Wie der Klimawandel Flächenbrände anfacht | Wissen & Umwelt | DW | 16.08.2016
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Wissen & Umwelt

Wie der Klimawandel Flächenbrände anfacht

Haben Flächenbrände in den letzten Jahren weltweit zugenommen? Wenn ja, ist der Klimawandel schuld? Die Forschung bringt Licht ins Dunkel - und gibt auch Antworten darauf, welche Regionen am verwundbarsten sind.

Letztes Jahr wüteten ungewöhnlich große Flächenbrände in Alaska und Indonesien. Dieses Jahr kämpften Kanada, Kalifornien und Spanien mit den Flammen. Vor kurzem sahen sich auch Portugal und Frankreich mit heftigen Bränden konfrontiert.

Die Anzahl an Flächenbränden hat in den letzten Jahren anscheinend zugenommen. Oder kommt uns das nur so vor, weil uns solche schlechte Nachrichten heute öfter erreichen?

Wissenschaftler legen nahe, dass sich in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Flächenbrände tatsächlich erhöht hat, vor allem im Westen der USA. Der "Union of Concerned Scientists" (UCS) zufolge haben die westlichen US-Bundesstaaten in den letzten Jahrzehnten einen Anstieg der durchschnittlichen Zahl großer Vegetationsbrände erfahren.

Ausführliche Studien haben herausgefunden, dass solche Flächenbrände seit den 1970er und 80er Jahren fast fünf Mal häufiger auftraten. Die Brände zerstörten mehr als sechs Mal mehr Land als jemals zuvor - und dauerten fast fünf Mal länger an als vor den 1970ern.

Außerdem haben sich die Zeiträume mit hohem Flächenbandrisiko in den letzten 40 Jahren überall verlängert.

Dieser Trend macht Jason Funk, leitender Klimawissenschaftler bei der UCS, große Sorgen. "Das Jahr 2015 hat mit einer verbrannten Fläche von mehr als vier Millionen Hektar in den USA alle Rekorde gebrochen", erzählt er im Interview mit der DW. "Das ist ein Gebiet von der Größe der Niederlande oder der Schweiz."

Blick auf die Stadt Funchal auf der portugiesischen Insel Madeira mit Waldbrand im Hintergrund (Foto: picture-alliance/dpa/G. Cunha).

Diesen Sommer bedroht in Portugal eine Welle von Waldbränden die Städte wie hier auf Madeira - mit ungefähr 350 einzelnen Feuern

Laut Funk sind nicht nur die Wälder der USA durch zunehmende Flächenbrände gefährdet - der Trend sei, dass Flächenbrände immer mehr Gebiete auf der ganzen Welt betreffen. "In den vergangenen Jahren gab es große Brände in Sibirien und an anderen Orten auf der ganzen Welt, wo es normalerweise keine großflächigen Brände gibt", sagt er.

Prognosen der UCS deuten daraufhin, dass zukünftige Flächenbrände vier-, fünf- oder sogar sechsmal zerstörerischer werden könnten, als sie es in diesem Jahrhundert schon sind.

Was ist der Hauptgrund für die steigende Zahl an Flächenbränden?

Funk, der den Einfluss des Klimawandels auf Landschaften in den USA erforscht hat, erzählt der DW, dass es gut dokumentierte wissenschaftliche Beweise gibt, dass der Klimawandel die Länge der Flächenbrandsaison, die Größe der betroffenen Gebiete und die Zahl der Flächenbrände erhöht hat.

Auslöser für Flächenbrände sind zwar oft Menschen. Auf der kanarischen Insel Las Palmas soll ein deutscher Aussteiger die verheerenden Feuer mit brennendem Klopapier entfacht haben. Ebenso können auch natürliche Ursachen wie Blitzschläge das Zünglein an der Waage sein.

Aber diese Ereignisse hätten keinen bedeutenden Effekt auf die Größenordnung des Brands, sagt Funk. Was dagegen die Größenordnung beeinflusst, sind die vorhergehenden klimatischen Bedingungen. Und diese sind wärmer und trockener geworden - aufgrund des Klimawandels.

Die weltweit ansteigenden Temperaturen erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Flächenbränden. Doch warum ist das so?

Zum einen, weil wärmere Temperaturen zu stärkerer Verdunstung führen und so das Land austrocknen. Zum anderen, weil wärmeres Klima eine frühere Schneeschmelze mit sich bringt, woraus folgt, dass Böden länger trocken bleiben. Und trockene Böden werden anfälliger für Feuer.

