Wie Fake News den Kampf gegen Corona in Afrika behindern | Afrika | DW | 24.12.2021
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Corona-Pandemie

Wie Fake News den Kampf gegen Corona in Afrika behindern

Seit Ausbruch der Pandemie verbreiten sich in den sozialen Medien Gerüchte und Verschwörungstheorien. Auch in Afrika. Das verunsichert viele Menschen und erschwert die Impfkampagnen. Was lässt sich dagegen unternehmen?

Mosambik: Impfkampagne gegen das Corona-Virus

Mythen und Missinformationen behindern die Impfkampagne in Afrika

Die Schlange an der mobilen Impfstation in dem kleinen Dorf im Osten Kenias. Aber jüngere Frauen sind kaum dabei: "Viele meiner Freundinnen weigern sich, auch ich hatte ein mulmiges Gefühl", sagt eine junge Kenianerin zur DW.

Doch sie wagte schließlich den Schritt und ließ sich impfen. Der Grund für das Misstrauen ihrer Freundinnen: "Sie haben Angst, dass sie angeblich zwei Jahre nach der Impfung sterben werden."

Tsunami von Falschmeldungen schürt Misstrauen

Solche Falschmeldungen sind ein Grund, warum sich viele Menschen nicht gegen das tödliche Virus impfen lassen.  Über die sozialen Medien erreichen die Falschmeldungen jeden Tag zahlreiche User - wie überall auf der Welt ist auch in Afrika niemand davor geschützt.

Kenia: Impfaktion in Siaya

Diese junge Kenianerin hat ihre Skepsis gegen die Impfung überwunden

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kämpft gegen den "Tsunami" von Fehlinformationen auf dem Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Menschen an. Sie spricht sogar von einer regelrechten Infodemie in der Pandemie. Darunter versteht die WHO "ein Zuviel an Informationen, einschließlich falscher oder irreführender Informationen im digitalen und physischen Umfeld während eines Krankheitsausbruchs".

Die Folgen: Verwirrung und risikofreudiges Verhalten, das der Gesundheit schaden kann. Sie führt auch zu Misstrauen gegenüber den Gesundheitsbehörden. 

Info-Lücken füllen

Die WHO arbeitet seit Dezember 2020 mit zwanzig Partnern in Afrika zusammen. Sie bilden die Africa Infodemic Response Alliance und wollen gefährliche Mythen über die Pandemie und die COVID-19-Impfstoffe aufdecken. 

Smartphone-Nutzer in Afrika (Archivbild)

Über das Netz werden auch viele Menschen in Afrika mit Falschinformationen konfrontiert

"Wir erkennen Fehlinformationen mit unseren Social-Media-Listening-Tools und verfolgen sie, während sie sich schnell verbreiten. Wir erstellen sofort ein Video, in dem wir das Gerücht entlarven und genaue Informationen liefern", sagt Sergio Cecchini, Infodemie-Manager der WHO, zur DW. 

Nach eigenen Angaben hat das Netzwerk bisher über 250 Videos produziert und damit etwa 170 Millionen Menschen in Afrika erreicht. 

Außerdem will das Netzwerk Menschen in Afrika mit korrekten Informationen über die Pandemie aufklären. "Wir versuchen, Wissenslücken zu finden und sie mit korrekten Informationen zu schließen", sagt WHO-Experte Cecchini. 

Religiöse Führer verbreiten Fake News

Das Team um Cecchini hat herausgefunden, dass die Mehrheit der Falschmeldungen in Nordamerika, Australien, Russland und Europa produziert und  verbreitet werden. Von dort gelangen sie auch in afrikanische Social Media-Kanäle. 

"Großen Einfluss bei der Verbreitung haben auch die religiösen Führer, die behaupten, Impfungen hätten Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Frau, das Stillen und bis hin zum Tod", sagt WHO-Experte Cecchini. 

