Welche Frau prägt Riads Image in den USA? | Nahost | DW | 27.02.2019
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Saudi-Arabien

Welche Frau prägt Riads Image in den USA?

Erstmals wird mit Rima Bandar al-Saud eine Frau saudische Botschafterin in Washington. Doch sie erhält Konkurrenz: Denn auch Regimekritikerin Hala al-Dosari dürfte künftig das Image ihres Landes in den USA beeinflussen.

Sie ist selbstbewusst, spricht lebhaft und trägt farbige Kleidung, anders als die meisten Frauen im konservativ-wahhabitisch geprägten Saudi-Arabien. Per königlichem Dekret wurde verfügt: Prinzessin Rima Bandar al-Saud übernimmt einen neuen Posten in Washington. Die 43-jährige soll als erste Botschafterin ihres Landes in Washington ein anderes, positiveres Bild von Saudi-Arabien zeichnen.

Rima Bandar al-Saud ist kein unbeschriebenes Blatt. Das Forbes-Magazin setzte sie zuletzt an 16. Stelle der 200 mächtigsten Frauen in der arabischen Welt. Ihr Vorgänger als Botschafter in den USA war Khaled bin Salman, der jüngere Bruder des international in die Kritik geratenen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Er wurde zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt. "Das Auswechseln des saudischen Botschafters in Washington war ein Muss nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul", kommentiert der ägyptische Journalist und Saudi-Arabien-Kenner Hafez al-Mirazi im DW-Interview.

Reaktion auf Ermordung Khashoggis

Saudi-Arabien versucht derzeit, sein Image mit allen Mitteln aufzupolieren. Vor allem seit dem Mord an Jamal Khashoggi ist der Ruf des Königreichs schwer beschädigt. Der regimekritische Journalist war im Oktober 2018 in den Räumen des saudischen Konsulats in Istanbul getötet worden. Der US-Geheimdienst CIA geht nach Medienberichten davon aus, dass Kronprinz Mohamed bin Salman, kurz MbS, hinter der Tötung steckt. Obwohl US-Präsident Donald Trump weiter auf MbS als Partner setzt, belastet der Fall Khashoggi auch die bilateralen Beziehungen. Khashoggi lebte in den USA im Exil und schrieb regelmäßig eine Kolumne für die "Washington Post", die bei den Mächtigen in Riad häufig für Verärgerung sorgte.

Proteste in den USA nach Mord an Jamal Khashoggi (picture-alliance/newscom/K. Dietsch)

Jamal Khashoggi verschwand nach Betreten der saudischen Botschaft in Istanbul

Doch nicht nur der Fall Khashoggi sorgt noch immer für Negativ-Schlagzeilen. Auch im Hinblick auf die Situation der Menschenrechte und insbesondere der Rechte von Frauen steht Saudi-Arabien schon lange in der Kritik. Die Ernennung von Mohamed bin Salman zum Kronprinzen im Juni 2017 weckte zwar die Hoffnung, Saudi-Arabien würde moderner werden und die Menschenrechte achten. Doch obwohl der Kronprinz Wandel propagierte, das Autofahrverbot für Frauen aufhob und sich gerne als liberaler Reformer präsentiert, werden in Saudi-Arabien weiterhin Aktivistinnen und Regimekritiker verhaftet und die Rechte von Frauen missachtet.

So dürfen saudische Frauen immer noch nicht alleine reisen oder selbstständig einen Pass beantragen und benötigen stets die Zustimmung eines Mannes als Vormund. Momentan sitzen erneut zwei saudische Schwestern nach ihrer Flucht aus dem Königreich in Hongkong fest. Sie werfen ihrer Familie Gewalt und Misshandlung vor. Und immer noch sitzen mehrere prominente Frauenrechtlerinnen wie Loujain al-Hathloul und Eman al-Nafjan in Saudi-Arabien selbst hinter Gittern.

