Was mit der Fußball-Weltmeisterschaft alles nicht stimmt
8. Juni 2026
1. Sollte der Fußball-Weltverband FIFA nicht politisch neutral sein?
In den Monaten vor der WM 2026 wurde oft kritisiert, dass die FIFA unter Präsident Gianni Infantino eine ungewöhnliche Nähe zu Donald Trump zeigt. Infantino trat mehrfach gemeinsam mit dem US‑Präsidenten auf.
Unter anderem saß er bei dessen Friedensrat mit roter Kappe als feixender Trump-Fanboy mit auf der Bühne und verlieh dem US-Präsidenten bei der WM-Auslosung den "FIFA‑Friedenspreis". Die eigens erschaffene Auszeichnung war quasi ein Ersatz dafür, dass Trump der Friedensnobelpreis verwehrt worden war, für den er sich selbst als geeignetsten Kandidaten ansah.
Laut eigenen Statuten soll die FIFA politisch neutral sein, allerdings interpretiert Infantino seine Rolle zunehmend politisch und erweckt damit den Eindruck, internationale Sportpolitik gezielt mit staatlichen Interessen zu verknüpfen.
Zusätzliche Spannungen entstehen dadurch, dass sich die USA im Krieg mit dem Iran befinden. Bisher gab es noch nie einen WM-Gastgeber, der sich in einem militärischen Konflikt mit einem der WM-Teilnehmer befand.
2. Sollten nicht alle Fans die Möglichkeit haben, ihr Team zu sehen?
Die Einreisebestimmungen in die USA sorgen ebenfalls für massive Kritik: Durch verschärfte Visaregeln sind Fans mehrerer Teilnehmerländer faktisch ausgeschlossen. Für Iran und Haiti gilt ein vollständiges Einreiseverbot für Zuschauer - nur Teams und Betreuer dürfen ins Land.
Auch Fans aus dem Senegal und der Elfenbeinküste haben kaum Chancen, da für sie Touristenvisa weitgehend ausgesetzt wurden, unter anderem weil in der Vergangenheit viele Reisende aus diesen Ländern länger in den USA geblieben sind als erlaubt.
Zeitweise hatte die US‑Regierung eine Kaution von bis zu 15.000 Dollar für Besucher aus bestimmten Ländern eingeführt, die sie erst nach ihrer Ausreise zurückerhalten sollten - eine Maßnahme, die kurz vor Turnierbeginn zwar für viele Ticketinhaber wieder aufgehoben wurde, aber exemplarisch zeigt, wie stark Sicherheits- und Migrationspolitik dieses Turnier prägen.
Die aggressive US‑Einwanderungspolitik und mögliche Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE sorgen zudem für Verunsicherung. Die US-Regierung wollte im Vorfeld nicht ausschließen, dass es auch rund um Spiele zu Kontrollen oder Festnahmen kommen könnte. Menschenrechtsorganisationen warnen deshalb vor einem "abschreckenden Effekt" - insbesondere für Fans aus migrantischen Communities, von denen einige bereits angaben, aus Angst lieber auf eine Reise zur WM zu verzichten.
3. Sollte ein Fußballticket wirklich 690.000 Dollar kosten dürfen?
Die Ticketvergabe für die WM 2026 gilt als stark kommerzialisiert. Bereits die offiziellen Preise zum Verkaufsstart waren sehr hoch: Für viele Plätze wurden mehrere tausend Dollar verlangt, während Premium‑Tickets für das Finale ursprünglich rund 11.000 Dollar kosteten.
Allerdings hat die FIFA erstmals das sogenannte "Dynamic Pricing" eingeführt, wodurch sich die Preise je nach Nachfrage stark verändern - selbst innerhalb derselben Verkaufsphase zahlen Fans für identische Plätze unterschiedliche Summen.
Hinzu kommen Berichte, dass Käufer zwar eine bestimmte Kategorie oder Position im Stadion auswählten, am Ende aber Plätze in schlechteren Bereichen erhielten. Fanorganisationen und Verbraucherschützer werfen der FIFA deshalb überhöhte Preise, mangelnde Transparenz und unfairen Verkauf vor und haben sogar Beschwerde bei der Europäischen Union eingelegt. Die Generalstaatsanwaltschaften von New Jersey und New York kündigten an, die Ticketvergabe der FIFA zu untersuchen.
