Wie Bildungsveranstaltungen Corona trotzen | Deutschlehrer-Info | DW | 11.06.2020
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Deutschlehrer-Info

Wie Bildungsveranstaltungen Corona trotzen

Überall wird der Lockdown zurückgefahren, doch Großveranstaltungen sind weiterhin tabu. Die didacta wurde abgesagt, die IDT sogar auf 2022 verschoben. Die IDO allerdings geht, wie schon die FaDaF, digital an den Start.

Eine Frauenhand bedient eine Maus, vor ihr ein Laptop und eine Tasse(Imago/PA/J. Gidden)

Digitales Konferieren ist auch eine Option

Die Learntec, Europas größte Messe für digitale Bildung und zukünftige Entwicklungen des digitalen Lernens, hatte Glück. Sie fand Ende Januar 2020 noch mit knapp 12.000 Besuchern aus 15 Nationen in Karlsruhe statt. Das war kurz bevor das Coronavirus auch in Europa immer mehr Länder in den Lockdown trieb.

„Von 0 auf 100 digital“

Die für Ende März 2020 geplante Jahrestagung der FaDaF (Fachverband für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache) erwischte es dann in voller Härte. 500 Teilnehmer aus aller Welt hatten ihr Ticket nach Marburg bereits in der Tasche, als der coronabedingte Lockdown verkündet wurde. Bis zur letzten Sekunde habe man mit dem Marburger Team darum gekämpft, die Tagung stattfinden zu lassen und schon über Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln nachgedacht, bevor sie allgemein zur Pflicht wurden, so Geschäftsführerin Annegret Middeke. Doch dann verbot die Regierung endgültig alle Großveranstaltungen. Die Tagung absagen wollte man allerdings nicht.

Jahrestagung des deutschen Deutschlehrerverband FADAF 2017 in Berlin -Teilnehmer neienr Halle von oben fotogrfiert (Joachim Pelikan)

Analoge FaDaF war gestern - 2020 fand alles im Netz statt

„Wir schaffen das“ war das Credo des FaDaF-Teams, und so entschloss man sich spontan für die Digitalversion der Veranstaltung. „Da lebten wir ja noch analog, und das war quasi von 0 auf 100. Wir haben uns wie Pioniere gefühlt“, erzählt Middeke - und wie wichtig es ihr war, dass Corona nicht das alles beherrschende Thema sein sollte, das die fachlichen Inhalte verdrängt. 

Tag und Nacht habe sie mit einem Team, das „verrückt genug war mitzugehen“, an der Umsetzung der Digital-FaDaF gearbeitet. „Da fragte dann auch schon mal das Kind einer Kollegin, warum nicht mehr regelmäßig gegessen würde“, lacht Middeke.

Kein Abbild analoger Tagungen 

Im Endeffekt gab es dann keine 1:1-Umsetzung einer analogen Veranstaltung mit langen Vorträgen im Netz, sondern vorab verschickte Video-Screencasts, über die dann live diskutiert wurde.  „Der frühe Zeitpunkt unserer digitalen Veranstaltung war ein Vorteil“, betont Middeke, „denn alle hatten Angst vor dem anstehenden digitalen Semester. Dass alles so gut geklappt hat, nahm bei vielen den Druck raus.“

Für die FaDaF 2021 in Kassel allerdings hofft Annegret Middeke trotzdem auf ein analoges Wiedersehen. Zwar kann sie sich vorstellen, digitale Elemente zu übernehmen, „aber ein Austausch von Mensch zu Mensch ist eben durch nichts zu ersetzen.“

„Die IDO kommt zu dir“

Das sehen zwar auch die Macher der Internationalen Deutscholympiade (IDO) so, aber auch sie halten nichts von einer Absage. Eigentlich sollten sich rund 100 Schülerinnen und Schüler aus über 50 Ländern im Sommer vor Ort in Dresden treffen. Stattdessen arbeite man nun mit Hochdruck an einem virtuellen Konzept mit Begegnungscharakter, so Projektleiter Eduard Arnhold. Vom 03. bis 07. August heißt es „Dabei sein! - Die IDO kommt zu dir“.

