Vor 50 Jahren: Der Wettlauf ins All führt auf den Mond | Wissen & Umwelt | DW | 17.07.2019
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50 Jahre nach der ersten Mondlandung

Vor 50 Jahren: Der Wettlauf ins All führt auf den Mond

1969 setzte Neil Armstrong als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Dem ging ein rasanter technologischer Wettlauf zwischen der Sowjetunion und den USA voraus. Einen Blick zurück auf die Anfänge der bemannten Raumfahrt.

Die Geschichte der bemannten Raumfahrt begann in den 1950er Jahren. Es war eine Zeit, in der sich die einzigen damaligen globalen Supermächte, die USA und die Sowjetunion, einen erbitterten atomaren Wettlauf lieferten.

Wer den Weltraum beherrschte, konnte auch militärisch die ganze Welt beherrschen, so die damalige Annahme. Eine Weltraumrakete unterscheidet sich schließlich kaum von einer Interkontinentalrakete. Und im Weltraum war die Sowjetunion damals den USA deutlich voraus. 

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Der spätere Astronaut John Glenn war Kampfpilot im zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg gewesen. 1957 führte er als Testpilot die ersten Überschallflüge für die US-Luftwaffe durch.

Damals war für ihn keineswegs klar, dass die USA diesen Wettlauf einmal gewinnen würden. "Die Sowjets hatten bereits Raketen ins Weltall geschossen und unsere exlodierten noch auf der Abschussrampe," erinnert er sich. "Das war die Ausgangslage 1957, als sie Sputnik ins Weltall schickten." 

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Infografik Timeline Apollo 11 Reise zum Mond DE

Die USA sind langsamer aber gründlicher

Sputnik war der erste Satellit überhaupt. Erst später stellte sich heraus, dass es kein besonders aufwendig gebautes Gerät war: Eine Metallkugel und darin ein simpler Radioempfänger und Sender.

Aber der sowjetische Erfolg schockierte die westliche Öffentlichkeit und erhöhte den Druck auf die US-Regierung, der neuen Bedrohung aus dem All etwas entgegenzusetzen.

"Sputnik war 1957 der Beginn des Weltraum-Zeitalters und die USA liefen hinterher," erinnert sich auch Neil Armstrong, der mehr als zehn Jahre später als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte.

Die USA antworteten auf die Herausforderung mit einem eigenen, viel komplexer aufgebauten Satelliten namens "Explorer 1". Und Präsident Dwight D. Eisenhower gründete die Weltraumagentur NASA.

Explorer 1 erster Satellit der USA NASA (NASA/JPL-Caltech)

Die Antwort auf Sputnik: Explorer-1 - der erste Amerikanische Satellit

Klares Ziel: Die bemannte Raumfahrt

Das erklärte Ziel war, Menschen ins Weltall zu bringen. "Vor uns steht eine der größten Herausforderungen, denen sich die moderne Menschheit je gestellt hat", sagte Eisenhower in einer Ansprache. "Wir werden Raumschiffe entwickeln und ins Weltall befördern, die dort wissenschaftliche Daten sammeln und das Sonnensystem erforschen. Und wir werden uns darauf vorbereiten, eines Tages Menschen ins Weltall zu bringen."

Die US-Ingenieure waren zuversichtlich, dass Ihnen das auch gelingen würde. Sie konnten sich auf Wernher von Braun stützen. Der Luftfahrtingenieur, der schon für Nazi-Deutschland Raketen gebaut hatte, war nach dem Krieg mit fast hundert seiner besten Experten in die USA übergesiedelt und hatte das US-Raketenprogramm aufgebaut. 

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USA Werner von Braun mit John F. Kennedy (picture-alliance/NASA/MediaPunch)

Wernher von Braun wurde von Experten und Politikern als Fachmann geschätzt, auch von Präsident Kennedy.

Die amerikanische Öffentlichkeit sah von Braun zu der Zeit als wissenschaftliche Koryphäe an. Erst Jahre später, ab etwa Mitte der 1970er Jahre fingen Kritiker an, Fragen über seine Nazi-Vergangenheit und seine Verstrickung in Kriegsverbrechen zu stellen.

