Wie der Gute Hirte – oder: Warum wir den Priester auch Pastor nennen | Deutschland | DW | 30.04.2020
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Deutschland

Wie der Gute Hirte – oder: Warum wir den Priester auch Pastor nennen

Der Vierte Ostersonntag, ist in der Kirche der "Sonntag vom Guten Hirten". Das Bildwort vom guten Hirten geht auf Jesus Christus zurück und wurde zum Urbild für den Priester, der genau darum auch Pastor genannt wird.

Pastor ist lateinisch und bedeutet übersetzt: Hirte. Dass dieser Begriff vor allem für Geistliche in der Kirche genutzt wird, hängt mit einem biblischen Gleichnis zusammen. Darin beschreibt Jesus sich selbst als den Guten Hirten:
"Ich bin der gute Hirt. Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen." (vgl. Johannes 10)

Die frühen Christen nannten ihre Gemeindeleiter Hirten

Noch in weiteren Beispielen nutzt Jesus dieses Bildwort vom Hirten, der "sein Leben für seine Schafe hingibt". Den Apostel Petrus fordert Jesus dazu auf, ihm nachzufolgen und an seiner Stelle "die Schafe zu weiden". In den frühen christlichen Gemeinden wurde darum den so genannten Ältesten das Hirtenamt übertragen und damit die Leitung der Gemeinde. So wurde im Kontakt mit der lateinischen Sprache aus dem Vorsteher der Gemeinde der Pastor. Später führt das katholische Kirchenrecht einen neuen Begriff für die Hirten ein. Dort heißt es: "Pastor paroeciae sibi commissae est Parochus." Zu Deutsch: "Der Hirte, der ihm übertragenen Pfarrei ist: der Pfarrer."

So setzt sich im Sprachgebrauch der Pfarrer durch als Begriff für den Vorsteher einer Kirchengemeinde, die auch Pfarrei genannt wird. Der Pastor bleibt im Sprachgebrauch erhalten, auch als "Pastor Bonus" – zu Deutsch: der Gute Hirte. Durch diese Formulierung werden die vom Bischof beauftragten Priester generell an ihre Hauptaufgabe erinnert: nämlich die Fürsorge und Verantwortung für die ihm anvertraute Christenherde zu übernehmen. Das ist urchristlich.

Pastor: Unterschiedliche Silben-Betonung in den Konfessionen

In Deutschland wird die Bezeichnung Pastor dagegen seit der Reformation fast ausschließlich für evangelische Geistliche verwendet. Jedoch mit einer anderen Betonung. So lautet der etymologische Bericht:
"Der Pastor, mit Betonung auf der ersten Silbe, ist eine Bezeichnung, die vor allem für die Prediger in protestantischen Gemeinden in Nord- und Mitteldeutschland verwendet wird. Der Pastor dagegen, mit Betonung auf der zweiten Silbe, ist vor allem im Rheinland, sowie am Niederrhein und im Sauerland üblich als Bezeichnung für den katholischen Priester. Mundartlich ist dabei manchmal auch vom 'Pastuur' die Rede."

Zusammengefasst: Auch wenn vor allem im katholischen Raum die Bezeichnung „Pfarrer“ den Namen „Pastor“ weitestgehend ersetzt hat, ist diese ursprünglichere Bezeichnung für den Priester nach wie vor präsent. Nicht zuletzt weil das ganze Feld kirchlichen Handelns als Pastoral bezeichnet wird. Der Hintergrund ist in beiden Fällen das Gleichnis Jesu vom Guten Hirten. Dieser Begriff bleibt die Richtschnur für das Wirken des Geistlichen in der Kirche.

 

Angaben zum Autor:
Martin Korden, Jahrgang 1980, ist Senderbeauftragter der Katholischen Kirche für das Deutschlandradio.