Wenn Flugzeugteile vom Himmel fallen | Deutschland | DW | 03.08.2018
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Luftfahrt

Wenn Flugzeugteile vom Himmel fallen

Nicht nur Gutes kommt von oben: Hunderte Flugzeugteile sind in den vergangenen Jahren vom Himmel gestürzt. Sogar metergroße und kiloschwere Teile waren darunter. Werden die Maschinen zu wenig kontrolliert?

Plötzlich lag eine anderthalb Meter große Gummidichtung im Garten. Thomas Weyer aus Mainz hatte das stark nach Treibstoff riechende Teil Anfang Juni auf seinem Grundstück entdeckt. Schnell stellte sich heraus: Die Dichtung war von einem Flugzeug herabgestürzt. Weyers Garten liegt in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Weyer war entsetzt: "Es war mir klar, wenn so ein Teil einen trifft, kommt es mindestens zu schwersten Verletzungen, wenn nicht sogar zum Tod", sagte er dem Hessischen Rundfunk. Die Reaktion der Mainzer Polizei: "So etwas kommt immer mal wieder vor."

Von Schrauben bis zum Zusatztank

Ist das wirklich wahr? Fallen immer wieder Flugzeugteile vom Himmel? Die Grünen wollten es genauer wissen und stellten eine Anfrage an das Bundesverkehrsministerium. Die Antwort: Mindestens 400 Flugzeugteile sind in den vergangenen zehn Jahren auf Deutschland gestürzt. Dabei handelte es sich oft um Kleinteile wie Schrauben oder Abdeckklappen mit einem Gewicht von 20 Gramm, aber auch um Dinge wie einen sechs Meter langen Zusatztank und ein zwölf Kilogramm schweres Teil der Triebwerksverkleidung. Immerhin: In keinem der Fälle wurde jemand schwerer verletzt.

Interessant ist, wo die Flugzeugteile herstammen. Für die Jahre 2008 bis 2018 werden 57 Fälle aus der zivilen Luftfahrt aufgeführt - und 351 Fälle, in denen Militärmaschinen ein Bauteil verloren haben. Trotz des Mainzer Falls mit der Gummidichtung im Garten sind dem Verkehrsministerium nach eigenen Angaben keine Fälle bekannt, "bei denen seit dem Jahr 2008 durch herabgestürzte Flugzeugteile Siedlungsgebiete betroffen waren".

Ruf nach mehr Kontrollen

Die Bundestagsabgeordnete der Grünen Tabea Rößner schaut auf die vergleichsweise geringe Anzahl der Fälle in der zivilen Luftfahrt im Vergleich zum militärischen Bereich. Es sei zu vermuten, dass die Dunkelziffer weit höher liege. "Es stellt sich deshalb die Frage, ob nicht auch in der zivilen Luftfahrt engmaschigere Kontrollen der Flugzeuge nötig sind", sagte Rößner der Deutschen Welle.

Wartung Triebwerke (picture-alliance/dpa/W. Grubitzsch)

Am Flughafen Leipzig/Halle untersucht ein Flugzeugmechaniker ein Triebwerk

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft widerspricht dem. Es gebe für jedes Flugzeug ein "individuell zugeschnittenes Instandhaltungsprogramm", das sich an staatlich geprüften Vorgaben orientiere und für alle bindend sei, sagte Sprecher Ivo Rzegotta. "Sicherheit hat im Luftverkehr oberste Priorität." Ähnlich ist die Reaktion aus dem Luftfahrt-Bundesamt. Die gemeldeten Fälle ließen keine Rückschlüsse auf mangelnde oder unzureichende Instandhaltungen zu, heißt es.

Schon schlechtes Wetter kann ausreichen

Doch wie kann es dann trotzdem sein, dass metergroße und kiloschwere Teile vom Himmel fallen? "Auch wenn alle Beteiligten stets sehr sorgsam umgehen und alles mehrfach immer und immer wieder kontrolliert wird, kann es zu solchen Vorfällen kommen", sagt Janis Schmitt von der Pilotenvereinigung Cockpit. Es müsse nicht automatisch ein menschlicher Fehler vorliegen, denn Flugzeuge könnten auch bei einem Vogel- oder Hagelschlag so beschädigt werden, dass Teile abfallen. Und auch bei schwerwiegenden Turbulenzen sei vorstellbar, dass kleinere Teile beschädigt würden.

Janis Schmitt, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit (Uwe Nölke)

Janis Schmitt, Sprecher der Vereinigung Cockpit

Grund zu große Sorge sieht der Pilot trotzdem nicht. Zwar sei jedes heruntergefallene Stück ein Teil zu viel. Aber: "Wenn man sich die Zahl der über Deutschland stattgefundenen Flugbewegungen der letzten zehn Jahre anschaut, relativiert sich die Zahl der Vorfälle." Laut der Luftverkehrswirtschaft sind es nämlich mehr als drei Millionen Flugbewegungen pro Jahr. Pilot Schmitt rechnet vor, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil auf das eigene Hab und Gut falle, bei etwa eins zu zehn Millionen liege. "Es gibt die Gefahr, aber diese ist deutlich geringer als beispielsweise von einem Blitz getroffen zu werden", sagt er.

Dass der harte Preiskampf unter den Fluglinien zu weniger Sicherheit führt, glaubt Schmitt nicht. "Natürlich wird überall gespart, und zu oft beim Personal. Grundsätzlich muss sich jedes Flugunternehmen aber den gleichen gesetzlichen Vorschriften unterwerfen." Es sei jedoch "wünschenswert", wenn darüber hinaus zusätzliche und eventuell personalintensive Arbeiten bei den Billigfliegern stattfänden.

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