Warum sich Felix Jaehn und andere Prominente Auszeiten vom Netz gönnen | Kultur | DW | 13.12.2019
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Netzkultur

Warum sich Felix Jaehn und andere Prominente Auszeiten vom Netz gönnen

Mit Facebook, Instagram, Twitter und Co. halten Stars ihre Fans ständig auf dem Laufenden. Doch für immer mehr Prominente sind die sozialen Medien inzwischen mehr Fluch als Segen. Zeit zum Online-Fasten.

"Für acht Wochen wird mein Handy im Flugmodus sein", verkündete Felix Jaehn am Donnerstag (12.12.) auf seinen Social Media-Accounts. Der weltweit angesagte DJ und Musikproduzent möchte in dieser Zeit keine E-Mails lesen, keinen Anruf entgegennehmen und komplett auf die sozialen Medien verzichten. Sei der Mecklenburger mit 19 zum Star wurde, reiste er mit seinem Turntable rund um die Welt und gönnte sich kaum eine Pause. Eigentlich kaum verwunderlich, dass er sich jetzt, sechs Jahre später, mal eine Auszeit nehmen möchte.

Er sei dankbar für die vielen Möglichkeiten, die er geboten bekomme, und den Erfolg, den er habe, ließ er seine Fans wissen, das sei aber auch mit viel Verantwortung einhergegangen. Er habe mit einem so vollen Terminkalender leben müssen, dass er sich oft eingeengt gefühlt habe. "Davon befreie ich mich nun", so Jaehn. "Ich möchte jetzt einfach nur leben." Die Fans zeigen sich verständnisvoll und wünschen Jaehn jetzt schon frohe Weihnachten und vor allem gute Erholung. 

"Digitale Entgiftung"

Felix Jaehn ist nicht der erste Prominente, der sich eine Auszeit vom Netz verordnet hat. Dafür gibt es mittlerweile sogar einen Fachbegriff: "Digital Detox" - die Abkürzung für "digitale Entgiftung". Im Netz-Zeitalter haben die Stars auf den diversen Social Media-Kanälen Millionen von Followern, die jeden Schritt ihrer Idole verfolgen und am liebsten jedes Detail aus deren Leben wissen wollen. Und nicht selten herrscht zwischen Promis und ihren Anhängern eine Art Hassliebe; Bewunderung kann schnell in verbale Häme umschlagen. Die australische Rapperin Iggy Azalea bezeichnete das Netz einst sogar als "hässlichstes Spiegelbild der Menschheit".

Von Bewunderung zum Shitstorm

Bestes Beispiel ist der kanadische Sänger Justin Bieber. Nachdem er sich von der US-amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Selena Gomez getrennt hatte und 2016 auf Instagram Fotos seiner neuen Freundin Sofia Richie postete, wurde er von einem Shitstorm überrollt. Zunächst versuchte er, seine Follower zu beschwichtigen: "Wenn ihr echt meine Fans wärt, dann wärt ihr nicht so böse zu den Menschen, die ich mag." Daraufhin mischte sich seine Ex Selena Gomez ein: "Wenn du den Hass nicht ertragen kannst, hör auf, Bilder deiner Freundin zu posten." Das Ganze eskalierte, die Fans stellten sich auf Gomez' Seite, Bieber zog die Reißleine und löschte seinen Account. Auch Gomez hielt sich eine Zeitlang mit Posts zurück, nachdem die beiden Stars sich auf den sozialen Kanälen einen Schlagabtausch geliefert hatten. 

Justin Bieber (picture-alliance/AP/Invision/J. Strauss)

Justin Bieber erntet regelmäßig Shitstorms im Netz und hat sich schon mehrfach an- und wieder abgemeldet

Nicht lange offline

Allerdings währte die  Online-Abstinenz der beiden nicht lange. Ebenso wenig wie bei US-Schauspielerin und Sängerin Miley Cyrus oder dem US-Komiker Pete Davidson, der 2018 nach der Trennung von seiner damaligen Verlobten, der Grammy-Gewinnerin Ariana Grande, sämtliche Fotos und Videos im Netz löschte und postete:  "Ich will nicht mehr auf Instagram sein. Oder einer anderen sozialen Plattform. Das Internet ist ein teuflischer Ort und tut mir nicht gut."

