein großes Blutbild, in dem aber über die Standarduntersuchungen, die von jedem Haus-Arzt gemacht werden können, weitere Parameter wie etwa der Vitamin D-Anteil oder der von Mineralien abgefragt werden. "Es ist zum Beispiel wissenschaftlich erwiesen, dass ein zu niedriger Vitamin-D-Anteil das Verletzungsrisiko erhöht", sagt Krüger. Mithilfe dieser Diagnostik könne in diesem Bereich vorgebeugt werden.

Wie hoch ist die Sauerstoffaufnahme

Bei der klassischen Leistungsdiagnostik, in der die Belastbarkeit des Körpers bestimmt wird, geht es darum, herauszufinden, in welchem Trainingszustand sich der jeweilige Spieler befindet und wie sein Körper auf die Beanspruchung reagiert. Bei den Laufbandeinsätzen mit der Atemmaske etwa wird zum einen das Atemgas daraufhin analysiert, wie der Körper mit dem Abbau von Kohlehydraten und Fett umgeht. 

Zudem wird die maximale Sauerstoffaufnahme bestimmt. "Wir belasten die Spieler dabei zu 100 Prozent", erläutert Krüger. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der Bevölkerung liege der Wert zwischen 30 und 45 Milliliter pro Minute pro Kilogramm Körpergewicht "Unsere Spieler liegen bei um die 60 Milliliter, also nochmal 50 Prozent höher", so Krüger. Spezialisierte Ausdauersportler wie Marathonläufer oder Triathleten haben noch höhere Werte vorzuweisen.

Es werden auch Schnelligkeitstest vorgenommen, bei denen etwa auch die Lauftechnik jedes Spielers analysiert wird. "Dort kann man mit kleinen Veränderungen und Verbesserungen immer noch ein paar Prozent herausholen", erklärt Krüger.

Unterschiedliche Gewichtung

Kerem Demirbay bei einer Kraftübung (Bayer 04 Leverkusen)

Kerem Demirbay bei einer Kraftübung

Aber es gehe bei Fußballern nicht darum, das Maximum in jedem Bereich heraus zu holen, auch wenn sie sich in allen Bereichen auf einem hohen Grundniveau bewegen sollen. "Es geht vielmehr darum, das Optimum für jeden Spieler zu finden", sagt der Sport-Wissenschaftler. "Ein Torwart benötigt schließlich andere körperliche Voraussetzungen und Stärken als ein offensiver Mittelfeldspieler."

Zudem sucht man nach muskulären Disbalancen, also Ungleichgewichte im Körper, die durch Kraft- und Beweglichkeitstests ausfindig gemacht werden. "Die einzelnen Ergebnisse werden dann aber unterschiedlich gewichtet", sagt Krüger.

"Junge Spieler müssen oft im athletischen Bereich etwas aufholen und müssen sich an den Rhythmus gewöhnen. Bei älteren Spielern, die vielleicht auch schon mal verletzt waren, schaut man eher darauf, ob und wie man präventiv einwirken und weitere Verletzungen vermeiden kann."

Individuelles Training

Diese individuellen Profile helfen den Spielern und auch dem Trainerteam im Laufe der Saison, um auf die Bedürfnisse des Einzelnen genauer eingehen zu können. "Da geht es dann nicht um das Mannschaftstraining, an dem eigentlich alle immer teilnehmen", sagt Krüger.

Vielmehr sind die Ergebnisse der umfangreichen Analysen wichtig für die zusätzliche, individuelle Arbeit der Profis mit Athletiktrainern, die sich auf die speziellen Anforderungen des Spielers konzentrieren, um möglichst optimale Voraussetzungen für eine lange - im besten Fall erfolgreiche und vor allem verletzungsfreie - Saison zu schaffen.

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