Wie „d′Stoinerne Ma“ Augsburg rettete | Augsburg | DW | 15.01.2014
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Augsburg

Wie „d'Stoinerne Ma“ Augsburg rettete

Der Dreißigjährige Krieg hinterließ neben dem Schrecken auch eine Sage, an die man sich in Augsburg gerne erinnert. Die Geschichte vom „Stoinernen Ma“ erzählt von einem Streich, der die Bewohner aus großer Not rettete.

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„D'Stoinerne Ma“ – der Artikel als MP3

Zwischen 1618 und 1648 tobte in Europa, vor allem in Deutschland, der Dreißigjährige Krieg. Er entstand durch den religiösen Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken. Außerdem kämpfte man um die Vorherrschaft in Europa.

Vor dem Dreißigjährigen Krieg teilten sich Katholiken und Protestanten die Herrschaft in Augsburg. Im Jahre 1629 versuchten die Katholiken mehr politische Macht zu erlangen. 1632 eroberten jedoch die protestantischen Schweden die Stadt und besetzten sie. Daraufhin belagerten die kaiserlich-katholischen Truppen die Stadt. So verhinderten sie, dass Lebensmittel in die Stadt kommen konnten. Die Menschen in Augsburg litten an großem Hunger.

Aus dieser Zeit stammt die bekannte Augsburger Sage „D' Stoinerne Ma“ (der Steinerne Mann). In der Sage heißt es, dass der Bäcker Konrad Hacker, die Stadt vor dem Hunger rettete. Weil es in der Stadt nicht genügend Lebensmittel gab, kam Konrad Hacker auf die Idee, die Truppen zu täuschen: Er begann, Brote aus Sägemehl zu backen. Mit den „falschen“ Broten unter dem Arm ging er zur Stadtmauer, hinter der die kaiserlichen Truppen waren. Er kletterte auf die Mauer und schoss mit seiner Pistole in die Luft, damit man ihn bemerkte. Dann nahm er die Brote und schmiss sie vor den Augen der kaiserlichen Truppen von der Stadtmauer in den Stadtgraben.

Das überraschte die kaiserlichen Truppen. Sie glaubten jetzt, dass die Menschen in Augsburg doch nicht an Hunger litten. Auf Konrad Hacker wurden sie so wütend, dass sie auf ihn schossen. Eine Kugel zerfetzte den Arm des Bäckers, und er starb am gleichen Tag durch seine Verletzung. Doch der Sage nach war seine Tat erfolgreich: Die kaiserlichen Truppen glaubten nicht mehr an einen Sieg und zogen sich von der Stadt zurück.

Die Sage wurde erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt, und man weiß nicht, ob etwas an der Geschichte wahr ist. Es ist zwar bewiesen, dass es eine große Hungersnot in Augsburg während des Krieges gab. Doch den Schweden hat die angebliche List des Bäckers nicht geholfen. Nach mehreren schweren Niederlagen mussten sie die Stadt im März 1635 an die kaiserlichen Truppen übergeben. Man weiß auch nicht, ob der Bäcker Konrad Hacker existiert hat. Aber noch heute kann man eine steinerne Statue an der Stadtmauer in Augsburg besuchen, die an die Sage erinnert. Die Statue zeigt eine einarmige Figur mit einem Brot in der linken Hand.


Glossar:

etwas hinterlassen – hier: etwas erschaffen, was es noch gibt, auch wenn der Verursacher nicht mehr da ist

Sage, -n (f.) – eine alte Erzählung, die nicht bewiesen ist und meistens mündlich überliefert wurde

Streich, -e (m.) – hier: eine Handlung, die andere etwas glauben lässt, das nicht stimmt

toben – hier: großen Schaden verursachen

Konflikt, -e (m.) – der Streit

Protestant, -en/Protestantin, -nen – ein Anhänger einer bestimmten christlichen Glaubensrichtung; jemand, der evangelisch ist

Katholik, -en/Katholikin, -nen – einAnhänger einer bestimmten christlichen Glaubensrichtung; jemand, der katholisch ist

erlangen – bekommen; erhalten

Vorherrschaft (f., nur Singular) die meiste Macht; der größte Einfluss

Truppe, -n (f.) – hier: ein Teil einer Armee; eine große Gruppe Soldaten

etwas belagern – hier: etwas umstellen und bedrohen, so dass niemand rein und raus kann

jemanden täuschen – dafür sorgen, dass jemand etwas glaubt, das nicht stimmt

Sägemehl (n., nur Singular) – der Rest vom Holz, der beim Sägen übrig bleibt

Pistole, -n (f.) – eine Waffe, mit der man schießen kann

Stadtgraben, -gräben (m.) – eine Vertiefung rund um eine Stadt, um sie zu schützen

etwas zerfetzen – hier: etwas auf schwere Weise verletzen

angeblich – wie erzählt wird

jemandem etwas übergeben – etwas jemandem geben, etwas jemandem überlassen

Statue, -n (f.) – eine Figur, die an eine Person/an ein Ereignis erinnern soll

einarmig – nur mit einem Arm

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