Wann bringt uns die Kälte um? | Wissen & Umwelt | DW | 16.12.2018
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Körper

Wann bringt uns die Kälte um?

Tod durch Erfrieren - das trifft im Winter oft Obdachlose, die kein warmes Plätzchen gefunden haben. Aber nicht nur. Kälte ist erbarmungslos, und für extreme Minustemperaturen sind wir Menschen nicht geschaffen.

Eine Körpertemperatur von 36,5 bis 37 Grad Celsius ist für uns Menschen ideal. Dann funktionieren wir am besten. Unser Stoffwechsel und all unsere Organe hängen von dieser Kerntemperatur ab, und unser Körper tut alles, um sie aufrecht zu erhalten. Der Körperkern umfasst wichtige Organe wie Herz, Lunge und Gehirn. Zur sogenannten Körperschale gehören Arme, Beine und die oberflächlichen Hautschichten.

Eingebautes Thermostat

Ob unser Körper die richtige Temperatur hat, misst er über Rezeptoren. Sinkt sie stark ab, versucht er den Stoffwechsel zu aktivieren, um so die Balance zu halten.

Unser Stoffwechsel versorgt uns mit den notwendigen Nährstoffen. Er sorgt dafür, dass Essen zerkleinert und umgewandelt wird, so dass die Zellen die Nährstoffe verwerten können. Außerdem wärmt der Stoffwechsel den Körper. Ist es kalt, benötigt er mehr Energie. Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße, damit nicht zu viel Wärme verloren geht.

Deutschland Obdachloser Kälte Symbolbild (Imago/B. Friedel)

Glücklich, wer einen warmen Platz gefunden hat

Nur ein kleiner Unterschied

Wenn aber den Zellen das Blut fehlt, werden sie spröde, unser Körper beginnt zu schmerzen. Zuerst trifft es Finger und Zehen, Nase und Ohren. Sinkt die Körpertemperatur weiter, sind lebenswichtige Organe an der Reihe: Herz, Lunge und Gehirn. Sie funktionieren nur noch eingeschränkt. Weicht die Körpertemperatur auch nur zwei Grad von der Norm ab, kommt es zu Unterkühlung. Um sich zu schützen, arbeitet unser Körper umso heftiger. Die Muskeln werden aktiv. Wir zittern am ganzen Leib.

Es wird ernst 

Bei 32 Grad Celsius Körpertemperatur hört das Zittern auf, aber das ist kein gutes Zeichen. Der Körper hat einfach keine Energie mehr, nicht einmal, um zu zittern. Unser Gehirn und die Nervenenden leiten keine Signale mehr weiter, wir haben Taubheitsgefühle in den Armen und Beinen. In dieser Phase lassen die Schmerzen nach, aber wir können uns kaum noch rühren. Auch an Sprechen ist nicht mehr zu denken. Wir können keinen klaren Gedanken mehr fassen, sind verwirrt und zunehmend orientierungslos. Jetzt schaltet der Körper auf Sparflamme und aktiviert so sein Notfallprogramm. Aber auch das hört irgendwann auf zu funktionieren. 

Vorsicht mit Alkohol

Wer glaubt, seinem Körper mit ein bisschen Alkohol helfen zu können, der irrt. Alkohol mag zunächst einmal den Eindruck vermitteln, dass wir von innen heraus wohlige Wärme verspüren. Das liegt daran, dass sich unsere Blutgefäße weiten. Der Körper pumpt das warme Blut hinein, das aber umso schneller wieder abkühlt. An der Hautoberfläche spüren wir Wärme, aber der Körper selbst friert. Unsere Organe werden schlechter durchblutet, die Körpertemperatur sinkt weiter. Minustemperaturen legen uns lahm, und mit jedem weiteren Grad weniger wird es gefährlicher.

Arktische Kälte in Rumänien -20 Obdachlose erfroren (picture-alliance/dpa/Popescu)

Beißende Kälte geht durch und durch

Keine Reaktion mehr

Sinkt die Körpertemperatur auf unter 29,5 Grad Celsius, stellt das Großhirn seine Arbeit ein. Wir werden bewusstlos und schweben zwischen Leben und Tod. Unser Herz arbeitet weniger: Anstatt 60 Mal pro Minute schlägt es nur noch ein bis zweimal. Das Blut kann nicht mehr schnell genug durch den Körper gepumpt werden, der Kältetod so gut wie sicher. Ob dies ein "sanfter" Tod ist, darüber ist sich die Wissenschaft nicht einig.

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