VW und Südosteuropa - eine lange Geschichte | Wirtschaft | DW | 17.10.2019
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Automobilindustrie

VW und Südosteuropa - eine lange Geschichte

Volkswagen hat wegen der türkischen Militäroffensive in Syrien Pläne für eine 1,4-Milliarden-Euro-Autofabrik in der Türkei auf Eis gelegt. Bulgarien und Rumänien machen sich jetzt Hoffnungen, den Zuschlag zu bekommen.

Volkswagen Touareg VW-Autostadt in Wolfsburg (picture-alliance/dpa/R. Jensen)

Stammwerk der Volkswagenkonzerns im niedersächsischen Wolfsburg

Vor allem Bulgarien, das ursprünglich mit der Türkei, Serbien und Rumänien um die umstrittene VW-Investition konkurrierte, versucht mit aller Kraft, wieder ins Spiel zu kommen und den Deal zu gewinnen. Der frühere bulgarische Präsident Rossen Plewneliew, Ehrenvorsitzender des mächtigen  Netzwerks Automotive Cluster Bulgaria, gab bekannt, dass Sofia das ursprüngliche Angebot erhöht und "einen Weg gefunden habe, Volkswagen statt 135 Millionen Euro zwischen 250 und 260 Millionen Euro anzubieten". Plewneliew erklärte, sein Land habe das Angebot im Wesentlichen bereits gemacht und warte jetzt auf die Antwort von VW.

Berücksichtigt man die Infrastruktur, die Schienenverbindungen und die Autobahnen in Elin Pelin bei Sofia, wo sich das vorgeschlagene Gelände für ein zukünftiges Werk befindet, wird das Angebot recht großzügig - der Gesamtbetrag stiege auf satte 800 Millionen Euro.

War Bulgarien nie eine echte Alternative?

So verlockend es auch aussehen mag, das neue Angebot bedeutet nicht automatisch, dass VW jetzt zu seiner "zweiten Option" - Bulgarien - zurückkehren wird. Vorteile Bulgariens sind die niedrigen Steuern und die EU-Mitgliedschaft. Letzteres ist jedoch genau der Grund, warum das Land dem Automobilbauer keine direkten staatlichen Beihilfen gewähren kann.

Sofia - Regierungsgebäude (picture alliance/ZB)

Bulgarien - hier ein Regierungsgbäude in der Hauptstadt Sofia - bringt seine EU-Mitgliedschaft als Argument ein.

Quellen in Sofia gaben zu, dass "das deutsche Unternehmen höchstwahrscheinlich nie gezögert hat, in die Türkei zu investieren, und Sofia nur als Hebel für ein besseres Geschäft mit Erdogan im Rennen geblieben ist." Plewneliew kündigte an, dass Bulgarien eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission einreichen werde, da VW und die Türkei die EU-Wettbewerbsregeln nicht einhielten.

Rumänien bringt sich ins Gespräch

Auch Rumänien rechnet sich wieder Chancen aus, den Zuschlag für die Investition zu erhalten. Die Stadt Arad an der Westgrenze des Landes zu Ungarn und Serbien wäre aus rumänischer Sicht der ideale Standort für das neue VW-Werk. Eine gute Anbindung an Westeuropa und günstige Arbeitskräfte - auch aus den Nachbarländern - wären klare Standortvorteile, heißt es in Bukarest.Der rumänische Handelsminister Stefan-Radu Oprea bestätigte, dass die Regierung in Bukarest die Gespräche mit dem Volkswagenkonzern wiederaufgenommen hat, um die Investition nach Rumänien zu bringen.

Gheorghe Falca, Abgeordneter der bürgerlichen National-Liberalen Partei (PNL) und ehemaliger Bürgermeister von Arad, begrüßte gegenüber der rumänischen Presseagentur Mediafax die mögliche Wiederaufnahme der Verhandlungen mit VW: "Der Standort in Arad hat bereits in der ersten Verhandlungsrunde die Bedingungen erfüllt. Die Stadt hat ein Areal von rund 1100 Hektar zur Verfügung gestellt - sowohl für das Werk als auch für Zulieferer", so Falca. Eine schnelle Bahnverbindung, Autobahn und Flughafen sowie zahlreiche bereits in der Region angesiedelte Zulieferer würden "extrem günstige Produktionskosten" garantieren.

Rumänien - Arad (Imago/Westend61)

Aus rumänischer Sicht bietet die Stadt Arad - hier das Rathaus - beste Voraussetzungen für ein VW-Werk.

Wie vor einem halben Jahrhundert ...

Sowohl Bukarest als auch Sofia gaben inzwischen bekannt, sich strikt an die Vorgaben der Europäischen Union zu halten. Man werde mit den angebotenen Subventionen nicht gegen die Regeln des gemeinsamen Marktes verstoßen. Volkswagen hat sich bislang zu den neuen Vorstößen aus Bulgarien und Rumänien noch nicht geäußert.

In Rumänien wurde  bereits in den späten 60er Jahren erzählt, VW sei an einem Werk im damals kommunistischen Rumänien interessiert. Doch Diktator Nicolae Ceausescu habe weder den vom Konzern bevorzugten Standort im zentralrumänischen Siebenbürgen/Transsilvanien akzeptiert noch eine Quote von Angehörigen der deutschen Minderheit, die beschäftigt werden sollten. Den Zuschlag für eine Autofabrik erhielt damals Renault, der französische Mutterkonzern des rumänischen Autobauers Dacia.

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