″Who is who″ der europäischen Steueroasen | Wirtschaft | DW | 20.05.2013
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Wirtschaft

"Who is who" der europäischen Steueroasen

Isle of Man

Auf der Insel zwischen England, Irland und Schottland sind Steuern eher Nebensache: Erbschaften und Kapital werden überhaupt nicht versteuert und der Spitzensatz der Einkommensteuer liegt gerade mal bei 20 Prozent. Eine Körperschaftsteuer gibt es nicht. Deshalb wird die Insel auch gerne als Versteck der britischen Millionäre genannt. Die Isle of Man steht in Konkurrenz mit den Kanalinseln, von der bestimmte Modelle auch gerne kopiert werden.

Kanalinseln

Die Inselgruppe bestehend aus Jersey, Guernsey und Sark ist Heimat von Hunderten Finanzinstituten und Versicherungen. Die Reize der sicheren Häfen im Ärmelkanal sind einfache und niedrige Steuern. Laut dem Netzwerk Steuergerechtigkeit bietet Jersey eine ganze Palette von Dienstleistungen an und besitzt selbst eine große Bankenwirtschaft. "Jersey ist mit Sicherheit, diejenige der Inseln, die am meisten Schmutz in ihrem Finanzsystem beherbergt und am meisten Missbrauch ermöglicht", sagt Markus Meinzer. Kürzlich habe die Insel auch Stiftungen eingeführt, um Kunden abwerben zu können, die mit der britischen Form der Trusts nicht so vertraut seien.

Kleine Boot im Hafen von Guernsey. (Foto: picture alliance /Jeremy Lightfoot/Robert Harding)

Die Kanalinseln - sicherer Hafen für unsauberes Kapital

Guernsey ist laut Meinzer der Innovator unter den Kanalsinseln. So habe die Insel kürzlich das System "protected self company" erfunden. "Das ist eine Firma, die in sich nochmals verschiedene Zellen, wie Unterfirmen innehat, und zwischen den einzelnen Zellen ist nochmals ein juristischer Schutzwall gezogen, trotzdem ist es auf dem Papier aber ein einzelnes Unternehmen", so Meinzer. Auch die Insel Sark ist kein Kind von Traurigkeit - zwar ist sie wesentlich kleiner als Jersey und Guernsey - doch laut der britischen Zeitung "Guardian" kommen dort rund 24 Firmen auf jeden der ungefähr 600 Einwohner.

Luxemburg

Luxemburg gilt neben England beziehungsweise London als eine weitere Drehscheibe der Finanzindustrie. Als Europas Zentrum des Anleihen- und Fondshandels profitieren Anleger und circa 150 Banken von den günstigen steuerlichen Rahmenbedingungen. 40 dieser Banken stammen davon aus Deutschland. Laut Meinzer ist es vor allem die Anbindung an die EU, die Luxemburg besonders attraktiv macht: "Als EU-Mitglied ist Luxemburg vorzüglich geeignet als Drehscheibe zwischen EU-Geschäften und dem internationalen Markt.

Das Gebäude der Deutschen Bank von dem Architekten Gottfried Böhm in Luxemburg. (Foto: imago/imagebroker)

Mehr als 40 deutsche Banken haben eine Niederlassung in Luxenburg

Das heißt, wenn ich Gesetze umgehen will, die beispielsweise in Deutschland gelten, dann kann ich über Luxemburg gehen." Weil Luxemburg EU-Mitglied ist, seien viele der Vorsichtsmaßnahmen und auch der Transparenzanforderungen nicht anwendbar. Von Luxemburg aus ermöglichten dann Briefkastenfirmen, in Übersee "unregulierte Geschäfte" zu betreiben. Das durchschnittliche Einkommen in Luxemburg ist etwa zweieinhalb Mal so hoch wie im EU-Durchschnitt. Dem Bankensektor verdankte Luxemburg 2010 knapp 40 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts.

Liechtenstein

Spätestens seit 2008 hat auch Liechtenstein den Ruf einer Steueroase. Damals spielte ein Insider den deutschen Behörden CDs mit den Namen deutscher Steuersünder zu. Seit zwei Jahren hat Deutschland aber ein sogenanntes Abkommen über die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch in Steuersachen. Laut Meinzer sind diese Abkommen aber weitestgehend wirkungslos, da der Fiskus nur dann Zugang zu Kontoinformationen bekommt, wenn "konkrete Hinweise auf Steuervergehen im Einzelfall vorliegen - niemals bei einer Gruppe oder in einer Systematik von Fällen." Bis 2009 stand das Land auf der "schwarzen Liste" der Steueroasen der Organisation der wichtigsten Industrieländer OECD.

Niederlande

Blick in die Lagerhalle einer Gouda-Käserei in der niederländischen Stadt Gouda, in der die Laibe reifen (Foto: picture-alliance/dpa)

Kann mehr als Käse - Die Niederlande sind wegen ihrer günstigen Unternehmenssteuern beliebt

Was Luxemburg für Privatinvestoren ist, das sind die Niederlande für große Unternehmen. Denn gerade die Unternehmenssteuern seien unglaublich niedrig und es gebe Vorteile bei der Besteuerung von Zinsen und von Lizenzgebühren, sagt Mainzer. Das Land profitiere außerdem noch von seinem Ruf, offiziell keine Steueroase zu sein, "und deshalb gibt es auch noch keine gesetzlichen Abwehrmechanismen für die Praktiken", so der Experte vom Netzwerk Steuergerechtigkeit. Die klassische steueroptimierte Unternehmensform ist der sogenannte "Dutch Sandwich". Im Normalfall hat ein Unternehmen dabei eine Tochterfirma in den Niederlanden. Diese wird dann genutzt, um das europäische Geschäft weitestgehend über die Niederlande abzuwickeln und damit die Steuern darauf zu sparen.

Die lange Liste der europäischen Steueroasen - hier geht es weiter mit Schweiz, Madeira, Malta, Monaco, Österreich und Zypern.

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