Wahrheit und Fiktion - Roman Polanski verfilmt französischen Beststeller | Filme | DW | 17.08.2016
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Filme

Wahrheit und Fiktion - Roman Polanski verfilmt französischen Beststeller

"Nach einer wahren Geschichte" heißt das Buch der Französin Delphine de Vigan, das jetzt in Deutschland erscheint. Roman Polanski beginnt bald mit den Dreharbeiten. Es dürfte ein Stoff nach seinem Geschmack sein.

Vor einigen Jahren erschien in Frankreich "Das Lächeln meiner Mutter" von Delphine de Vigan, ein autobiografischer Text über die manisch-depressive Mutter der Autorin und deren komplizierte Beziehung. Das Buch schlug ein wie eine Bombe und verkaufte sich mehr als eine Million Mal. In Deutschland kam es 2013 heraus und wurde auch hier zu einem Bestseller. Aus Delphine de Vigan, die zuvor eine bekannte Schriftstellerin war, wurde eine Berühmtheit des literarischen Lebens.

Im vergangenen Jahr ist de Vigans neues Buch in Frankreich erschienen und wurde mit Preisen ausgezeichnet. In Deutschland kommt es am heutigen 17. August in die Buchläden. "Nach einer wahren Geschichte" heißt es und ist ein Roman. Er dürfte in den kommenden Wochen noch für Gesprächsstoff sorgen - nicht zuletzt deshalb, weil niemand geringeres als Roman Polanski den Stoff nun verfilmen wird.

Schriftstellerin Delphine de Vigan (Foto: Imago/PanoramiC)

Delphine de Vigan

Worum geht es? "Nach einer wahren Geschichte" handelt von einer Schriftstellerin in der Schreibkrise, die sie kurz nach einem Bestseller mit voller Wucht trifft. Diese Schriftstellerin trägt im Buch den Namen Delphine de Vigan. Sie lebt mit ihren beiden Kindern im 11. Arrondissement in Paris und ist mit einem bekannten französischen Literaturkritiker befreundet. All das trifft exakt auch auf die Autorin zu. De Vigan hat also scheinbar ein wieder stark autobiografisch gefärbtes Buch vorgelegt. Aber stimmt das wirklich?

Eine geheimnisvolle Freundschaft

Im Buch lernt die Romanfigur, eben jene Schriftstellerin de Vigan, eine gut gekleidete Frau kennen, die im Roman nur L. genannt wird. Auch L. ist Schriftstellerin, allerdings übt sie den weitgehend anonymen Beruf einer Ghostwriterin aus. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine intensive Freundschaft. Die sich in der Schreibkrise befindende Autorin verliert zunehmend den eigenen Willen. Mit der Zeit tritt sie die Aufgaben des alltäglichen Lebens an jene geheimnisvolle L. ab. Sie lässt sie auch E-Mails in ihrem Namen schreiben. Beide Frauen werden sich auch physisch immer ähnlicher.

Catherine Deneuve in dem Psychothriller Ekel (Foto: Imago United Archives KPA)

Catherine Deneuve in dem Psychothriller "Ekel"

Sie sprechen oft über Literatur, vor allem über das Verhältnis zwischen Fiktion und Wahrheit. De Vigan öffnet sich gegenüber L.. Sie kündigt an, dass ihr nächstes Buch, nach dem großen Erfolg des autobiografischen Textes, nun ein fiktiver Roman werden solle. Das erzürnt L.. Sie beharrt auf ihrer Meinung, nur das autobiografische Schreiben sei die Sache der Freundin, dies sei ihre eigentliche Berufung. Darüber geraten die beiden vorübergehend in Streit, versöhnen sich später aber wieder.

Zwischen Wahrheit und Fiktion: Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan legt hier einen suggestiven Text vor, der zwischen den Polen Wahrheit und Fiktion oszilliert und den Leser mit einem Sog hineinzieht. Das Buch ist ein überaus spannender Literaturkrimi und ein fulminanter Roman über das Thema Freundschaft. Zugleich wirkt der Text wie ein intellektueller Alptraum: De Vigans Buch taumelt zwischen Wahn und Wirklichkeit. Die Autorin spielt virtuos mit dem Doppelgängermotiv.

Dass sich nun ausgerechnet Roman Polanski des Stoffes für seinen nächsten Film annimmt - und dabei von Drehbuchautor Oliver Assayas unterstützt wird, verwundert nicht. Der Roman "Nach einer wahren Geschichte" dürfte ganz nach dem Geschmack des Regisseurs sein, greift er doch einige Motive des bisherigen Schaffens des Regisseurs auf. Blickt man auf die Karriere dieses außergewöhnlichen Filmemachers, fallen vor allem drei Werke ins Auge, die man auch als Vorstudien zu Polanskis neuem Film interpretieren könnte.

Klassische Polanski-Motive in de Vigans Roman

Sein Film "Ghostwriter" (2010) beginnt mit einer Szene, in der die Leiche des Ghostwriters eines ehemaligen britischen Premierministers an Land gespült wird. Das Thema des Schreibens für einen anderen Menschen wird dabei durchexerziert. In seinen beiden Frühwerken "Der Mieter" (1976) und "Ekel" (1965) waren es am Rande des Wahnsinns agierende Filmcharaktere, die, gefangen in ihrem Appartement, den Zwängen der realen Welt nichts mehr entgegensetzen konnten und sich in eine von Polanski brillant inszenierte alptraumhafte Welt zurückzogen. Figuren, die stark an die Schriftstellerin im neuen Roman der französischen Autorin Delphine de Vigan erinnern.

Die klaustrophobische Atmosphäre, die im Buch vorherrscht und die von Psychosen heimgesuchten Charaktere scheinen wie gemacht für einen Regisseur wie Roman Polanski. Man darf gespannt sein, wie der inzwischen 82-jährige Meisterregisseur den Stoff der Französin umsetzt. Der Film soll 2018 in die Kinos kommen.

Delphine de Vigan: "Nach einer wahren Geschichte", Roman, 348 Seiten, DuMont Verlag Köln 2016, ISBN 978-3-83219830-5 (erscheint am 17. August 2016 im Buchhandel).

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