Wie ein Deich in der Brandung | Fußball | DW | 23.10.2013
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Fußball

Wie ein Deich in der Brandung

Während der HSV früher nach Rückständen oft auseinanderfiel, zeigt er seit einigen Wochen immer wieder Charakterstärke. Eine erstaunliche Wandlung findet DW-Sportreporter Andreas Sten-Ziemons.

Jeweils ein 1:4 gegen Schalke und Hoffenheim, ein 1:5 in Hannover und als Krönung das 2:9 gegen Bayern München. In der vergangenen Saison schaffte es der Hamburger SV gleich mehrfach, sich schmerzhafte Klatschen einzufangen. Und auch in dieser Saison setzte sich die Negativserie der hohen Niederlagen fort: am 2. Spieltag ein 1:5 zu Hause gegen Hoffenheim, vier Wochen später ein 2:6 in Dortmund, bei dem die Hanseaten sogar noch glimpflich davonkamen und viel höher hätten verlieren können.

Keine Klasse, keine Einstellung, kein Charakter - so lauteten oftmals die Vorwürfe gegen die Hamburger im Allgemeinen und die Hintermannschaft im Speziellen. Sobald sie ein Gegentor kassierten, schien bei den HSV-Profis der Deich gebrochen, die Abwehrspieler liefen ihren Gegnern nur noch orientierungslos hinterher. Vorgaben des Trainers und Dinge, die man sich vor dem Spiel noch fest vorgenommen hatte, waren vergessen.

Heute, nach rund einem Monat unter der Leitung von Bert van Marwijk sieht das ganz anders aus: Unter seinem neuen Trainer hat der Hamburger SV innerhalb von nur drei Bundesliga-Spielen bereits fünfmal zurückgelegen. Trotzdem ist der Club unter dem Niederländer immer noch ungeschlagen. Gegen Eintracht Frankfurt gelang zweimal der Ausgleich, gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Wochenende kämpfte sich der HSV sogar dreimal nach Rückstand wieder ins Spiel zurück und sicherte sich einen Punkt. Deiche brechen in der Hamburger Hintermannschaft nun scheinbar nicht mehr.

Lange Erfahrung mit Hochwasserschutz

Bert van Marwijk (Foto: Thorsten Wagner/Bongarts/Getty Images)

Bert van Marwijk - erfolgreicher Deichbauer?

Woher kommt diese Wandlung? Liegt sie vielleicht an der Nationalität des neuen Coachs? Erwiesenermaßen kennen die Niederländer sich mit Deichbau aus. Rund 3000 Kilometer beträgt die Gesamtlänge der wallartigen Hochwasserschutzanlagen, die das flache Land, das zu großen Teilen sogar unterhalb des Meeresspiegels liegt, vor den Wellen der Nordsee schützen. Zugegeben, van Marwijk kommt aus Deventer, einem Städtchen im Landesinneren der Niederlande, das von der Nordseeküste ungefähr so weit entfernt ist wie der Hamburger SV von den Europapokalplätzen. Allerdings liegt Deventer ungefähr dort, wo die Nordsee anfangen würde, wenn es in den Niederlanden keine Deiche gäbe. Besteht hier vielleicht ein Zusammenhang?

Fakt ist, dass van Marwijk es mit seiner ruhigen und konzentrierten Art geschafft hat, seine Spieler so auf Kurs zu bringen, dass sie sich von Rückständen nicht mehr beeindrucken lassen und ihr Spiel weiter durchziehen. Bislang mit Erfolg: Zwei Unentschieden und ein Sieg in drei Spielen unter van Marwijk, das kann sich sehen lassen. In dieser Form muss der Bundesliga-Dino sich wohl keine Sorgen mehr machen, dauerhaft in den unteren Regionen der Tabelle stecken zu bleiben. Oder mit anderen Worten: Mit jedem Punkt wird der Deich zwischen dem Hamburger SV und den Abstiegsplätzen ein bisschen höher.

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