Wütende Iraner protestieren gegen die Regierung | Aktuell Welt | DW | 11.01.2020
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Flugzeugabschuss

Wütende Iraner protestieren gegen die Regierung

Die meisten Opfer des Flugzeugabschusses nahe Teheran waren Iraner. Deren Landsleute sind wütend über das Vorgehen ihrer Regierung. In sozialen Medien veröffentlichte Videos zeigen eine aufgebrachte Menschenmenge.

Video ansehen 01:54

Iran räumt versehentlichen Flugzeugabschuss ein

Ein im Kurzbotschaftendienst Twitter veröffentlichtes Video zeigt Demonstranten in Teheran, die den Rücktritt des geistlichen Oberhaupts Ali Chamenei fordern. "Oberbefehlshaber zurücktreten, zurücktreten", riefen Hunderte von Menschen vor der Teheraner Amir-Kabir-Universität. Auch die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars bestätigte, dass Demonstranten in der iranischen Hauptstadt gegen iranische Autoritäten skandierten.

Der Iran hatte nach tagelangem Leugnen den versehentlichen Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs mit 176 Menschen an Bord eingeräumt. Nach Angaben aus Teheran wurde die Maschine irrtümlich für ein feindliches Objekt gehalten und mit einer Rakete abgeschossen. Bei den Opfern handelt es sich vor allem um Iraner, Kanadier, Afghanen, Briten, Schweden und Ukrainer.

Der ukrainische Staat und die Fluggesellschaft Ukraine International Airlines, die die Unglücksmaschine betrieben hatte, wollen den Hinterbliebenen eine finanzielle Entschädigung zukommen lassen. Ministerpräsident Alexej Hontscharuk sagt, vom Staat sollten pro Familie 200.000 Hryvnia gezahlt werden, umgerechnet rund 7500 Euro. Hontscharuk fügt hinzu, ukrainische Diplomaten würden klären, wie man an das Geld aus iranischen Kompensationszahlungen komme.

Irans Präsident Hassan Rohani entschuldigte sich in einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj offiziell für den versehentlichen Abschuss. Selenskyj teilte im Anschluss mit, Kiew werde an Teheran eine diplomatische Note unter anderem mit Kompensationsforderungen senden.

Weitere Untersuchungen folgen

Auch der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau steht in Kontakt zur iranischen Führung. Staatschef Rohani habe ihm weitere Untersuchungen zu dem Abschuss zugesichert, sagte Trudeau. Iran und Kanada hatten ihre diplomatischen Beziehungen 2012 abgebrochen. Trudeau erklärte, es sei ein wichtiger erster Schritt, dass der Iran die Verantwortung für die Tragödie übernommen habe.

Das sieht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel so. Die iranische Seite sei mit ihrem Schuldeingeständnis einen wichtigen Schritt gegangen, sagte Merkel in Moskau nach einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Nun sei eine "schonungslose" Aufklärung des dramatischen Vorfalls nötig.

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Bundeskanzlerin Merkel zum Flugzeug-Abschuss im Iran

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) rät den europäischen Fluggesellschaften von Flügen über den Iran ab. Auf Grundlage aller verfügbaren Informationen und der derzeitigen Sicherheitslage laute die Empfehlung, "dass der Überflug über den Iran in allen Flughöhen bis auf Weiteres vermieden werden sollte", erklärte die EASA. Dabei handele es sich um eine "Vorsichtsmaßnahme".

Der Abschuss der ukrainischen Maschine erfolgte am Mittwochmorgen inmitten heftiger Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Die US-Armee hatte zuvor den iranischen Top-General Ghassem Soleimani mit einer Drohne im Irak getötet. Der Iran antwortete darauf in der Nacht zum Mittwoch mit Raketenangriffen auf zwei von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak. Kurz darauf stürzte in der Nähe von Teheran die ukrainische Passagiermaschine ab.

nob/jj (rtr, dpa, afp)

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