War der Mord an Lübcke lange geplant? | Aktuell Deutschland | DW | 08.07.2019
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Rechtsextremismus

War der Mord an Lübcke lange geplant?

Sein Geständnis widerrief der Tatverdächtige im Mordfall Walter Lübcke. Doch nun werden Einzelheiten der ursprünglichen Aussage von Stephan Ernst bekannt.

Deutschland Stephan E. in Karlsruhe (picture-alliance/dpa/U. Deck)

Stephan E. nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe

Auch wenn er sein Geständnis inzwischen zurückzog, eröffnet es wohl tiefe Einblicke in die Gedankenwelt des mutmaßlichen Täters Stephan Ernst. Schon seit Jahren habe der Rechtsextremist die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erwogen, berichtet der Rechercheverbund, dem der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und die "Süddeutsche Zeitung" angehören.

Bereits 2017 und 2018 fuhr Stephan Ernst demnach zu Lübckes Wohnhaus im hessischen Wolfhagen-Istha - mit der Waffe in der Tasche. Hinterher sei er froh gewesen, die Tat nicht ausgeführt zu haben, soll Ernst zunächst ausgesagt haben. Als er Lübcke schließlich am 2. Juni dieses Jahres doch mit einem Kopfschuss getötet habe, sei dies wortlos geschehen. Inzwischen tue ihm die Tat "unendlich leid", sie sei "unverzeihlich".

Feindbild Lübcke

Der Christdemokrat Lübcke war zum Feindbild der rechtsextremen Szene geworden, als er im Oktober 2015 bei einer Informationsveranstaltung über die Aufnahme von Flüchtlingen in Nordhessen gesagt hatte: "Es lohnt sich, in unserem Land zu leben. Da muss man für Werte eintreten. Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist." Die Szene wurde in einem Handyvideo festgehalten. Ernst soll der Bürgerversammlung selbst beigewohnt haben.

Walter Lübcke ist tot (picture-alliance/U. Zucchi)

Walter Lübcke (1953 - 2019)

Weiter aufgewühlt hätten ihn dann die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht 2015/16, ebenso der islamistische Anschlag mit mehr als 80 Toten 2016 in Nizza und der Mord an zwei jungen Rucksack-Touristinnen aus Norwegen und Dänemark Ende 2018 in Marokko. Darüber geredet habe er aber mit niemandem, auch nicht mit zwei der Beihilfe verdächtigten Männern, sagte Ernst den Angaben zufolge in seiner ursprünglichen Darstellung. Die Entscheidung, sich Waffen zu besorgen, soll er schon 2014 getroffen haben - um seine Familie vor der angeblich überhandnehmenden Kriminalität von Ausländern zu schützen.

Der 45-Jährige sitzt seit mehr zwei Wochen in Untersuchungshaft. Ermittler der Soko "Liemecke" hatten seine DNA-Spur an Lübckes Leiche entdeckt. Auch Generalbundesanwalt Peter Frank geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

wa/ust (dpa, ndr, wdr, sz)

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