Ein Helikopter bekämpft einen Waldbrand im Osten Spaniens mit Wasser (Foto: Getty Images/AFP/J. Jordan).

Der Klimawandel verlängert die Waldbrandsaison, die Größe der betroffenen Fläche und die Zahl der Ereignisse

Trockenere Bedingungen und größere Temperaturen erhöhen auch Dauer und Schwere des Feuers.

Das Feuer verbrennt größere Gebiete, weil es unvorhersehbare Bahnen einschlägt. "Die Feuer wachsen schnell und geraten häufiger außer Kontrolle als in der Vergangenheit", sagt Funk.

Was facht Flächenbrände außerdem noch an?

Weniger direkt mit dem Klimawandel verbunden, aber trotzdem klimagesteuert, ist der Effekt durch Schädlingsbefall, der zahlreiche Bäume absterben lässt. Schädlinge machen Wälder anfälliger für Waldbrände, so Funk.

"Wir wissen, dass diese Schädlingsbefälle durch den Klimawandel verursacht wurden, weil nichts Vergleichbares in den vergangenen 500 Jahren, vielleicht sogar 1000 Jahren, vorkam", sagt er.

Insekten reagieren auf wärmere Bedingungen, erklärt Funk, und profitieren von längeren Sommern, die ihnen längere Brutzyklen und eine schnellere Fortpflanzung ermöglichen. "Wir können solche Effekte, die wir an von Waldbränden betroffenen Regionen sehen, mit wärmeren Temperaturen in Verbindung bringen."

Welche Gefahren gehen von Flächenbränden aus?

Flächenhafte Flur- oder Waldbrände sind nicht unbedingt schlecht. Tatsächlich ist Feuer ein natürlicher und vorteilhafter Teil von vielen Wald-Ökosystemen.

Über Jahrhunderte baut das Unterholz den Waldboden auf - wenn also ein Feuer sich seinen Weg bahnt, hinterlässt es Platz für größere, ausgewachsenere Bäume, die feuerfester sind.

Doch die unnatürliche Zunahme an Flächenbränden verursacht ein unkontrolliertes Abbrennen von ganzen Wäldern.

Flächenbrände bedrohen außerdem Menschen, ihr Eigentum und die Infrastruktur - jüngste Flächenbrände haben schon deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit in Südostasien zur Folge gehabt, sagt Funk.

Die Feuer töten Pflanzen und Tiere, und sorgen auch für einen Verlust von Lebensräumen.

Ein Feuerwehrmann bekämpft die Flammen eines Waldbrands in Kalifornien mit einem Feuerwehrschlauch in der Hand (Foto: Getty Images/AFP/D. Mcnew).

Feuer können auch vorteilhaft für Ökosysteme sein - aber veränderte Bedingungen sorgen für unkontrollierte Brände

Doch das größte Problem ist, dass Waldbrände zu höheren CO2-Emissionen führen. Denn Bäume nehmen CO2 aus der Atmosphäre auf und speichern es. Je mehr Bäume also verbrennen, desto schwieriger ist es den Klimawandel in Zukunft zu bekämpfen. Und das sei gefährlich, sagt Klimawissenschaftler Funk.

"Das ist einen Rückkopplungseffekt: Die Waldbrände sorgen für steigende Emissionen, welches zur Erderwärmung beiträgt, was wiederum zu mehr Bränden führt", erklärt Funk.

Welche Regionen sind am stärksten von Flächenbränden betroffen?

Forschung der US-Regierung zufolge sind feuchte, bewaldete Regionen am wahrscheinlichsten durch Flächenbrände bedroht, da die Bedingungen dort durch den Klimawandel trockener und heißer werden.

Wälder, die in Zukunft immer häufiger von Feuer und Klimawandel betroffen sein werden, und deswegen die verwundbarsten sind, befinden sich in der borealen Zone. Diese zieht sich über die nördliche Hemisphäre durch Alaska, Kanada, Skandinavien und Russland.

Boreale Wälder machen fast ein Drittel der gesamten Waldfläche auf der Erde aus, und spielen eine wichtige Rolle für die Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre.

Funk warnt außerdem, dass weil die steigenden Temperaturen viele Landschaften verändern, "es wahrscheinlicher wird, dass wir zukünftig öfter Flächenbrände auch in anderen Regionen als der borealen Zone beobachten werden."

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