Wenn Gletscher verschwinden | Aktuell Europa | DW | 18.08.2019
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Erderwärmung

Wenn Gletscher verschwinden

Island ehrt den ersten Gletscher, der dem Klimawandel zum Opfer fiel. Eine Gedenktafel soll an "Okjökull" erinnern und zugleich davor warnen, dass 400 anderen Gletschern das gleiche Schicksal droht.

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Wenn Gletscher verschwinden, sollte Alarmstufe Rot herrschen. Daran soll die Gedenktafel für den verschwundenen "Okjökull" unter anderem erinnern. Das Ende dieses Gletschers darf nicht in Vergessenheit geraten. Die Plakette mit dem Titel "Ein Brief an die Zukunft" soll ins Gedächtnis der Menschen rufen, was der Klimawandel anrichten kann, wenn weiterhin nichts unternommen wird. Isländische und US-Wissenschaftler wollen mit dem Denkmal die Aufmerksamkeit darauf lenken, "was verloren geht, wenn die Gletscher der Erde verschwinden." Rund 400 Gletscher auf der subarktischen Insel sind durch die Erderwärmung bedroht.

Chronologie eines Unglücks

Island | Gedenken an den Klimawandel bedingten Verlust des Gletschers Okjökull (Dominic Boyer/Cymene Howe)

Island erklärt den Okjökull zum Opfer des Klimawandels

1890 umfasste der Okjökull im Westen des Landes noch eine Fläche von 16 Quadratkilometern. 2012 war er einem Bericht der Universität von Island zufolge auf 0,7 Quadratkilometer geschrumpft. 2014 verlor er als erster Gletscher, seinen Status als solchen. Eine Premiere für Island.

Die Gedenktafel mit dem Titel "Ein Brief an die Zukunft" wurde am Sonntag offiziell enthüllt - an der Abschiedszeremonie nahmen rund 100 Menschen teil, darunter Regierungschefin Katrin Jakobsdottir.  Die Tafel soll ein Bewusstsein für den Rückzug der Eisfelder und die Auswirkungen des Klimawandels wecken. "In den nächsten 200 Jahren werden voraussichtlich alle unsere Gletscher diesen Weg gehen. Diese Gedenktafel soll deutlich machen, dass wir wissen, was passiert und was getan werden muss. Nur ihr wisst, ob wir es getan haben", ist darauf zu lesen.

 Auf der Tafel ist zudem die im Mai gemessene CO2-Konzentration von 415 Teilen pro Million (ppm) vermerkt. Dies war der höchste jemals gemessene Kohlendioxid-Gehalt in der Erdatmosphäre.

Menschenwerk

"Indem wir eines gefallenen Gletschers gedenken, wollen wir betonen, was auf der ganzen Welt verloren geht, und auch darauf aufmerksam machen, dass dies etwas ist, was der Mensch 'erreicht' hat. Obwohl es etwas ist, worauf wir nicht stolz sein sollten", sagte Cymene Howe, Associate Professor of Anthropology an der Rice University. Island verliere jährlich etwa elf Milliarden Tonnen Eis, und Wissenschaftler befürchteten, dass bis 2200 alle über 400 Gletscher des Inselstaates verschwunden sein werden, so Howe 

Island ehemaliger Gletscher Okjökull | Zeremonie anlässlich seines Verschwindens (Getty Images/AFP/J. Richard)

Die Gedenktafel für den Gletscher Okjökull

Damit eine Eisfläche als Gletscher gilt, muss "die Masse aus Eis und Schnee so dick sein, dass sie sich durch ihr eigenes Gewicht bewegt", sagte der Geologe Oddur Sigurdsson der Nachrichtenagentur AFP. Dies sei bei etwa 40 bis 50 Metern Dicke der Fall.

Der Vatnajökull im gleichnamigen Nationalpark in Island ist der größte Gletscher Europas. Der Park zählt seit Anfang Juli zum UNESCO-Welterbe. Einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) vom April zufolge könnten bis 2100 rund die Hälfte der Welterbestätten ihre Gletscher durch den Klimawandel verlieren.

ni/rb (AFP, tagesschau)

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