Wenn Maschinen denken lernen | Wirtschaft | DW | 14.11.2013
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Wirtschaft

Wenn Maschinen denken lernen

Die Vernetzung eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für das IT-Business. Doch die deutschen Unternehmen befürchten, abgehängt zu werden. Neben der staatlichen Regulierung machen die Kunden nicht richtig mit.

Erst kam die Öffnung der Netze für die Privatwirtschaft und das Internet, dann wurden die Inhalte der alten und neuen Medien in das Datennetz integriert. Über die immer leistungsfähigeren Endgeräte wie den Smartphones sind die Menschen in der Lage ständig, multimedial Informationen auszutauschen. "Aber jetzt befinden wir uns inmitten einer weiteren Konvergenzwelle, die wir 'Smart Anything' nennen", beobachtet Dieter Kempf, Chef des IT-Branchenverbandes Bitkom. Überall drin steckt Prozessorleistung und ein Bedürfnis nach Datenverkehr - der Chip am Herzschrittmacher kontaktiert das Mobiltelefon des Hausarztes, das Smartphone gibt der Heizung Bescheid, dass sich sein Träger der Wohnung nähert.

Erntemaschinen können zusätzliche Tieflader für den Abtransport des Getreides anfordern – der Landwirtschaftsmaschinenhersteller Claas und die Deutsche Telekom haben in diesem Sommer einen Feldversuch durchgeführt.

Stromnetze, Produktionsprozesse, Gesundheit - überall wird es Smart. "Beim Internet der Dinge haben wir in Deutschland große Chancen, weil wir bei der Maschinenindustrie stark aufgestellt sind", meint Kempf. Er sagt aber auch: "20 Millionen Bundesbürger stehen Innovationen ablehnend gegenüber." Nach einer Untersuchung soll es 2030 schon 50 Milliarden Geräte geben, die Daten austauschen.

Man kann es auch teuer wollen

Auf dem Bild: Bitkom-Präsident Dieter Kempf auf dem BITKOM-Trendkongress 2013 in Berlin. Foto: Heiner Kiesel / DW 13.11.2013

Bitkom-Chef Dieter Kempf

Wenn es nach Peter Rampling geht, werden auch bald unsere Autos die Kommunikation mit den Versicherungsunternehmen selbst abwickeln. Rampling ist Managing Director Telefónica Digital Germany und verantwortlich für die digitale Strategie in seine Unternehmens in Deutschland, Tschechien und der Slowakei. Er freut sich über ein Projekt, das nach einer Erprobung in Spanien nun auch in Deutschland angeschoben worden ist. Eine Box im Fahrzeug registriert und meldet, wie sportlich, vorsichtig, etc. es gefahren wird. "Entsprechend kann der Versicherer dann günstigere Konditionen für den Vertrag berechnen", sagt Rampling. Aber er müsse diesen Preisvorteil natürlich nicht mitnehmen, wenn er zum Beispiel Bedenken hat, dass seine Daten nicht sicher seien. "Das ist dann seine Entscheidung", meint Rampling entspannt. Es ist seine Antwort auf die Sorgen der Menschen wegen der Sicherheit ihrer Daten.

Rampling lässt sich die gute Laune in punkto Datenerfassung und -verwertung nicht nehmen. "Sehen Sie, ich rate meinen Kollegen immer, sie sollen eine Weile in Deutschland arbeiten, denn wenn sie hier mit den Regeln und Gesetzen zurecht kommen, dann schaffen sie es überall auf der Welt." Rampling will die Werbung im öffentlichen Raum an Mobilgeräte koppeln. "Wenn jemand an einem Geschäft von H&M vorbeiläuft, dann ist es doch ganz praktisch, wenn er die Schnäppchen drinnen direkt auf seinem Handy angezeigt bekommt." Ganz sicher ist er sich, dass in ein paar Jahren alle mit einer elektronischen Geldbörse rumlaufen. Aber die technische Machbarkeit ist nicht alles. Rampling gesteht ein, dass das Vertrauen der Kunden in das Datenhandling der Firmen zu einem der wichtigsten Geschäftsfaktoren in der Branche geworden sei. Ihre wachsende Skepsis - vor allem nach den Skandalen mit den Geheimdiensten – behindert den ungebremsten Datenaustausch.

Rückstand in Europa

Auf dem Bild: Timotheus Höttges, Deutsche Telekom auf dem BITKOM-Trendkongress 2013 in Berlin. Foto: Heiner Kiesel / DW 13.11.2013

Der kommende Telekom-Chef Timotheus Höttges

Es sind eine Menge Daten, die auf den Weg gebracht werden. "Wir haben eine tolle Zukunft vor uns", sagt Timotheus Höttges, der künftige Chef der Deutschen Telekom. Er sähe es gerne, wenn ein ordentlicher Teil davon über die Infrastrukturen deutscher, oder zumindest europäischer Firmen transportiert würde. "Wir sollten das mitgestalten und nicht nur als Kunden erleben." Der derzeitige Finanzchef des deutschen Telekommunikationsriesen ärgert sich über die hinderlichen Regulierungsmaßnahmen. "Es kann doch nicht sein, dass ein Unternehmen Milliarden in die Infrastruktur steckt und nach 15 Jahren Spektrum abgeben muss, das behindert Investitionen."

Höttges fordert günstige Rahmenbedingungen, um wachsen zu können. Geschehe das nicht, so bestehe die Gefahr, dass die Europäer "zu Zwergen degradiert werden". Er findet, dass Rahmenbedingungen wie in den USA wohl nicht schlecht wären und verweist auf die Großen dort: "Wenn sie heute die führenden Internetunternehmen anschauen, Google, Amazon, Facebook und Twitter, dann ist das heute ein Wert, der heute der Börsenkapitalisierung des Dax entspricht." Und: die US-Firmen befänden sich auf Einkaufstour.

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