Weißhelme: Damaskus betreibt Politik des Aushungerns | Asien | DW | 30.11.2017
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Syrien

Weißhelme: Damaskus betreibt Politik des Aushungerns

Syriens Weißhelme schlagen Alarm. Angesichts der laufenden Gespräche unter UN-Vermittlung in Genf drängt die Zivilschutzorganisation auf mehr Schutz für die Bevölkerung und auf stärkeren Druck auf das Assad-Regime.

"Hunderttausende Zivilisten sind eingeschlossen, es wird auf dicht besiedelte Gebiete geschossen und auch auf medizinische Versorgungszentren", erklärt Raed Al Saleh, Vorsitzender der Weißhelme, die offiziell "Syrischer Zivilschutz" heißen, gegenüber der DW. Insbesondere dort, wo Weißhelme arbeiteten, würde größtmöglicher Schaden angerichtet, um so viele Menschen wie möglich zu töten und die Arbeit der Helfer zum Erliegen zu bringen.

Für ihr herausragendes Engagement zur Rettung von Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg wurden die Weißhelme im September 2016 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Die Erwartungen von Weißhelm-Vorstand Al Saleh an die aktuellen Friedensgespräche in Genf gehen gen Null.

Stockholm Right Livelihood Award Alternativer Nobelpreis für Weißhelme (picture-alliance/dpa/F. Sandberg)

Ausgezeichnet: Raed Al Saleh (Mitte) nimmt den Alternativen Nobelpreis für die Weißhelme entgegen

"Die Weißhelme fordern seit Jahren, die militärischen Operationen einzustellen und eine Lösung zu finden, um die Zivilbevölkerung vor Gewalt zu schützen", sagt er. Doch in der Praxis sei genau das Gegenteil der Fall. Al Saleh: "Vom Zugehen auf eine Lösung ist die syrische Regierung weit entfernt. Sie betriebt immer noch eine Politik des Aushungerns."

Hungernde Kinder

Nach Angaben der Vereinten Nationen erleben die Kinder in der syrischen Region Ost-Ghuta zurzeit die schlimmste Hungerkrise seit Beginn des Bürgerkriegs 2011. Von den Kindern unter fünf Jahren seien 11,9 Prozent akut unterernährt, erklärte das UN-Kinderhilfswerk (Unicef) am Mittwoch. Noch im Januar habe dieser Anteil in der Rebellenhochburg, die seit 2013 unter Belagerung der Regierungstruppen steht, bei 2,1 Prozent gelegen.

Grund für die dramatische Lage seien anhaltende Kämpfe, Mangel an Hilfslieferungen und hohe Lebensmittelpreise, erklärte Unicef. Eine Studie habe jüngst gezeigt, dass ein Drittel der Kinder unter verzögertem Wachstum leide, was das Risiko von Krankheiten und Tod erhöhe. In der Region am Ostrand von Damaskus leben knapp 400.000 Menschen unter Belagerung, rund die Hälfte davon sind Kinder.

Druck auf Damaskus

Al Saleh fordert die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. "Der Druck auf diejenigen, die die Zivilbevölkerung belagern, muss zunehmen. Sie müssen humanitäre Korridore in die eingeschlossenen Gebiete zulassen und in dringenden medizinischen Fällen eine Evakuierung gewähren", sagt er.

Auch für die Arbeit der Weißhelme bittet er um zusätzliche internationale Unterstützung. Zusätzliche Trainingseinheiten und Ausrüstung für ehrenamtliche Mitarbeiter würden helfen, Menschenleben zu retten und die Arbeit der Teams in den Krisengebieten stärken. Al Saleh: "Unter den jetzigen Umständen ist jegliche Unterstützung unzureichend. Wir leben unter unmenschlichen Bedingungen."

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