Weniger Kinder an Förderschulen | Deutschlehrer-Info | DW | 06.09.2018
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Deutschlehrer-Info

Weniger Kinder an Förderschulen

Der Anteil der Kinder, die in Deutschland eine Förderschule besuchen, ist in den vergangenen Jahren leicht gesunken. Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Deutschland hat sich im Jahr 2009 mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention zur Inklusion verpflichtet. Das bedeutet unter anderem, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam an einer Regelschule unterrichtet werden sollen. Die Ergebnisse einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am 3. September 2018 veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Zahl der Kinder, die an Förderschulen unterrichtet wird, in den letzten Jahren leicht zurückgegangen ist: Waren es im Jahr 2008 noch 4,9 Prozent aller Kinder, konnten 2017 mit 4,3 Prozent etwas weniger Kinder keine Regelschule besuchen.  

Dabei gibt es jedoch zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Entgegen dem bundesweiten Trend stieg laut der Studie die sogenannte Exklusionsquote – der Anteil der Kinder, die eine Förderschule besuchen – in süd- und südwestdeutschen Bundesländern an: In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz seien demnach 2017 mehr Kinder auf eine Förderschule gegangen als im Jahr 2008. Einen deutlichen Rückgang habe es dagegen im Osten von Deutschland gegeben. Besonders niedrig ist der Studie zufolge die Zahl in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen. Am niedrigsten war der Anteil im Jahr 2017 in Bremen mit 1,2 Prozent, am höchsten in Mecklenburg-Vorpommern mit sechs Prozent.
 
Die Chance auf Inklusion hängt laut Studie zudem nicht nur vom Wohnort der Kinder ab, sondern auch von der Art des Förderbedarfs: So sei die Quote der Schüler mit Lernhandicaps an Förderschulen bundesweit seit 2008 von 2,1 auf 1,3 Prozent gesunken. Damit finde Deutschland Anschluss an internationale Standards, so das Fazit der Studie. Auch Kinder mit dem Förderschwerpunkt Sprache besuchten in elf Bundesländern häufiger eine Regelschule als früher. Dagegen habe sich für Schüler mit den Förderschwerpunkten geistige oder körperliche Entwicklung zwischen 2008 und 2017 überall wenig verändert. Bei Schülern mit sozial-emotionalem Förderbedarf gebe es heute sogar weniger Inklusion.

Der Sozialverband VdK verlangte mehr Engagement von Bund und Ländern. „Es darf nicht vom Wohnort der Familien abhängen, ob Kinder die Förderschule oder eine Regelschule besuchen“, erklärte Verbandspräsidentin Verena Bentele. Nötig sei eine „bundesweite, verbindliche Gesamtstrategie für inklusive Bildung“. Dazu gehörten auch einheitliche Standards zur Lehrerqualifizierung.

Kritik am Ansatz der Studie kam vom Deutschen Lehrerverband. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger erklärte, mehrere Bundesländer mit niedrigem Anteil an Exklusionsquoten hätten „Förderschulen und Förderzentren zwangsweise geschlossen und damit die Kinder an Regelschulen umgeleitet.“ Für die betroffenen Schüler habe sich dadurch die Fördersituation oft verschlechtert. Denn, so Meidinger, es sei noch ein weiter Weg, das Regelschulsystem für die optimale Förderung behinderter Schüler auszustatten.


sts/ip (mit AFP/KNA/DPA)

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