Warum sich die Corona-Zahlen schlecht vergleichen lassen | Coronavirus und COVID-19 - aktuelle Nachrichten zur Pandemie | DW | 26.01.2022
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Corona-Zahlen

Warum sich die Corona-Zahlen schlecht vergleichen lassen

Dänemarks Inzidenzen schießen nach oben und Deutschland liegt im Mittelfeld? Solche Vergleiche sind schwierig. Denn die Teststrategien sind höchst unterschiedlich, wie sich aktuell auch am Beispiel Wien zeigt.

Ein Mann bekommt einen PCR-Rachenabstrich

PCR-Tests in Dänemark - noch sind die Tests für alle zugänglich

Diese Zahlen gehen zur Zeit viral - und stoßen so manchem Deutschen angesichts hiesiger Beschränkungen bitter auf: Wien führt mehr PCR-Tests durch als ganz Deutschland. Rund 2,3 Millionen PCR-Tests wertete Österreichs Hauptstadt in der zweiten Kalenderwoche dieses Jahres aus, twitterte der Sprecher von Gesundheitsrat Peter Hacker, Mario Dujakovic, vor wenigen Tagen. Deutschland kam im gleichen Zeitraum laut Robert Koch-Institut auf etwa zwei Millionen PCR-Testungen, also etwas weniger.

Die Meldung kommt just zu einer Zeit, wo in der Bundesrepublik die Testkapazitäten knapp werden und die Regierung beschlossen hat, dass weniger Menschen mit dieser sicheren Methode getestet werden dürfen. Doch wie genau schafft Österreich das? Und wie lösen andere Länder das Test-Problem? 

Österreich gurgelt zu Hause 

Ein Grund für die vielen PCR-Tests in Wien mag in niedrigschwelligen Angeboten liegen, die weniger Personal benötigen. Sogenannte Gurgeltests sind unter anderem in Drogerien erhältlich und können zu Hause durchgeführt werden. Anschließend dürfen sie in Supermärkten, Schulen und sogar Tankstellen wieder abgegeben werden.

.

Mehrere Menschen stehen an einer PCR-Teststelle in Österreichs Hauptstadt Wien an

Anstehen an der sogenannten Gurgelbox: Österreichs Hauptstadt Wien macht seinen Bürgern den PCR-Test einfach

Auch die Laborkosten dürften deutlich niedriger liegen. Das hängt mit der Art der Auswertung zusammen. Denn in Wien werden die Tests in den Laboratorien des führenden Laborbetreibers Lifebrain gepoolt, das heißt: Die Inhalte von zehn Testkits werden von einer Art Roboter zu einer Probe zusammengefasst. Ist der Pool positiv, werden die Einzeltests noch einmal separat ausgewertet, das spart Zeit und Geld. Für einen PCR-Test verlangt Lifebrain deshalb nur wenige Euro. 

Deutschland schränkt ein 

In Deutschland dagegen werden die PCR-Tests lediglich an vielen Schulen und Kitas gepoolt, also zunächst gemeinsam ausgewertet. Dennoch reichen die Kapazitäten kaum aus, die Labore sind oftmals überlastet, Fristen können nicht eingehalten werden, Proben gehen mitunter auch verloren. Weil die PCR-Testmöglichkeiten so knapp sind, wird der Zugang zu ihnen in Deutschland sogar weiter eingeschränkt. Menschen mit hohem Erkrankungsrisiko sowie Gesundheits- und Pflegepersonal sollen bevorzugt getestet werden, so ein Regierungsbeschluss von Montag. Für die anderen muss ein Antigen-Schnelltest genügen, der oftmals erst anschlägt, wenn der Erkrankte bereits hochinfektiös ist. 

Das bedeute, dass die Regierung ab diesem Zeitpunkt "keine Ahnung" habe, "wie hoch die Infektionszahl wirklich ist", kritisierte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montagabend in den ARD-"Tagesthemen". Denn bislang ist es so, dass in Deutschland nur Infektionen, die über einen PCR-Test festgestellt wurden, in die Statistik einfließen.

Wer nun wirklich Sicherheit haben möchte, muss einen PCR-Test selbst zahlen, bemängeln Kritiker. Menschen mit geringem Verdienst, die ohnehin schon ein höheres Risiko einer Corona-Infektion aufweisen, werden so benachteiligt. Die Länder fordern vom Bund in dem Beschluss, "die PCR-Testkapazitäten schnellstmöglich zu erhöhen".

Doch der Ausbau könnte sich nach Ansicht von Experten schwierig gestalten: Es fehle sowohl an Geräten, um die man auf dem Weltmarkt konkurrieren müsse, als auch an speziell geschultem Personal, das für PCR-Untersuchungen unabdingbar sei, so die Virologin Ulrike Protzer im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" . 

Dänemark - einer der Spitzenreiter 

Auch in Dänemark ist  - im Vergleich zu Deutschland - die Zahl der durchgeführten Tests hoch. Antigen-Schnelltests können ohne Termin in einem der mehr als 400 Testzentren gemacht werden. Für die Anmeldung zu PCR-Tests gibt es eine landesweit einheitliche Internetseite. Labore sollen - auch bei hohem Andrang - mindestens 80 Prozent der PCR-Tests bis zum Folgetag auswerten. Sowohl Schnell- als auch PCR-Tests kosten laut Behördenangaben nichts. Zum Vergleich: In Deutschland kostetet ein PCR-Test - sofern man nicht zu einer priorisierten Gruppe gehört - je nach Anbieter etwa 50 bis 70 Euro. 

Seit Beginn der Pandemie gehört Dänemark damit zu den Spitzenreitern beim Testen, etwa 117 Millionen Tests wurden nach Angaben der dänischen Gesundheitsbehörde durchgeführt, je zur Hälfte PCR-Tests und Antigentests. 

Israel: Schnelltests müssen reichen

Auch Israel hat seine Teststrategie verändert und setzt nun vermehrt auf Schnelltests. Zuvor hatte das Land - ähnlich wie Deutschland jetzt - den Zugang zu PCR-Tests wegen Überlastung massiv eingeschränkt. Nur noch Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen durften sich testen lassen.

Coronavirus | Covid 19 | Drive-in Teststation in Israel

Ein Kind erhält einen Nasenabstrich in einer Drive-In-Teststation in Jerusalem

Antigen-Schnelltests waren in Folge in vielen Drogerien ausverkauft, obwohl sie mit etwa sieben Euro Verkaufspreis im Vergleich zu Deutschland eher teurer sind. Israel will nun bis zu 30 Millionen kostenlose Corona-Schnelltests verteilen, vor allem finanzschwache Menschen sollen davon profitieren. Infizierte sollen ihr Testergebnis selbst den Behörden melden - freiwillig. 

Kompliziertes Zahlenspiel 

Die unterschiedlichen Teststrategien der Länder zeigen, dass sich die Corona-Zahlen international nur schwer miteinander vergleichen lassen. Die Testverfahren unterschieden sich nicht nur in ihrer Genauigkeit, die Länder machen den PCR-Test auch unterschiedlich verfügbar für die Bevölkerung. Auch wer bei den Positiv-Meldungen an die Behörden auf Freiwilligkeit seiner Bürger setzt, könnte die Zuverlässigkeit der Daten beeinträchtigen. 

Anzeige