Damit musste sich von Braun in den späten 1950er Jahren noch nicht beschäftigen. Für ihn war einzig und allein wichtig, dass sein Team in Bezug auf Satelliten bessere Leistungen ablieferte, als die sowjetische Konkurrenz. Und das konnte er: "Wir haben mit kleineren Raumschiffen schon mehr Wissen gesammelt, als die Russen mit viel größeren Raumschiffen," prahlte er auf einer Pressekonferenz. 

Starke Skepsis bei Testpiloten

Allerdings waren nicht alle Testpiloten von Anfang an begeistert von der Idee, Menschen ins Weltall zu schießen. "Die Ingenieure versuchten mich davon zu überzeugen, wie toll es doch sei, sich in eine Kapsel auf der Spitze einer Rakete zu setzen," erinnert sich der spätere Astronaut Walter Schirra. "Ich sagte: Auf keinen Fall! Nehmt doch den Idioten, der im Zirkus auf einer Kanonenkugel reitet, aber nicht mit uns. [Und sie versuchten mich zu beruhigen:] 'Mach Dir keine Sorgen, wir nehmen vorher Affen und Schimpansen'. Und da dachte ich mir: Nichts wie weg hier! Also, ich hielt wirklich gar nichts davon." 

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Ham, erster Affe im Weltall (picture-alliance/Everett Collection)

Der Schimpanse Ham flog für das Mercury Projekt vor dem ersten US-Astronauten Alan Shepherd.

Schirras anfängliche Ablehnung währte nicht lange. Er war dann doch einer der ersten sieben Astronauten, die die NASA 1959 der Öffentlichkeit für das Mercury Projekt präsentierte.

Voller Optimismus traten die zukünftigen Astronauten vor die Presse. Doch als die erste Rakete ihres Mercury-Projektes startete, kam es zu einer schwerwiegenden Panne. "Keiner von uns war jemals bei einem Raketenstart dabei gewesen. Und wir angehenden Astronauten stehen da und sehen, wie die Rakete auf 27.000 Fuß [10.000 Meter] steigt. Plötzlich explodiert sie," erinnert sich Glenn, der auch zu den sieben ausgewählten Astronauten gehörte. "Das sah aus wie eine Atombombe und wir haben uns nur angeschaut und gedacht: Wir müssen morgen früh mal mit den Ingenieuren reden."

Schimpansen oder Menschen

Kurz darauf kam der nächste Schock: Am 12. April 1961 flog Juri Gagarin als erster Mensch überhaupt in den Erdorbit. Wieder einmal hatte die Sowjetunion die Nase vorn. "Wir haben Schimpansen hochgeschossen und sie schickten Juri Gagarin," erinnert sich Walter Schirra an den Moment. "Wir waren davon total geschockt."

Walentina Tereschkowa (picture-alliance/RIA Nowosti)

UdSSR mit Vorsprung: Die ersten Kosmonauten (v.l.) Waleri Bykowski, Walentina Tereschkowa und Juri Gagarin.

Es war wieder Zeit für ein starkes politisches Signal. Mittlerweile war John F. Kennedy zum US-Präsidenten gewählt worden. Und so wie zuvor Eisenhower war er festen Willens, die Sowjets technologisch zu überholen, als er sagte: "Diese Nation sollte sich dazu verpflichten, noch vor Ende des Jahrzehnts das Ziel zu erreichen, einen Menschen auf den Mond und sicher wieder zurück zu bringen." In einer weiteren Rede untermauerte Kennedy seine Zuversicht: "Wir haben den Mond nicht deshalb gewählt, weil es einfach ist, dorthin zu kommen, sondern weil es schwierig ist." 

USA Raumfahrt die sieben Astronauten von Mercury mit Model (picture-alliance/Consolidated News Photos/NASA via CNP)

Die ersten Sieben Astronauten: Noch wissen sie nicht, dass die ersten Mercury-Rakete explodieren wird.