Coronavirus Afrika | Kenia Impfungen

Um das Tragen von Masken zum Schutz vor einer Corona-Infektion entstehen häufig falsche Informationen im Internet

Die Liste lässt sich fortsetzen: Die südafrikanische Regierung droht im Netz jedem Strafe an, der Falschinformationen verbreitet. Zur Abschreckung listet die Regierung einige Falschmeldungen an. Zum Beispiel: Das Tragen einer Maske solle nur begrenzte Zeit erfolgen, denn es reduziere den Sauerstoff im Blut und führe dadurch zu Gehirnschäden.

Alphonce Shiundu kennt solche Mythen: Er ist Redakteur bei "Africa Check", einer Gruppe von Faktenprüfern in Kenia. Sein Team stellte fest, dass selbst prominente Personen gefährliche Ratschläge erteilen: "Der Gouverneur von Nairobi hat Alkohol an die Armen in den Slums verteilt - es war Cognac - und hat ihnen erzählt, das helfe, den Rachen zu desinfizieren und vor COVID-19 schütze", sagt Shiundu im DW-Interview. 

Offenbar hatte der Politiker gedacht, dass alkoholische Getränke schützen könnten, weil Handdesinfektionsmittel ebenfalls Alkohol enthalten.

Knoblauch und Zitronen gegen die Pandemie?

Falschinformationen seien ein großes Problem in Kenia und anderen afrikanischen Ländern, sagt Shiundu. Er kennt das Phänomen aus eigener Erfahrung: "Wir haben ein Training mit Journalisten gemacht. Eine  Teilnehmerin erzählte, dass einige ihrer Freundinnen nach ihrer Impfung zu ihr kamen und meinten, dass sie jetzt unfruchtbar sei", sagt er. 

Auch steckten nicht selten wirtschaftliche Interessen hinter dubiosen Meldungen, mit denen Anbieter Wundermittel gegen COVID oder andere Krankheiten verkaufen wollten.

Südafrika ein Covid Graffiti in Johannesburg

Faktenprüfer raten Usern der sozialen Medien, jede Nachricht rund um das Corona-Virus auf Glaubwürdigkeit zu prüfen

Im Nachbarland Tansania hatte die Gesundheitsministerin alternative Mittel in einem Video als Schutz gegen Corona empfohlen. Das weckt Erinnerungen an die damalige südafrikanische Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang: auf dem Höhepunkt der AIDS-Krise 2006 pries sie Rote Beete, Knoblauch und Limonen als Heilmittel gegen die Infektion an.

In Ghana ging kürzlich eine ähnlich fatale Botschaft in einem Video viral, das 19.000 mal auf Facebook angeschaut wurde, sagte Rabiu Alhassan, Chefredakteur bei GhanaFact in Accra. Demnach sollte ein Cocktail aus Ingwer, Knoblauch, Zitrone und Paracetamol die Viruskrankheit heilen.

Verbreitung von falschen Fakten strafbar

Alhassan will noch größere Teile der Bevölkerung mit glaubwürdigenInformationen über die Pandemie in ihrer eigenen Landessprache erreichen - auch offline. Dabei will er mit angesehenen lokalen Führern und Meinungsbildnern zusammenzuarbeiten, um diese Gemeinschaften zu erreichen.

In Kenia ist die Verbreitung von Falschinformationen und Hasskommentaren im Internet seit 2018 eine Straftat: Es drohen ein Bußgeld und eine Gefängnisstrafe. 
Faktenprüfer Shiundu rät auch den Nutzern sozialer Netzwerke, wachsam zu sein. Sie sollten jede Nachricht auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen. Zum Beispiel, ob sie ursprünglich von Gesundheitspersonal, Ärzten oder Virologen stamme. Oder bei den Faktenprüfern in den Ländern anzufragen.

Mitarbeit: Jan-Philipp Scholz

Impfen unterm Mangobaum - Kenias Kampf gegen Corona

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