VW-Chef Müller muss gehen | Wirtschaft | DW | 10.04.2018
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Volkswagen

VW-Chef Müller muss gehen

Paukenschlag in Wolfsburg: Matthias Müller soll nach Medienberichten als Konzernvorsitzender abgelöst werden. Nach Aufarbeitung des Dieselskandals sucht man bei VW den personellen Neuanfang.

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VW-Chef vor Ablösung?

Volkswagen steht vor einem Wechsel an der Konzernspitze. VW-Markenchef Herbert Diess (im Artikelbild links) soll auf Matthias Müller (re.) an der Konzernspitze folgen, wie Zeitungen und Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichten. VW hatte am frühen Nachmittag in einer knappen Pflichtmitteilung lediglich erklärt, dass der Autobauer "eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur für den Konzern" erwäge. "Dazu könnte auch eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören."

Welche Schritte im Einzelnen geplant sind und was dies konkret für die Zukunft von Konzernchef Matthias Müller bedeuten würde, dürfte sich voraussichtlich bis zur Aufsichtsratssitzung am Freitag zeigen. Volkswagen macht zunächst keine weiteren Angaben. Müller habe seine "grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken", heißt es in einer Mitteilung an die Finanzwelt.

Für den Automobilbranchen-Experten Ferdinand Dudenhöffer wirkt das Vorgehen des VW-Aufsichtsrats alles andere als professionell. "Diese Vorgehensweise wirkt äußerst amateurhaft, merkwürdig und seltsam", sagt er im Gespräch mit der DW. "Kein Unternehmen teilt mit, dass es einen Managementwechsel plant, sondern man teilt mit, wenn der Managementwechsel stattgefunden hat."

Aktionäre, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit zu informieren, dass in den nächsten Tagen darüber nachgedacht werde, wer Vorstandsvorsitzender wird oder wer andere Vorstandsposten übernehmen solle, erhöhe zudem die Unsicherheit für den Konzern. "Das sollte man wirklich nicht machen und das macht außer VW scheinbar kein Mensch. Der Aufsichtsrat von VW hinterlässt ein äußerst seltsames Bild", kritisiert Dudenhöffer.

Nicht nur Personalthemen für den Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat von Volkswagen trifft sich nach Informationen aus Unternehmenskreisen an diesem Freitag, um über mögliche Veränderungen der Führungsstruktur zu beraten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dürfte es dabei auch um Umbaupläne wie eine mögliche Abspaltung des Lkw-Geschäfts und Top-Personalien gehen. Bei Volkswagen ist der interne Umbau seit langem ein Thema, der riesige Konzern kämpft mit komplexen Strukturen und will den einzelnen Marken und Regionen mehr Verantwortung geben. Außerdem erfordern die Elektromobilität und die Vernetzung viele Veränderungen, der Konzern investiert hier bereits Milliarden.

Auch Porsche betroffen

Zeitgleich mit Volkswagen ging die Muttergesellschaft Porsche SE an die Öffentlichkeit und teilte mit, dass Veränderungen im VW-Vorstand auch zu Änderungen im Vorstand bei der Porsche SE führen könnten. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Porsche SE hält gut 52 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen.

Müller hatte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" gesagt, aus seiner Sicht müsse das oberste Management von Volkswagen "weiblicher, jünger und internationaler" werden. "Das ist ein riesiges Problem des Konzerns. (...) Ich würde auf jeden Fall gerne mit dem Aufsichtsrat diskutieren, wie der Konzern nach meiner Zeit geführt werden soll und von wem."

Müller ist 64 Jahre alt, sein Vertrag endet regulär 2020. Er war im Herbst 2015 an die Spitze von Volkswagen gekommen, nachdem Vorgänger Martin Winterkorn im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Abgasskandals in den USA zurückgetreten war.

Weltkonzern mit zwölf Marken

Die Volkswagen AG mit Sitz in Wolfsburg ist die Konzern-Mutter der Fahrzeugmarken Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Seat, Skoda und Volkswagen. Die Tochterunternehmen MAN und Scania bauen Lastwagen und Busse, Ducati stellt Motorräder her. Außerdem gibt es die Konzernsparte Volkswagen Nutzfahrzeuge. Ende 2017 hatte der Volkswagen Konzern weltweit mehr als 642.000 Beschäftigte an insgesamt 120 Produktionsstandorten. Mit 70 Standorten befinden sich die meisten in Europa, 31 Produktionsstandorte gibt es in Asien - allein 20 davon liegen in China. In den kommenden Jahren will VW bis zu 30.000 Stellen abbauen, allein am Standort Deutschland sollen etwa 23.000 Arbeitsplätze wegfallen. Durch die Umsetzung des Volkswagen-"Zukunftspaktes" soll der Wandel vom reinen Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister im Zeitalter von Digitalisierung und Elektromobilität vollzogen werden. 

hb/iw (rtr,dpa)

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