Warnstreiks in der Metallindustrie | Wirtschaft | DW | 27.01.2018
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Wirtschaft

Warnstreiks in der Metallindustrie

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben Arbeitgeber und Gewerkschaft keine Einigung erzielt. Die Gespräche in Stuttgart wurden abgebrochen. Nun droht die nächste Eskalation: Ganztägige Warnstreiks.

Die ganze Nacht hatten sie in Stuttgart verhandelt, trotzdem gibt es keine Einigung: Arbeitgeber und IG Metall haben im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie keinen Kompromiss gefunden. Sie brachen die Gespräche ab.

Zwar werden die Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie für jeden der sieben deutschen Tarifbezirke einzeln ausgehandelt. Die Ergebnisse in Baden-Württemberg hätten aber wegweisend für ganz Deutschland werden sollen. Nun droht in dem Arbeitskampf eine weitere Eskalation.

Beide Seiten eigentlich offen für Flexibilisierung

Zum Auftakt der fünften Verhandlungsrunde im für die Branche bedeutenden Tarifbezirk Südwest am Freitagabend hatten sich beide Seiten noch prinzipiell offen dafür gezeigt, über eine Flexibilisierung der Arbeitszeitregeln zu sprechen - sowohl nach unten als auch nach oben. Letztlich blieben die Gespräche dann aber wieder an der Forderung der Gewerkschaft nach einem finanziellen Ausgleich für bestimmte Gruppen von Beschäftigten hängen.

Kunstgießerei Strassacker (picture-alliance/dpa/D. Naupold)

Gießerei in Baden-Württemberg: Weitere Eskalation

Die IG Metall hatte verlangt, dass die deutschlandweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ihre Arbeitszeit für die Dauer von bis zu zwei Jahren auf 28 Wochenstunden reduzieren können. Einige Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollten dafür, nach dem Willen der Gewerkschaft, einen Teil-Ausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber ablehnen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Stefan Wolf (picture-alliance/dpa/S. Gollnow)

Arbeitgeberchef Wolf: "Maßlosen Forderungen"

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Stefan Wolf, sprach nach Abbruch der Verhandlungen von "maßlosen Forderungen" und "nicht erfüllbaren Bedingungen". Die IG Metall habe zuletzt neue Vorschläge vorgelegt, die nicht mehr verhandelbar gewesen seien. Ein Alternativvorschlag, über den zwischenzeitlich diskutiert worden sein soll, brachte offensichtlich auch keine Lösung.

Die Gewerkschaft hingegen sieht die Verantwortung für den Abbruch der Tarifverhandlungen bei den Unternehmern. "Es gab von der Arbeitgeberseite so gut wie kein konstruktives Angebot", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. "Sondern es gab durchgängig und ausschließlich das Aufwerfen von Problemen."

Entscheidung über Streiks

Die Gespräche waren am vergangenen Mittwoch schon einmal abgebrochen worden, nachdem es zwischenzeitlich schon fast nach einer Einigung ausgesehen hatte. Die Gewerkschaft hatte dann aber darauf verzichtet, die nächste Eskalationsstufe auszurufen, und sich noch einmal mit den Arbeitgebern an den Verhandlungstisch gesetzt.

Roman Zitzelsberger (picture-alliance/dpa/S. Gollnow)

Gewerkschafter Zitzelsberger: "Kein konstruktives Angebot"

Das wird sich nun wohl ändern: Wie von IG-Metall-Bezirksleiter Zitzelsberger empfohlen hat der Vorstand der Gewerkschaft entschieden, erstmals ganztägige Warnstreiks in Gang zu setzen - und zwar in ganz Deutschland. Diese Warnstreiks könnten nach Abstimmungen der Beschäftigten von kommendem Mittwoch bis Freitag in bundesweit mehr als 250 Betrieben stattfinden. Zugleich sollen Urabstimmungen über Flächenstreiks vorbereitet werden, heißt es in einer Mitteilung der IG Metall.

Arbeitgeberchef Wolf sagte dazu, er könne nur davor warnen, den Konflikt weiter eskalieren zu lassen. "Wir behalten uns natürlich rechtliche Schritte vor."

AR/jj (dpa, afp, rtr)

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