Vorräte gehen zur Neige: ″Alan Kurdi″ will in Malta anlegen | Aktuell Europa | DW | 07.04.2019
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Flüchtlingsrettung

Vorräte gehen zur Neige: "Alan Kurdi" will in Malta anlegen

Das Schicksal der Menschen an Bord der "Alan Kurdi" bleibt auch fünf Tage nach ihrer Rettung aus dem Mittelmeer ungewiss. Nun ging ein Hilferuf an Malta. Denn das Wetter wird schlechter und Wasser und Essen sind knapp.

Die Lage auf der "Alan Kurdi" verschlechtere sich zusehends, teilte die Betreiberin mit, die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye. Das Rettungsschiff hatte am Mittwoch 64 Flüchtlinge an Bord geholt, die sich auf einem Schlauchboot vor Libyen befanden. Seitdem sucht die "Alan Kudi" einen europäischen Hafen, um die Menschen an Land zu bringen.

Das Schiff sei für 64 Gerettete und 17 Besatzungsmitglieder nicht ausgelegt, so Sea-Eye. Die Menschen müssten "unhaltbare humanitäre Bedingungen ertragen", sagte die Sprecherin der Nichtregierungsorganisation, Carlotta Weibl, in Rom. "Sie müssen teilweise draußen an Deck schlafen und sind Wind, Wellen und Kälte ausgesetzt. Ein nahender Sturm wird die Menschen in große Gefahr bringen." Auf einem Internetvideo ist zu sehen, wie Menschen in Wärmefolien gehüllt auf Deck schlafen.

Kurs auf Malta

Nachdem die italienische Regierung der "Alan Kurdi" verboten hatte, die geretteten Migranten nach Lampedusa zu bringen, hatte das Schiff am Sonnabend Kurs auf Malta genommen. Die Hilfsorganisation rief die Regierung der Mittelmeerinsel dazu auf, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Gerettete Flüchtlinge an Bord der Alan Kurdi (FABIEN HEINZ/SEA-EYE.ORGFabian Heinz/sea-eye.org)

Gerettete Flüchtlinge an Bord der "Alan Kurdi": "Schiff für so viele Menschen nicht ausgelegt"

"Wir hoffen, dass sich die politischen Gemüter schnell beruhigen, um zu tun, was menschlich ist", schreibt Sea-Eye in einem Appell an den maltesischen Premierminister Joseph Muscat. Ein Sprecher der Regierung in Valletta sagte am Samstag lediglich, die Lage werde beobachtet. Zuvor hatte Malta dem Schiff die Einfahrt in ihre Häfen verboten.

Malta und Italien lassen praktisch keine Boote mit Migranten mehr anlegen, weil es keinen Verteilmechanismus auf EU-Ebene gibt. Daher waren bereits mehrere Schiffe von Nichtregierungsorganisationen zu teils wochenlangen Odysseen auf der offenen See gezwungen. Die "Alan Kurdi", die unter deutscher Flagge fährt, ist derzeit das einzig verbliebene private Rettungsschiff im Mittelmeer.

Versorgungslage wird zum Problem

Sea-Eye forderte erneut von der Europäischen Union, politische Lösungen für die Rettung und Aufnahme von Migranten auf dem Mittelmeer zu beschließen. Sprecherin Weibl kritisierte, dass die gesonderte Aufnahme einzelner, besonders geschwächter Personen zur Verhandlungsmasse zwischen EU-Staaten geworden sei.

Rettungsaktion vor Libyen (am Mittwoch) (picture-alliance/AP Photo/F. Heinz)

Sea-Eye-Rettungsaktion vor Libyen (am Mittwoch): "Unhaltbare humanitäre Bedingungen"

So habe Italien am Donnerstag zwar zugestimmt, zwei Kinder im Alter von elf Monaten und sechs Jahren inklusive ihrer Mütter an Land zu holen. Die Behörden hätten aber darauf bestanden, dass die Väter an Bord bleiben. Damit, so die Sprecherin, verstoße Italien gegen UN-Konventionen zur Zusammenführung von Familien. Die Familien hatten daraufhin entschieden, gemeinsam an Bord zu bleiben.

Neben dem drohenden Wetterumschwung scheint auch die Versorgungslage auf der "Alan Kurdi" zunehmend zum Problem zu werden. "Unsere Vorräte sind bald verbraucht. Wir können diese Situation nicht viele Tage aufrecht erhalten und brauchen Trinkwasser und Essen", hieß es gestern von Bord.

AR/rb (dpa, epd, kann)

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