Ausverkauft waren auch wenige Wochen vor Turnierbeginn die wenigsten Spiele. Am 28. Mai war das billigste Endspiel-Ticket auf der FIFA-Seite für 8625 Dollar zu haben. Wer als Rollstuhlfahrer einen barrierefreien Platz haben wollte, musste mindestens 10.350 Dollar hinblättern. Der letzte freie Platz in der ersten Reihe eines Eckblocks an einer der Eckfahnen wurde sogar für 690.000 Dollar angeboten.
Zusätzlich zum offiziellen Ticketverkauf betreibt die FIFA eine eigene Weiterverkaufsplattform, bei der sie an jeder Transaktion mitverdient - insgesamt 30 Prozent. Kritiker bemängeln, dass finanzielle Interessen klar im Vordergrund stehen und viele Fans durch die hohen Preise faktisch von der Teilnahme ausgeschlossen werden.
4. Sollten bei der WM nicht nur die besten Teams antreten?
Erstmals werden bei der WM 2026 insgesamt 48 statt 32 Teams teilnehmen. Dadurch steigt die Anzahl der Spiele von 64 auf 104. Experten und viele Fans kritisieren, dass diese Ausweitung die sportliche Qualität beeinträchtigen könnte, da mehr leistungsschwächere Teams teilnehmen.
Gleichzeitig ist es leichter, die K.o-Phase zu erreichen, da nicht nur die beiden Erstplatzierten der insgesamt zwölf Vorrundengruppen weiterkommen, sondern auch die acht besten Gruppendritten.
Weil künftig statt 16 gleich 32 Teams die Gruppenphase überstehen, wird erstmals ein Sechzehntelfinale gespielt. Dadurch steigt die Belastung für die Spieler ebenso wie die Kosten für die Fans - gleichzeitig eröffnet die Aufstockung der FIFA zusätzliche Möglichkeiten, noch mehr Einnahmen zu generieren.
Einige Beobachter sehen in der Reform eine politisch motivierte Entscheidung: Von zusätzlichen Startplätzen profitieren vor allem kleinere Verbände, deren Stimmen in der FIFA-Struktur großes Gewicht haben. Das wirft Zweifel daran auf, ob sportliche Kriterien im Vordergrund standen oder ob FIFA-Präsident Infantino die Aufblähung der WM-Endrunde vor allem deswegen durchgedrückt hat, um seine Machtbasis innerhalb des Weltverbands zu sichern.
5. Soll das nachhaltig und klimafreundlich sein?
Obwohl sich die FIFA Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hat, steht die WM 2026 wegen ihrer Umweltfolgen stark in der Kritik. Studien gehen davon aus, dass das Turnier mehr als neun Millionen Tonnen CO₂ verursachen könnte - vor allem wegen weiter Distanzen zwischen den Spielorten und vieler Flüge.
Das entspricht ziemlich genau dem CO₂-Ausstoß, den die Mittelmeerinsel Zypern mit rund 1,25 Millionen Einwohnern und jährlich über vier Millionen Touristen in einem ganzen Jahr verursacht. Umweltorganisationen sprechen daher von der womöglich "klimaschädlichsten WM" der Geschichte.
Auch vor Ort setzt sich das Problem fort: Viele Stadien liegen außerhalb der Städte und sind nur schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Dort, wo es Verbindungen gibt, explodierten teilweise die Preise: Für die kurze Zugfahrt zum MetLife Stadium bei New York sollten bis zu 150 Dollar fällig werden (statt rund 13 Dollar normalerweise).
Nach heftigen Fanprotesten hatten die Organisatoren ein Einsehen und setzten gnädige 98 Dollar als Beförderungspauschale fest. Der Shuttle-Bus soll jetzt 20 statt zuvor 80 Dollar kosten.
Wer mit dem Auto anreist, zahlt an vielen Spielorten ebenfalls drauf: Parkplätze kosten je nach Spiel 75 bis 300 Dollar. Immerhin gibt es bei den Stadien mit teurem Parkplatz meist eine preiswerte öffentliche Alternative. Einzige Ausnahme ist Boston.
Kritiker sehen in fehlenden Angeboten und der Preisgestaltung ein widersprüchliches Bild: Trotz Klimaversprechen zwingt die Struktur des Turniers viele Fans zu klimaschädlichen Reisen - und macht sie gleichzeitig noch teurer.