Vorerst kein Krieg zwischen Russland und Türkei | Welt | DW | 06.03.2020
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Presseschau

Vorerst kein Krieg zwischen Russland und Türkei

Russische und türkische Zeitungen loben das Ergebnis des Treffens zwischen Erdogan und Putin in Moskau. Sie warnen jedoch, dass die Krise von Idlib entschärft, aber nicht gelöst sei.

Moskau PK Erdogan - Putin (picture-alliance/AA/Turkish Presidency/M. Cetinmuhurdar)

Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Purin während des Treffens in Moskau am 5. März 2020

Das Treffen zwischen den Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan und die dabei ausgehandelte Waffenruhe für die umkämpfte nordsyrische Provinz Idlib beschäftigt auch die Kommentatoren der russischen und türkischen Medien. Hier einige Auszüge: 

So schreibt die regierungsnahe russische Fachzeitschrift "Russia in Global Affairs" auf Facebook in einer ersten Analyse: "Das Wichtigste hat sich bestätigt: Die Zusammenarbeit von Russland und der Türkei ist alternativlos. Weder die eine, noch die andere Seite kann sich einen ernsten Konflikt leisten (…). Tatsache ist, dass weder Russland noch die Türkei, trotz verschiedener Interessen und Abwesenheit von Sympathien, ihre Ziele nicht ohne Verständigung erreichen können. Das Astana-Format ist so einmalig, dass es töricht wäre, es zu opfern (…). Die Eskalation von Idlib war ein sehr ernster Crashtest für die Fähigkeit Moskaus und Ankaras, die schärfste Kurve doch noch zu kriegen. Verhandlungsergebnisse legen nahe, dass es relativ erfolgreich absolviert wurde. Es gibt eine Chance, dass künftige Spannungen ebenfalls im Arbeitsmodus gelöst werden. Dass der Arbeitsmodus in diesem Kontext eine regelmäßige "Kampferprobung" und menschliche Opfer vorsieht, muss man leider als eine Gegebenheit akzeptieren."

Syrien Idlib (Getty Images/AFP/A. Al-Atrash)

Wochenlang tobten Kämpfe um die letzte Rebellenregion in Idlib

Die Moskauer Wirtschaftszeitung "Kommersant" verweist in ihrer Reportage darauf, dass Russlands Präsident (der sich gerne verspätet und seine Gäste warten lässt - Anm. d. Red.) diesmal pünktlich kam: "Recep Tayyip Erdogan wartete keine Sekunde. Wladimir Putin kam in den Kreml früher." Die Tatsache, dass das Vier-Augen-Gespräch drei Stunden dauerte, interpretiert "Kommersant" als Bereitschaft, doch eine Einigung zu erzielen. Das Ergebnis der Verhandlungen bewertet der Reporter so: "Von diesem Treffen konnte man nicht viel erwarten, doch das unterzeichnete Papier war etwas deutlich Größeres. Das Wichtigste: Einen Krieg zwischen Russland und der Türkei wird es vorerst nicht geben."

Die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti zitiert Andrej Baklanow, stellvertretenden Vorsitzenden des Verbands russischer Diplomaten. Es sei noch "unklar, wie es weiter geht", so der Experte. "Es ist unklar, welche Antwort auf plötzliche Provokationen folgt. Auch andere Fragen sind offen. Die Krisenlage hat "das Hineinrutschen" Richtung kriegerische Konfrontation aufgehalten, doch eine Beilegung der Krise wurde nicht erreicht", so Baklanow.

Türkische Presse: Einigung nach Krisengipfel 

In der Türkei reagiert die Presse ebenfalls überwiegend positiv. Die regierungsfreundliche Tageszeitung "Türkiye" schreibt überschwänglich über den Beschluss von Moskau. "Erdogan und Putin haben beim Krisengipfel, den die ganze Welt mit Spannung erwartet hatte, den Verhandlungstisch mit einer Einigung verlassen".

"Die Verhandlungen resultierten aus dem verräterischen Angriff des Assad-Regimes. Nach einem Treffen zwischen Präsident Erdogan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin beginnt nun mit dem Waffenstillstandsabkommen eine neue Zeit", heißt es in der regierungsnahen Zeitung "Yeni Safak".

Die regierungskritische Tageszeitung "Birgün" ordnet den Beschluss von Moskau weitaus kritischer ein: "Der Waffenstillstand ist eine fragile Lösung". Das Abkommen bringe keine endgültige Lösung in der Region, so "Birgün". "Aus dem Treffen ging ein fragiles und unbefristetes Waffenstillstandsabkommen hervor", betont die Tageszeitung.

Ähnlich kritisch sieht es die oppositionelle Zeitung "Cumhuriyet", die eine Analyse des pensionierten Generals Naim Babüroglu abdruckte. "Es ist wichtig, dass die Gefechte zwischen der Türkei und Russland jetzt erst einmal verhindert werden". Doch habe sich der Konflikt mit der syrischen Regierung nur um kurze Zeit verschoben. "Denn wenn irgendeine Partei angegriffen wird, gilt immer noch das Recht auf Selbstverteidigung. Und in der Gegend von Idlib wimmelt es von Provokateuren". Weil in Idlib diverse Terror-Gruppen provozieren könnten, sei es wahrscheinlich, dass es in der Zukunft zwischen der Türkei und Russland zu Konflikten komme. "Auch wenn es keine heißen Konflikte geben wird, kann es zu Zerstörungen von Panzern und zum Abschuss von Flugzeugen kommen."

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