Wie es ihm gefällt | Aktuell Europa | DW | 12.07.2018
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Ein Galadinner für Trump

Wie es ihm gefällt

Mit allem Pomp, in aller Pracht: Die Premierministerin des Vereinigten Königreichs empfängt den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Das Vergnügen liegt, vermutlich, ganz auf der einen Seite.

Für die andere Seite ist es bitterer Ernst. Schließlich ist Großbritannien nach dem EU-Austritt dringend auf das Wohlwollen seiner Handelspartner angewiesen. Und da legt man sich schon mal ins Zeug.

Ein Galadinner für Donald Trump also. Im Blenheim Palace nahe Oxford, dem Geburtsort von Kriegspremier Winston Churchill. Ausgewählt wurde der Ort aber wohl auch, weil er inmitten eines riesigen abgeschirmten Geländes liegt. Pfiffe und Buhrufe von Demonstranten musste Trump deshalb nicht fürchten. Obwohl sie da waren. Lautstark.

Trump sieht viel Rot

Der Gast reiste per Hubschrauber aus London an. Mit großem Zeremoniell wurde er im Hof des Schlosses von einer Kapelle rotuniformierter Gardesoldaten in Empfang genommen. Very british. Die Gastgeberin wählte durchgängig dieselbe Farbe.

Premierministerin Theresa May wird nicht müde, die "besondere Beziehung" zwischen London und Washington zu beschwören. Von Trump erhofft sie sich Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit, und zwar möglichst bald. Da kann ein besonderer Rahmen für das festliche Abendessen nicht schaden. Trump ist bekanntermaßen ein Freund pompösen Zeremoniells.

Und er liebt Schmeicheleien. So suchte May in den Mauern des großen Herrenhauses aus dem 18. Jahrhundert nach warmen Worten und fand diese: Großbritannien und die Vereinigten Staaten seien "nicht nur die engsten Verbündeten, sondern auch die liebsten Freunde".

May hatte den US-Präsidenten bereits kurz nach seiner Amtseinführung zu einem Staatsbesuch mit der Queen in London eingeladen. Wohl aus Angst vor den Protesten wurde das aber auf einen Arbeitsbesuch reduziert. Der Empfang in Blenheim Palace dürfte ein Versuch sein, Trump etwas zu entschädigen.

"Das killt den Deal"

Gänzlich ungetrübt dürfte auch die Stimmung der Gastgeberin nicht sein. Einerseits wegen des Erfolgsdrucks und der schwierigen politischen Situation nach den Ministerrücktritten dieser Woche, andererseits aber auch wegen des Gastes. Denn der hatte bereits am Vormittag unverblümt Mays neue Brexit-Pläne kritisiert. "Es scheint sich ein wenig in die andere Richtung zu drehen, wo sie zumindest teilweise wieder mit der Europäischen Union zu tun haben werden", hatte Trump beim NATO-Gipfel in Brüssel gesagt. "Das Volk hat für einen Bruch gestimmt." Und: "Ich weiß nicht, ob es das ist, wofür sie gestimmt haben." Und dann sagte Trump noch: "Ich gehe jetzt zu einem ziemlich heißen Ort, oder? Mit vielen Rücktritten", und flog nach London.

Dort legte er sogleich nochmal nach: May habe seine Ratschläge ignoriert, auf welche Weise Großbritannien die EU verlassen solle, sagte Trump der britischen Zeitung "The Sun". "Ich hätte das ganz anders gemacht. Ich habe Theresa May gesagt, wie sie es machen soll, aber sie hat nicht auf mich gehört."

Ein weicher Brexit, wie May ihn plane, der in eine Freihandelszone mit der EU führe, werde die Chancen auf ein bilaterales Handelsabkommen zunichtemachen. "Wenn sie so einen Deal machen, würden wir mit der Europäischen Union einen Deal machen anstatt mit dem Vereinigten Königreich", sagte Trump dem Blatt. "Das wird vermutlich den Deal killen."

Eine Ungeheuerlichkeit. So wurde noch kein britischer Premier von seinem amerikanischen Gast brüskiert. May ließ sich jedoch nichts anmerken, als sie den US-Präsidenten und First Lady Melania mit ihrem Mann Philip begrüßte. Hochrangige Minister und Wirtschaftsvertreter nahmen an dem Galadinner teil. Die Nacht verbringt das Ehepaar Trump in der Botschafter-Residenz in London. Danach werden sie die britische Hauptstadt bereits wieder verlassen: An diesem Freitag wird Trump von May auf ihrem Landsitz Chequers empfangen, anschließend ist ein Besuch des US-Präsidenten bei Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor geplant.

Von Freitagabend bis Sonntag werden die Trumps in Schottland sein - vermutlich in ihrem Luxus-Golfclub Turnberry.

rb/cgn (afp, ap, dpa, rtr)

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