Vor 250 Jahren geboren: Der Komponist Franz Danzi | Musik | DW | 13.06.2013
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Musik

Vor 250 Jahren geboren: Der Komponist Franz Danzi

Allzu leichtfertig wird Franz Danzi heute in die Schublade der "Kleinmeister" einsortiert. Dabei hielten ihn die Zeitgenossen für einen der "ersten Komponisten unseres Landes". Franz Danzi wurde am 15. Juni 1763 geboren.

Porträt - Franz Danzi

Porträt - Franz Danzi

Fällt heute der Name Franz Danzi, dann denken allenfalls Kenner an seine Bläserquintette. Dass der Komponist aber auch sechs meisterliche Symphonien komponiert hat und dass er mit seinen deutschsprachigen Opern zum Vorbild für Carl Maria von Weber und so ein Vorreiter der romantischen Oper wurde, dürfte nur wenigen Musikliebhabern bekannt sein.

"Sohn Mannheims"

Geboren wurde Franz Danzi in Mannheim, als Sohn des Solocellisten der Mannheimer Hofkapelle. Mannheim galt damals als das "Paradies der Tonkünstler". Leopold Mozart berichtete, dass der Ruf der Mannheimer "durch ganz Teutschland, ja durch ganz Europa" drang. Und auch der Musikjournalist Charles Burney staunte in seinem "Tagebuch einer musikalischen Reise" über die Kunst der Mannheimer: "Es sind wirklich mehr Solospieler und gute Komponisten in diesem, als vielleicht in irgend einem Orchester in Europa. Es ist eine Armee von Generälen, gleich geschickt einen Plan zu einer Schlacht zu entwerfen, als darin zu fechten."

In diese "musikalische Armee" wurde Franz Danzi am 15. Juni 1763 quasi hineingeboren. Der Vater hatte schon früh das kompositorische Talent des Sohnes erkannt und schickte ihn beim berühmten Kompositionslehrer Abbé Vogler in die Lehre.

Der englische Musikjournalist Charles Burney

Der englische Musikjournalist Charles Burney

1777 lernte der junge Danzi den damals 21-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart kennen, der auf der Suche nach einer Anstellung auch die berühmte Mannheimer Hofkapelle besuchte. Ein Jahr nach dieser Begegnung wurde der 15-jährige Franz Danzi als Cellist in die Hofkapelle berufen. Und schon zwei Jahre später, 1780, machte er erste musikdramatische Erfahrungen: Im Mannheimer Nationaltheater erklang am 30. Januar seine Ouvertüre zum Schauspiel "Cleopatra" und kurz darauf feierten seine erste Oper "Azakia" und die Bühnenmusik zu Schillers "Räuber" Premiere.

Romantische Opern-Vision

Nach einer Anstellung als Kapellmeister der Münchener Hofoper, wurde Franz Danzi 1807 Kapellmeister am Königlichen Hoftheater in Stuttgart und 1812 Kapellmeister der Badischen Hofkapelle in Karlsruhe. Vor allem in dieser Zeit entwickelte Danzi seine musikdramatischen Visionen, die eine romantische Oper schon vorausahnen: Er wollte weg von dem damals noch üblichen deutschen Singspiel mit Dialogen und träumte von einer großen, durchkomponierten Oper.

Eine der Wirkungsstätten Danzis: Das Hoftheater des pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor in Schwetzingen.

Eine der Wirkungsstätten Danzis: Das Hoftheater des pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor in Schwetzingen.

Schon in Stuttgart hatte Danzi den 13 Jahre jüngeren Carl Maria von Weber kennengelernt und aus der gemeinsamen Vorliebe für die Opern Mozarts entwickelte sich eine tiefe Freundschaft: Gemeinsam diskutierten die Freunde über opernästhetische Aspekte und über die Entwicklung eines neuen Musikdramas. Der Opern erfahrene Danzi unterstützte den jüngeren Kollegen in allen Fragen der Komposition und der Dramaturgie. Und immer wieder bat Weber den Freund, ihm seine neuesten Partituren zu schicken, damit er daraus lernen könne.

Ein kleiner Bruder des "Freischütz"

Den Traum von einer romantischen deutschsprachigen Oper erfüllte sich Franz Danzi erstmals am 19. April 1813, als im Karlsruher Opernhaus seine Oper "Der Berggeist oder Schicksal und Treue" über die Bühne ging. Erzählt wird hier die Geschichte von Rübezahl, der wegen seiner Gemeinheiten zu 100 Jahren Einsamkeit verdammt wurde und seitdem durch das Riesengebirge geistert.

Danzis Freund: Carl Maria von Weber, der Komponist des Freischütz

Danzis Freund: Carl Maria von Weber, der Komponist des "Freischütz"

Danzi selbst hat seinen "Berggeist" ausdrücklich als "romantische Oper" bezeichnet. Vor allem durch das märchenhafte Personal mit Geistern und Nixen, das Danzi mit origineller Instrumentierung wundervoll charakterisiert, wirkt das Werk überaus romantisch. Der deutsche Dirigent Frieder Bernius hat diese Oper 2012 "ausgegraben" und erstmals wieder aufgeführt. Für ihn ist der "Berggeist" ein Stück, das "in die Zukunft vorausweist" - acht Jahre vor Webers "Freischütz" komponiert, ist es quasi ein kleiner Bruder des "Freischütz"!

Dornröschenschlaf

Unter Danzis Opern gibt es sicher noch jede Menge Kostbarkeiten für die Bühne zu entdecken. Bislang ruhen sie vergessen in den Bibliotheken. Bleibt zu hoffen, dass sich zum 250. Geburtstag von Franz Danzi weitere engagierte Musiker wie Frieder Bernius finden, die Werke wie die "Mitternachtsstunde" oder die durchkomponierte Oper "Iphigenie in Aulis" aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken.

Übrigens, schon vor 200 Jahren hat sich Carl Maria von Weber ähnliches gewünscht. Er hat die Opernunternehmen aufgefordert, endlich mehr Opern von Franz Danzi auf die Bühnen zu bringen: "Sein Ruf als einer unserer bedeutendsten Komponisten ist schon zu allgemein, als dass man mehr als seinen Namen zu nennen brauchte. Der einzige Wunsch bleibt, dass seine großen Werke, wie die Iphigenia, dem Mangel an deutschen Originalopern abhelfen werden."

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