VW-Käfer und Nazi-Nippes: ″Design des Dritten Reiches″ im Museum | Kunst | DW | 07.09.2019
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Ausstellung

VW-Käfer und Nazi-Nippes: "Design des Dritten Reiches" im Museum

Hakenkreuz, Propagandaplakat und Massenaufmarsch - die Nazis verbreiteten ihre Ideologie sehr stark über die Formgebung. Das zeigt jetzt ein Museum in den Niederlanden.

"Design des Dritten Reiches" nennt das Design Museum in Den Bosch seine lange angekündigte Schau. Anlass für die Ausstellung ist das 75-jährige Jubiläum der Befreiung der Stadt aus deutscher Besatzung.

Dafür hat das Museum Leihgaben aus den Niederlanden und Deutschland zu einer Retrospektive zusammengetragen. Es sind Exponate vom VW Käfer ,den Adolf Hitler höchstpersönlich in Auftrag gegeben hatte, bis zum Symbol der Nazis, dem Hakenkreuz. Historisches Film- und Fotomaterial erzählt von imposanten Naziaufmärschen oder den Olympischen Spielen 1936. Über Museumsleinwände flimmern Filme der Regisseurin Leni Riefenstahl, die Nazi-Ideologie suggestiv in Szene zu setzen verstand, etwa in ihrem Propagandafilm "Triumph des Willens" über den Reichsparteitag der NSDAP 1934 in Nürnberg. "All das zeigt", so Museumschef Timo de Rijk, "wie stark die kreative Formgebung zur Entstehung der perfiden Nazi-Ideologie beigetragen hat."

Hitler bei seiner Rede in Berlin am 1. Mai 1936 (picture alliance/akg-images)

Symbol der Schreckensherrschaft: das Hakenkreuz

Kritik von Antifaschisten

Nach außen habe der Nationalsozialismus ein verführerisches Bild von Wohlstand und unbeschwertem Vergnügen gezeigt, während schon 1933 die ersten Konzentrationslager eingerichtet wurden, erläutern die Ausstellungsmacher. Design werde oft als Beitrag zu einer besseren Welt dargestellt, was aber nicht der Fall sei. Design sei grundsätzlich neutral. "Deshalb muss man sich die Mühe machen, zu analysieren, wie die damalige Propaganda funktioniert hat."

Damit begegnen de Rijk und seine Kuratoren auch gleich der Kritik an ihrem Ausstellungsprojekt. Der Bund der Niederländischen Antifaschisten (AFVN) nämlich hatte die Schau als "provozierend" abgelehnt und die Stadtverwaltung zum "Eingreifen" aufgefordert. Die Direktorin des Informations- und Dokumentationszentrums Israel in Den Haag, Hanna Luden, bezeichnete das Ausstellungsvorhaben als  "Drahtseilakt". Jedoch sei es "grundsätzlich gut", zu erklären, wie Propaganda Menschen manipulieren könne.

Design "massiv politisch"

Propagandaplakat der NSDAP. Aus der Ausstellung Design des Dritten Reichs im Design Museum Den Bosch (Muenchner-Stadtmuseum-Sammlung-Reklamekunst)

Propagandaplakat der NSDAP

"Bei Design geht es um jede Form der Präsenz", stellt der Kölner Designexperte Michael Erlhoff auf Nachfrage klar, "das haben die Nazis sehr gut verstanden." Das betreffe die Ornamentik von Massenaufmärschen ebenso wie das Aussehen von Kleidung, Gesten, Sprache - "alles, was man heute mit Branding und Corporate Identity verbindet". Design sei "massiv politisch", so Erlhoff, der einen Katalogbeitrag zur Ausstellung in Den Bosch verfasst hat, denn es sei gesellschaftsbildend. "Jeder kann es sich aneignen und für die eigenen Ziele nutzen."

Designexperte und Kunsttheoretiker Erlhoff, der lange an der Köln International School of Design lehrte, hat Verständnis für die niederländischen Ausstellungskritiker: "Natürlich provoziert es, endlich einmal die Einsicht zu kriegen, was dort passiert ist - und dass das auch die Menschen beeindruckt hat." Er hätte sich die Schau allerdings in Deutschland gewünscht.

Museumsdirektor Timo de Rijk, soviel steht fest, ist nicht auf Sensationen aus: "Sonst hätte ich eine ganz andere Ausstellung gemacht", sagt er. Zum Beispiel hätte er sich aus Deutschland auch eine Guillotine aus dem Krieg ausleihen können. Aber das wollte er nicht.

Die Ausstellung "Design van het Derde Rijk" (Design des Dritten Reiches) ist vom 8. September 2019 bist 19. Januar 2020 im Design Museum Den Bosch in den Niederlanden zu sehen. 

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