Mittlerweile tummelt sich der Komiker wieder im Netz, anders als die US-Schauspielerin und Golden Globe-Gewinnerin Jennifer Lawrence. Sie war lange in den unterschiedlichen sozialen Netzwerken aktiv, bis sie 2014 Opfer eines Hackerangriffs wurde, bei dem Nacktfotos von ihr gestohlen und online veröffentlicht wurden. Seitdem trifft man sie nur noch gelegentlich auf Facebook. 

Ebenfalls verabschiedet hat sich der britische Singer/Songwriter Ed Sheeran. Er ging allerdings nicht wegen irgendwelcher Hasskommentare auf Social-Media-Entzug, sondern erklärte schon 2015, dass er eine Auszeit bräuchte, um die Welt nicht mehr auf einem Bildschirm, sondern durch seine Augen zu sehen. Das tut er immer noch.

Ed Sheeran bei der Berlinale 2018 (picture-alliance/dpa/M. Gambarini)

Der britische Singer/Songwriter Ed Sheeran ist kein Social Media-Fan

Glücklich ohne Social Media

Komplettverweigerer, die wenig oder nichts für die sozialen Medien übrig haben, gibt es übrigens so einige unter den Stars. So sucht man Daniel Radcliffe, der in seiner Rolle als Harry Potter weltberühmt wurde, vergeblich auf Plattformen wie Instagram und Facebook. Erst als im Netz über soziale Medien immer wieder Falschmeldungen über ihn verbreitet wurden, richtete er 2012 einen Google+ Account ein, auf dem er seine Fans auf dem Laufenden hält.

Dass Hollywood-Größen wie Meryl Streep, Sandra Bullock, Daniel Craig, Brad Pitt, George Clooney oder Christoph Waltz nicht viel von den Online-Plattformen halten und sie auch nicht vermissen, ist nicht unbedingt verwunderlich. Sie sind zu einer Zeit aufgewachsen, als es das Internet noch nicht gab und pfeifen daher auf den Hype um Selfies, Klickzahlen und Likes. Auch Julia Roberts konnte sich lange nicht für soziale Medien erwärmen. Die Anonymität verleite die Leute zu Gehässigkeiten, kritisierte sie, auch wenn sie sich mittlerweile einen Instagram-Account zugelegt hat. Und Kate Winslet stört an sozialen Netzwerken, dass das Selbstwertgefühl insbesondere junger Frauen negativ beeinflusst wird.

Emma Stone (picture-alliance/AP Photo/J. Strauss)

Oscar-Gewinnerin Emma Stone sucht man in den sozialen Medien vergeblich

Es gibt allerdings  auch Digital Natives in der Hollywood-Garde, die sich der Netzkultur verweigern. Oscar-Preisträgerin Emma Stone zum Beispiel findet, dass man sein Selbstwertgefühl nicht daraus ziehen sollte, wie viele Likes ein Bild bekommt. Keira Knightley ist nach eigener Aussage kein Fan vom permanenten Checken der Social-Media-Kanäle. Den Twitter-Account, den sie sich angelegt hatte, löschte sie nach nur wenigen Stunden wieder. Für Kirsten Stewart, die es in der Twilight-Saga zu Starruhm brachte, ist die Welt der sozialen Netzwerke bloß Selbstinszenierung. Sie verstehe nicht, wie Menschen sich Bestätigung in einer oberflächlichen Scheinwelt suchten, sagte sie mal. Und Twilight-Filmpartner Robert Pattinson fühlt sich mit 33 Jahren zu alt für den ganzen Online-Kram.

Neuer Trend: "Low digital"

Bleibt abzuwarten, ob Felix Jaehn nach der angekündigten Auszeit von acht Wochen wieder für seine Fans da ist – oder erst mal weiterhin auf Digital Detox bleibt.

Eine Forsa-Studie aus dem Jahr 2018 im Auftrag einer deutschen Krankenkasse hat übrigens erwiesen, dass WhatsApp, Instagram und Co. süchtig machen können. Ein bisschen Abstinenz kann also nicht schaden. Doch in einer Zeit, in der jeder ständig aufs Smartphone starrt, kommt gerade ein neuer Trend auf: "low digital" – weniger Technik ist mehr Lebensqualität. Und den pflegen laut der Wochenzeitschrift "Die Zeit" "nicht analoge Hinterwäldler, sondern die sogenannten digitalen Eliten". 

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