″Waldi″ - der jüngste Kapitän der Bundesliga | Sport | DW | 31.08.2018
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Bundesliga

"Waldi" - der jüngste Kapitän der Bundesliga

Eine Nullnummer zum Auftakt des zweiten Bundesliga-Spieltags: Erstmals trennen sich Hannover und Dortmund torlos. Für 96 ein achtbares Ergebnis, das es vor allem Waldemar Anton zu verdanken hat.

Noch nie gab es eine Nullnummer in den bisherigen 52 Duellen. Aber heute, zum Auftakt des 2. Spieltags gelang weder Hannover 96 noch Borussia Dortmund ein Tor. Da können sich die 96-Fans zweimal beim Aluminium bedanken. Oder aber auch bei Waldemar Anton. Gerade mal 22 Jahre alt, ist Anton Innenverteidiger, Identifikationsfigur - und nun auch der jüngste Kapitän der Bundesliga. 

"Waldi hat eine steile Entwicklung genommen", erklärt Hannovers Trainer André Breitenreiter seine Entscheidung, seinem jungen Defensivspieler die Spielführerbinde zu geben. "Er ist als Hannoveraner eine Identifikationsfigur für alle bei 96 und hat in den vergangenen anderthalb Jahren nicht nur sportlich, sondern auch als Persönlichkeit eine enorme Entwicklung genommen."

Für sein Alter spielt Anton sehr routiniert, Fehler wie in der 40. Minute gegen Dortmund unterlaufen ihm selten. In dieser Szene bediente er mit einer zu kurz geratenen Kopfballabwehr Gegenspieler Marco Reus, der den Patzer zum Torschuss nutzte. Aber Torwart Michael Esser lenkte den Ball noch so gerade mit dem Fuß am langen Pfosten vorbei. 

Deutschland, Hannover: Fußball: Bundesliga, 2. Spieltag: Hannover 96 - Borussia Dortmund (Getty Images/M. Rose)

Augen zu und durch: Waldemar Anton im Zweikampf mit Dortmunds Thomas Delaney

Waldemar "Waldi" Anton hieß ursprünglich Wladimir "Wladi" Anton. 1998 zogen seine Eltern als Spätaussiedler von Usbekistan dann nach Hannover, Waldemar war damals zwei Jahre alt. Von seinen Eltern hat er die Werte erlernt, die ihn heute auf dem Platz auszeichnen: Ehrgeiz und Disziplin. "Meine Eltern sind hierhergekommen und konnten kein Deutsch. Sie mussten kämpfen, immer arbeiten", so Anton. Mit seiner Art hat sich Anton in die Herzen der Fans gespielt, ist zum Publikumsliebling aufgestiegen und gerade zu Niedersachsens Fußballer des Jahres gewählt worden.

Froher und stolzer Kapitän

"Ich bin sehr froh und stolz, die Mannschaft auf dem Platz führen zu dürfen", sagte Anton nach seinem ersten Heimspiel als 96-Kapitän. "Wir haben nur wenige Torchancen zugelassen und zu Null gespielt, das ist wichtig." Bereits in der vergangenen Saison war Anton zum Dreh- und Angelpunkt in der Hannoveraner Defensive geworden: Beim gegnerischen Ballbesitz durch seine gute Zweikampfführung und sein Positionsspiel als auch bei der Spieleröffnung mit seiner Übersicht und sehr guten Passtechnik. 

Das ist auch dem Deutschen Fußballbund aufgefallen, vor zwei Jahren debütierte Anton in der deutschen U21-Nationalmannschaft, mit der er im vergangenen Sommer U21-Europameister wurde. Noch hat er nicht für die A-Nationalmannschaft gespielt, deshalb wäre auch ein Verbandswechsel noch möglich. Grundsätzlich könnte er für drei Länder spielen: Russland, da seine Eltern und Großeltern als "Russlanddeutsche" in der Sowjetunion lebten, für Usbekistan, sein Geburtsland, und für Deutschland, seine zweite Heimat. Dem usbekischen Fußballverband hat er jedoch bereits abgesagt. Die russische Möglichkeit hält sich Anton bislang noch offen.  

Gegen den BVB wäre ihm beinahe sogar ein Tor gelungen: In der 78. Minute zog Anton nach einer Ecke volley ab. Dortmunds Delaney fälschte den Ball noch ganz leicht ab, so dass der Ball knapp am rechten Pfosten vorbei flog. "Ich hätte noch einen Schritt nach vorne machen müssen, dann wäre er vielleicht rein gegangen", so der Kapitän, der dadurch noch fast zum ganz großen Gewinner des Abends geworden wäre. Doch auch ohne Treffer ist Anton nach seinem erfolgreichen Heimdebüt als Kapitän der Spieler des Spiels bei den Roten. 

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