Reema Bint Bandar Al Saud saudi-arabische Prinzessin (Getty Images/AFP/F. Nureldine)

Als Teil der Königsfamilie repräsentiert Bandar al-Saud die privilegierte saudische Elite

Die Prinzessin und neue Botschafterin ist eine Tochter von Bandar ibn Sultan al Saud, langjähriger US-Botschafter des Königreichs, und wuchs selbst in den USA auf. Später studierte sie am Mount Vernon College der George Washington University. Als Unternehmerin betrieb sie ein Kaufhaus der Luxus-Modekette Harvey Nichols in Riad und engagiert sich seit einigen Jahren im Kampf gegen Brustkrebs. Auch wirbt sie immer wieder für eine stärkere Beteiligung saudischer Frauen an sportlichen Aktivitäten.

Auf Twitter reagierte die Prinzessin auf ihre Ernennung zur neuen Botschafterin mit Freude und Dankbarkeit. "Ich werde, so Gott will, meinem Land und seinen Menschen dienen und keine Anstrengung auf diesem Weg scheuen."

Regimekritikerin als Konkurrentin

Die regimetreue Prinzessin ist allerdings nicht die einzige saudische Frau, die sich anschickt, das Image Saudi-Arabiens und speziell saudi-arabischer Frauen in den USA zu prägen. Konkurrenz macht ihr dabei eine Menschenrechtsaktivistin, die nur zwei Tage nach Nominierung der Botschafterin von der "Washington Post" als erste "Jamal-Khashoggi-Stipendiatin" der renommierten Zeitung vorgestellt wurde: Hala al-Dosari. Das Stipendium, das die bekannte saudische Aktivistin antritt, wurde zu Ehren des ermordeten Journalisten in Leben gerufen. Al-Dosari wird ihre Artikel für die "Washington Post" auf Englisch und Arabisch verfassen. Beobachter erwarten, dass sie auch an neuer Stelle weiterhin die Misstände in ihrem Herkunftsland anprangern wird - prominent platziert in einer der angesehensten und einflussreichsten Tageszeitungen der Vereinigten Staaten von Amerika.  

Al-Dosari ist Wissenschaftlerin, Schriftstellerin und schreibt bisher unter anderem für Al Jazeera. 2013 war sie maßgeblich an den Protesten saudischer Frauen für eine Aufhebung des Fahrverbots beteiligt und startete eine Onlinekampagne gegen Gewalt an Frauen. Sie erhielt Stipendien an westlichen Universitäten, unter anderem zur Erforschung geschlechtsspezifischer Gewalt in Saudi-Arabien. 2018 wurde Al-Dosari von Human Rights Watch mit dem "Alison Des Forges Award" ausgezeichnet.

Während Bandar al-Saud das Regime repräsentieren muss, verkörpert Al-Dosari dessen Kritiker im In- und Ausland. Beide Frauen gelten als modern und stark, doch ihre politische Haltung könnte unterschiedlicher kaum sein. Hala al-Dosari schreibt gegen all das an, was die neue Botschafterin vor der amerikanischen Öffentlichkeit rechtfertigen und verteidigen muss.

Politische Taktik

"Ungeachtet dessen, welche politischen Zwecke die Ernennung von Bandar al-Saud hat, ist die Besetzung des wichtigsten Postens im Ausland durch eine Frau dennoch ein positiver Schritt", meint Saudi-Arabien-Experte al-Mirazi. Dieser Schritt könne durchaus positiv auf die Diskussionen in der saudi-arabischen Gesellschaft über die Rechte von Frauen einwirken. Der Experte vergleicht Bandar al-Sauds Rolle mit der Position von Ivanka Trump als Beraterin ihres Vaters. "Ivanka zu einer Beraterin zu machen, heißt ja auch nicht, dass Donald Trump selbst sich künftig stärker für die Rechte der Frauen einsetzt." Viel Spielraum werde auch Bandar al-Saud nicht haben.

Ihre neue Konkurrentin, Hala al-Dosari, kommentierte die neue Position der Prinzessin auf Twitter bereits wie folgt: "Wir alle hoffen, dass jede Frau die gleichen Chancen hat und die besten Positionen einnehmen kann, um die Realität der Frauen wirklich zu verändern. Aber das geschieht nicht lediglich durch eine politische Ernennung, die ihre speziellen Umstände hat."

Hala Al-Dosari wird ein viel kritischeres Bild von Saudi-Arabien zeichnen als die Prinzessin auf dem Botschafterposten. Abzuwarten bleibt, welche der beiden Frauen künftig stärker das Image Saudi-Arabiens in der amerikanischen Öffentlichkeit prägen wird.

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