WADA begnadigt Russland unter Auflagen | Sport | DW | 20.09.2018
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Doping

WADA begnadigt Russland unter Auflagen

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA beschließt, ihren russischen Ableger RUSADA drei Jahre nach der Aufdeckung des staatlich organisierten Dopings in dem Land wieder zuzulassen.

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Russische Anti-Doping-Agentur rehabilitiert

Dem weltweiten Sturm der Entrüstung zum Trotz hat die Welt-Anti-Doping-Agentur(WADA) die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA wieder aufgenommen. Drei Jahre nach der Aufdeckung des staatlich gedeckten Dopingsystems wird Russland damit auf höchst fragwürdige Weise rehabilitiert - die WADA befördert sich mit diesem Beschluss gleichzeitig in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise.

"Heute hat das Exekutivkomitee der WADA mit großer Mehrheit entschieden, die RUSADA unter strikten Voraussetzungen wieder aufzunehmen", teilte WADA-Chef Sir Craig Reedie mit. Die Exekutive soll mit 9:2 Stimmen für eine Wiederaufnahme votiert haben. "Die Entscheidung ist verbunden mit einem klaren Zeitplan, nach dem der WADA Zugang zum Moskauer Anti-Doping-Labor und den darin vorhandenen Proben gewährt werden muss", führte Reedie aus. Sollte dieser Zeitplan nicht eingehalten werden, könnte die RUSADA wieder suspendiert werden. Die WADA setzte Russland eine Frist bis Ende Juni 2019, um die Bedingungen zu erfüllen.

Weltweite Kritik

"Die Entscheidung der WADA, die RUSADA zum jetzigen Zeitpunkt als compliant, also regelkonform arbeitend, einzustufen, ist ein herber Rückschlag für uns. Die Entscheidung setzt ein falsches Signal", teilte Andrea Gotzmann mit, die Vorstandsvorsitzende der deutschen Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA): "Das Vertrauen in die WADA ist massiv erschüttert. Die Vision von einem unabhängigen Regelungsgeber ist mit der heutigen Entscheidung des WADA-Exekutiv-Komitees zerstört worden."

US-Dopingjäger Travis Tygart bezeichnete die Wiederzulassung der RUSADA als "vernichtenden Schlag für die sauberen Athleten auf der Welt". Die Entscheidung der WADA sei verwirrend und unerklärlich, zumal wichtige Punkte zur Begnadigung der Russen nicht erfüllt seien. Tygart kritisierte zugleich das Internationale Olympische Komitee (IOC) scharf. Es müsse damit Schluss sein, dass "der Fuchs den WADA-Hühnerstall bewacht". 

Für die Vorsitzende des Bundestag-Sportausschusses, Dagmar Freitag, sind "die schlimmsten Befürchtungen" eingetreten. "Das ist der Worst Case", sagte die SPD-Politikerin.

Ganz anders sieht das natürlich der Kreml. "Wir begrüßen die Entscheidung der WADA", sagte Vize-Premierministerin Olga Golodez. "Russland hat in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um transparente und verständliche Maßnahmen zur Verhinderung von Doping zu schaffen."

Zustimmung erhielt die WADA auch vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC). "Nach langem Stillstand zwischen den russischen Behörden und der WADA bin ich froh, dass Bewegung in die Sache gekommen ist", teilte IPC-Präsident Andrew Parsons mit. Nach wie vor sei "eine Menge Arbeit zu tun", die RUSADA solle sich keinen falschen Illusionen hingeben. "Eine Missachtung der von der WADA gestellten Bedingungen hätte sofort wieder einen Ausschluss zur Folge", sagte Parsons.

Bachs Schlussstrich?

IOC-Präsident Thomas Bach unter den Olympischen Ringen (Foto: Reuters/D. Balibouse)

IOC-Präsident Thomas Bach

Durch die WADA-Entscheidung verhärtet sich der Eindruck, dass die formal unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur vom Internationalen Olympischen Komitee beeinflusst wird, das - angeführt von IOC-Präsident Thomas Bach - einen Schlussstrich unter die leidige Doping-Affäre ziehen will. Dazu passt, dass die IOC-Athletenkommission bereits am Mittwoch der CRC-Empfehlung "grundsätzlich" zustimmte.

ck/dvo (sid)

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