Wetterphänomen sorgt für Brände, Starkregen und Heuschreckenplage | Wissen & Umwelt | DW | 29.01.2020
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Wissen & Umwelt

Wetterphänomen sorgt für Brände, Starkregen und Heuschreckenplage

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen den australischen Buschbränden, den Überschwemmungen in Ostafrika und der daraus resultierenden Heuschreckenplage: das Wetterphänomen "Indischer Ozean Dipol".

Entdeckt wurde die natürlich vorkommende Anomalie der Meeresoberflächentemperatur erst 1999. Obwohl es ähnliche Wettersysteme im Atlantik und Pazifik (El Niño bzw. La Niña) gibt, wurde der "Indischer-Ozean-Dipol (IOD)" in den vergangenen zwanzig Jahren von den Meteorologen und Ozeanographen kaum beachtet. Erst in den letzten Jahren wurde erkannt, welch heftige Auswirkungen die Schwankungen am äquatorialen Ost- und Westende des Indischen Ozeans haben - also in Südostasien und Ostafrika.

Waldbrände und Überschwemmungen durch geschlossene Zirkulation

In der Regel tritt dieses Wetterphänomen alle vier bis sechs Jahre auf. Dabei handelt es sich um eine abgeschlossene Zirkulation: Wenn die Meeresoberfläche im Osten des Indischen Ozeans - also rund um Indonesien – ungewöhnlich kühl ist, herrscht am Boden ein vergleichsweise hoher Luftdruck. Die Forscher sprechen dann von einem "positiven IOD". Dies bedeutet auch für das benachbarte Australien eine langanhaltende Trockenphase, die verheerende Buschbrände begünstigt.

Andauernde östliche Winde treiben diese kühle Luft über das Arabische Meer vor der Afrikanischen Küste, wobei die Luft unterwegs immer mehr Feuchtigkeit aufnimmt. Trifft sie auf Land, regnen die Wolken zum Teil sintflutartig ab. Das kann verheerende Überschwemmungen verursachen.

Infografik So funktioniert der Indische Ozean Dipol (IOD) DE

Die immer noch warme und feuchte Luft steigt dann über dem westlichen Indischen Ozean in die obere Atmosphäre auf und wird von westlichen Winden wieder nach Ozeanien transportiert. Dort sinkt sie dann als "thermische Direktzirkulation" ab. In Bodennähe strömt die Luft erneut nach Westen, der geschlossene Kreislauf nimmt weiter Fahrt auf.

Veränderte Phasen durch den Klimawandel

Solche positiven Phasen beim "Indischen Ozean Dipol" treten zwar regelmäßig alle vier bis sechs Jahre auf, aber ungewöhnlicherweise gab es sie in jüngster Zeit gleich dreimal hintereinander.

Kenia Heuschreckenplage (picture-alliance/AP Photo/B. Curtis)

Machtlos gegen die freßwütigen Wüstenheuschrecken

Verantwortlich ist möglicherweise der Klimawandel, durch den sich der Indische Ozean, je nach Region, unterschiedlich stark erwärmt. Dies wirbelt die klimatischen Voraussetzungen durcheinander und hat einen direkten Einfluss auf die Häufigkeit und Intensität der jeweiligen Phasen.

Ideale Voraussetzungen für Heuschreckenplage

Die sintflutartigen Wolkenbrüche in Ostafrika sind auch für die schlimmste Plage von Wüstenheuschrecken seit 70 Jahren verantwortlich. Gewaltige Schwärme fallen seit Monaten über ganze Landstriche in Äthiopien, Kenia und Somalia her und könnten nach Ansicht der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) eine dramatische Hungersnot auslösen.

Feuchter Boden, reichlich Futter: Wüstenheuschrecken passen sich den klimatischen Bedingungen an. Frisch geschlüpfte Wüstenheuschrecken können erst nach etwa 10 Tagen fliegen. Sie sind nach dem Aushärten der Flügel nicht unmittelbar geschlechtsreif, sondern warten auf günstige Umweltbedingungen, die die Geschlechtsreife dann auslöst.

Global Ideas Kenia Heuschreckenplage (Getty Images/AFP/T. Karumba)

Droht eine 500-fache Zunahme der Heuschreckenzahl ohne massiven Pestizideinsatz?

Wenn es regnet oder wenn es kurz zuvor geregnet hat, erreichen alle Individuen des Schwarms die Geschlechtsreife auf einmal. In der feuchten Erde können die Eier prächtig gedeihen und die üppige Vegetation liefert auch dem Nachwuchs reichlich Futter.

Unter günstigen Voraussetzungen sind 16 bis 20 Nachkommen pro Weibchen nicht ungewöhnlich. 

Wird es zu eng, zieht der Schwarm weiter

Gibt es dank der guten Voraussetzungen irgendwann so viele neue Larven, dass es für die gesamte Population zu eng wird, beginnen die Heuschrecken zu wandern. Bis zu 150 Kilometern können Wüstenheuschrecken pro Tag zurücklegen. Ein etwa ein Quadratkilometer großer Heuschreckenschwarm frisst laut FAO an einem Tag so viel wie 35.000 Menschen.

Sollte die aktuelle Heuschrecken-Plage nicht durch einen massiven Einsatz von Pestiziden unter Kontrolle gebracht werden – wofür der FAO nach eigenen Angaben aktuell 70 Millionen Dollar fehlen - könnte die Zahl der Heuschrecken bis Juni 2020 auf das 500-fache zunehmen, heißt es von der FAO. 

 

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