Der sowjetische Vorsprung schrumpft

Das konnte Kennedy so sagen, weil die USA gegenüber der Sowjetunion in der Raumfahrtechnik doch einige Zeit gutgemacht hatten. Als Alan Sheperd am 5. Mai 1961 als erster Amerikaner in den Orbit flog, war der Rückstand zu den Sowjets auf weniger als einen Monat zusammengeschmolzen. Die NASA hatte klar auf die Überholspur gewechselt.

In den folgenden acht Jahren führten sie fast doppelt so viele Raumflüge durch wie die Sowjetunion. Einen schweren Rückschlag musste die NASA dabei allerdings erleiden: 1967 explodierte ein Raumschiff während eines Bodentests, drei Astronauten starben.

Dies warf die bemannten Raumflüge um 21 Monate zurück. Gleichzeitig aber setzte sich die NASA immer ambitioniertere Ziele, etwa die ersten Umrundungen des Mondes im Oktober und Dezember 1968. Erstmals konnten die Astronauten die Rückseite des Erdtrabanten sehen. "Bei Apollo 8 drehten wir unser Raumschiff und sahen zum ersten Mal die erdabgewandte Seite des Mondes. Sie war nur 60 Meilen unter uns und wir haben durch das Fenster geschaut wie Schulkinder durch das Schaufenster eines Süßwarenladens," erinnert sich Astronaut James Lovell. "Für einen Moment habe ich den Flugplan vergessen, während unten diese uralten Krater langsam vorbeizogen."

Edward H White bei einer Übung (Getty Images/Keystone/Hulton Archive)

Edward H. White vollführte 1965 den ersten Weltraumspaziergang. Zwei Jahre später starb er bei einem Test für Apollo 1.

Medienwirksame Landung

Von hier zur Landung auf dem Mond war es nur noch ein vergleichsweise kleiner Schritt. Apollo 11 war die erste Landemission. Astronaut Michael Collins blieb im Orbiter zurück, nachdem Buzz Aldrin und Neil Armstrong mit ihrer Landekapsel, dem sogenannten "Adler", abgedockt hatten.

"Es gibt bestimmte Ereignisse im Leben, die man nie vergisst. Und die Mondlandung, insbesondere die letzten Sekunden vor der Landung, werde ich nie vergessen," erinnert sich Gene Kranz. Er war auf der Erde als Flight Director im NASA-Kontrollzentrum in Houston verantwortlich. Als er sich bemühte, die Landekapsel sicher auf die Mondoberfläche zu setzen, gingen verschiedene Computer-Alarme an. "Und als die Crew übernahm – etwa zwei Minuten vor der Landung –, war uns klar, dass wir viel mehr Treibstoff verbraucht hatten, als geplant", erinnert sich Kranz.

Auch als die Landung am 20. Juli 1969 geglückt war, als Armstrong und Aldrin zur Bestätigung "the Eagle has landed"  durchgegeben hatten, blieb es hektisch in Houston. "Keiner der Leute im Kontrollzentrum konnte die Emotionen des Moments wirklich verinnerlichen", so Kranz, "weil wir einfach für die nächsten zwei Stunden viel zu beschäftigt waren – nonstop."

Nicht nur die Mondlandung selbst war eine Premiere. Auch die Live-Übertragung des Ereignisses im Fernsehen war für Raumflüge noch Neuland. Das Interesse der Presse war enorm. Mehr als 2000 Journalisten waren für Cape Canaveral und Houston akkreditiert.

"Bis dahin war Fernsehen zwar ein Ziel gewesen, aber nicht unbedingt nötig," sagt Kranz. Und dass es im entscheidenden Moment auch funktionieren würde, war für ihn gar nicht selbstverständlich gewesen.

"Nachdem wir erfolgreich gelandet waren, zählten für uns nur noch die Bilder. Ich dachte mir: 'Wehe das Fernsehen funktioniert jetzt nicht!' Wenn es jetzt ausfällt, bin ich derjenige, an dem es hängen bleibt, dass es keine Bilder vom Mond gab!"

Doch die Technik spielte mit, und Millionen Menschen auf der ganzen Welt schauten zu, wie Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte und die unvergesslichen Worte sprach: "Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, doch ein riesiger Sprung für die Menschheit". 

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