 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Deutscholympiade mit Sabine Erlenwein om Goethe-Institut, dem Freiburger OB Martin Horn und Bollenhutmädchen (Goethe-Institut/A. Kaiser )

So nah wie bei der IDO 2018 in Freiburg werden sich die Teilnehmer in diesem Jahr nicht kommen - ein gemeinschaftliches Erlebnis soll es aber auch digital werden

Seit 2008 gibt es die Internationale Deutscholympiade, die vom Internationalen Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband (IDV) und vom Goethe-Institut ins Leben gerufen wurde. Ein besonderer Reiz der Veranstaltung ist es natürlich, bei der IDO persönlich Jugendliche aus aller Welt kennenzulernen. Sind die Teilnehmer also nicht enttäuscht, dass sie wegen der Corona-Pandemie nicht nach Deutschland kommen können? „Nicht unbedingt", sagt Arnhold, „wir haben viele positive Rückmeldungen. Die jungen Leute sind sehr motiviert und machen uns innovative Vorschläge.“ Das erklärte Ziel der IDO: „Wir tun alles dafür, die Teilnehmer so nah an Dresden heranzuführen, wie es nur geht.“

So wird es virtuelle Stadtrundgänge geben, Begegnungsplattformen, auf denen die Jugendlichen sich austauschen können, und vieles, vieles mehr - beste Voraussetzungen alsofür die digitale Völkerverständigung. 

 Eduard Arnhold v. Goethe Institut (Privat)

Eduard Arnhold kümmert sich um die digitale Umsetzung der IDO 2020

Eine Herausforderung war für die Veranstalter im Vorfeld, überall die technischen Voraussetzungen für die digitale IDO zu gewährleisten. „Das haben wir uns anfangs problematischer vorgestellt“, sagt Eduard Arnold und freut sich, dass schnell eine Lösung gefunden wurde. „In den wenigen Ländern, in denen Technik ein Problem ist, steuern die Institute im Ausland dagegen und rüsten die Teilnehmer mit der notwendigen Technik aus.“

Die DaFWebkon kennt nur digital

Bei der DaFWebkon, einer Webkonferenz für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, kennt man sich mit technischen Problemen aus. Seitdem die Veranstaltung  2012 ins Leben gerufen wurde, trifft man sich bewusst virtuell im Netz: „Für unsere Konferenz muss keiner in ein Flugzeug steigen und um die halbe Welt reisen“, betonte Angelika Güttl-Strahlhofer, eine der Organisatorinnen, nach der Gründung. Insofern fand die DaFWebkon im März 2020 wie gewohnt statt - und viele Teilnehmer wie u.a. Lehrbuchverlage nutzten ihre virtuelle Präsenz im Anschluss: So konnten sie  Webseiten ausbauen, mit denen man auch in Zeiten von Corona unterrichten konnte und kann.

Definitiv verschoben

Um ein Jahr verschoben hingegen wurden sowohl die im März in Stuttgart geplante didacta, die größte europäische Fachmesse und Weiterbildungsveranstaltung für Bildungswirtschaft, als auch der für August geplante Kongress der Internationalen Vereinigung der Germanistik (IVG)  im italienischen Palermo.

Noch vorsichtiger sind die Organisatoren der Internationalen Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrertagung (IDT), der weltweit größten Tagung für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, die seit 1967 im Vier-Jahres-Turnus stattfindet. Der IDV wollte nicht auf ein rein digitales Format setzen und hat die für 2021 in Wien geplante Veranstaltung bereits ins Jahr 2022 verlegt. „Das haben wir nach einem Gespräch mit der Ärztekammer so entschieden“, sagt Marianne Hepp, Präsidentin des IDV. „Dort hat man uns gesagt, dass ein Impfstoff gegen Covid-19 in absehbarer Zeit wohl nicht auf den Markt kommen wird.“

Marianne Hepp, Vorsitzende des Internationalen Deutschlehrerverbands (M. Hepp)

Marianne Hepp ist mit Leib und Seele Deutschdozentin - und die Vorsitzende des IDV

„mit.sprache.teil.haben“ ist das Motto der Veranstaltung mit dem Anliegen, möglichst viele Lehrende und Forschende aus aller Welt persönlich bei der IDT begrüßen zu können: „Wir wollen nicht nur Leute aus Europa, sondern aus aller Welt dabei haben“, betont Hepp. „Sie sollen ihr Ticket nicht verfallen lassen müssen, weil Corona 2021 noch nicht besiegt ist.“ 

Bleibt nur zu hoffen, dass bald ein Gegenmittel gefunden wird und FaDaF, IDT, IDO und Co. endlich wieder im realen Leben stattfinden können - gern mit digitaler Unterstützung. 

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