Vor fünf Jahren: Facebook kauft WhatsApp | Wirtschaft | DW | 19.02.2019
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Soziale Medien

Vor fünf Jahren: Facebook kauft WhatsApp

Als Facebook 2014 den Message-Dienst WhatsApp übernahm, sah das zunächst so aus, als solle zusammenwachsen, was gar nicht zusammenpasst. Dennoch: Seither ist WhatsApp ganz beträchtlich gewachsen.

Am 19. Februar 2014 gab Facebook bekannt, den Kurzmitteilungsdienst WhatsApp für beachtliche 16,8 Milliarden Euro (19 Milliarden US-Dollar) gekauft zu haben. Viele sahen diese Übernahme seinerzeit kritisch. Sie sahen eine "unheilige Allianz" zweier Firmen mit inkompatiblen Prinzipien.

2009 hatten die beiden ehemaligen Yahoo-Angestellten Jan Koum und Brian Acton WhatsApp gegründet, das sich bald einen Namen machte als eine Firma, die die Privatsphäre ihrer Nutzer achtete und Werbung nicht zuließ. Das traf auf Facebook nicht zu - und heute ist das auch nicht anders.

Als die Firmenhochzeit über die Bühne ging kommentierte Corinne Purtill das Ereignis im Online-Portal Quartz mit den Worten: "Facebook war ganz offenbar überrascht, dass das auf den Schutz der Privatsphäre achtende WhatsApp weiterhin eine werbefreie Plattform sein wollte. Ebenso offenbar war WhatsApp davon überrascht, dass Facebook Wert darauf legte, Geld zu verdienen."

Genau dieser latente Wertekrieg führte zu einigen Spannungen und schließlich zum Abschied der Firmengründer Koum und Acton von ihrem Unternehmen.

Auf der Überholspur

Doch wenn man von den grundsätzlichen Differenzen zwischen den beiden Firmen absieht, so waren die fünf Jahre seit der Übernahme für WhatsApp ganz außerordentlich erfolgreich.

WhatsApp hat ungefähr eineinhalb Milliarden Nutzer in 180 Ländern und ist der wohl erfolgreichste Mitteilungsdienst weltweit. Das Unternehmen selbst gibt an, täglich eine Million neue Nutzer hinzuzugewinnen.

In Indien hat der Kommunikationsdienst seine größte Nutzer-Gemeinde. Im vergangenen Jahr gab es wenigstens 200 Millionen WhatsApp-Nutzer allein auf dem Subkontinent - und die Zahlen steigen weiter rasant. Einigen Statistiken zufolge soll die User-Gemeinde in Indien schon jetzt 300 Millionen Teilnehmer umfassen.

Und doch gibt es eine Entwicklung, die die Party in Indien ganz schnell beenden könnte: Die indische Regierung hat sich gerade auf WhatsApp eingeschossen, nachdem über den Dienst zu Gewalt aufgerufen wurde und über ihn pornografisches Material verbreitet worden ist.

Die Regierung will bessere Aufsichtsmöglichkeiten und verlangt sogar Zugang zu verschlüsselten Konversationen. Die Konzernmutter Facebook hat diesen Forderungen bislang nicht stattgegeben. Dennoch drohen WhatsApp verschiedene Strafen und im schlimmsten Falle könnte Facebook/WhatsApp der Zugang zu diesem großen Markt ganz verweigert werden.

Ein Geschäftsmodell wie jedes andere?

Statistiker lieben WhatsApp dafür, dass es eine Unzahl wirklich unglaublicher Zahlen liefert - zusammen mit einer riesigen Armee von Nutzern. Dem Web-Portal businessofapps.com zufolge senden die Nutzer ungefähr 65 Milliarden Nachrichten täglich. Das sind, so die Statistik für den Januar 2018, weltweit etwa 29 Millionen Nachrichten - in jeder Minute. Die Zahl der Video-Anrufe über WhatsApp: 55 Millionen jeden Tag.

Wie aber verdient die werbefreie App ihr Geld? Da kommt nicht wirklich viel zusammen - vor allem, seit 2016 die jährliche Nutzungsgebühr von einem US-Dollar abgeschafft worden ist. Wie auch immer: Facebook gibt sowieso keine Zahlen für irgendeines seiner Geschäftssegmente bekannt.

Marktbeobachter sagen allerdings, dass inzwischen einige Millionen Dollar durch das "WhatsApp Business" hereinkommen. Dies ist der erste ernsthafte Versuch des Unternehmens, Geld zu verdienen.

Die App dient der Kommunikation zwischen kleineren und mittleren Unternehmen und ihren Kunden. Unternehmen, die daran teilnehmen, haben so einen Tag Zeit, auf die Nachrichten ihrer Kunden zu antworten - sollten sie zu langsam sein, wird ein Bußgeld fällig.

Datensammler unter Beobachtung

In Deutschland ist Facebook in diesem Monat gerichtlich dazu verpflichtet worden, seine Datensammelgewohnheiten einzuschränken. Der Gerichtsentscheid kam zustande, weil das weltgrößte soziale Netzwerk seine Markt beherrschende Stellung ausgenutzt hatte, Information über seine Nutzer zu sammeln, ohne diese um Zustimmung gefragt zu haben.

Die Regulatoren kritisierten Facebook vor allem dafür, Daten aus anderen Apps gesammelt zu haben, darunter ihren eigenen Anwendungen WhatsApp und Instagram. Zudem habe Facebook über Schnittstellen auch Zugriff auf Daten von Webseiten und Apps anderer Betreiber, so der Vorwurf des Bundeskartellamtes. Dem Beschluss zufolge dürfen künftig Dienste wie das Messenger-Angebot Whatsapp oder der Fotodienst Instagram zwar weiter Daten sammeln, diese aber nur noch mit Zustimmung des Nutzers dem Facebook-Konto zuordnen.

Das Netzwerk hat nun ein Jahr Zeit, die Vorgaben umzusetzen. Am vergangenen Freitag hat das Unternehmen mitgeteilt, gegen die Entscheidung des Bundeskartellamtes vor einem Gericht in Düsseldorf Einspruch einzulegen.

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