Von Banken und Bänken | Sprachbar | DW | 27.04.2016
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Von Banken und Bänken

Bank – das klingt nach Ausruhen oder Geschäfte machen, nach Eckbank in der Wohnküche oder Kapitalismus pur. Ob wir nun auf der Bank sitzen oder zur Bank gehen: An diesem Vierbuchstabenwort kommen wir nicht vorbei.

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Von Banken und Bänken

Eine Bank wird definiert als Sitzmöbel für „mehrere“ Personen. Das unterscheidet sie vom Stuhl, denn der ist nur für einen Hintern breit genug. „Mehrere“ fängt da übrigens schon bei anderthalb Personen an. Das weiß jeder, der mal zu zweit auf einer Klavierbank gesessen hat oder sich morgens auf dem Weg zur Arbeit in die mitunter recht schmalen Sitzbänke eines Busses quetscht.

Die Bank – zwei Bedeutungen

Das Wort „Bank“ selbst hat germanische Wurzeln, hieß damals „banki“ und stand für eine Sitzgelegenheit. Im Italien des späten Mittelalters bedeutete „banco“ oder „banca“ „Tisch“.

Mehrere Münzstapel

Früher wurden Geldgeschäfte auf dem Tisch, der „banco“, abgewickelt

Von hier stammt auch die zweite Bedeutung des Wortes. „Banco“ war der Tisch der Geldverleiher. Wenn man Geld brauchte, musste man also schon damals zur Bank gehen. Eine andere Geschichte will wissen, dass die Geldverleiher im italienischen Florenz manchmal so viele Kunden hatten, dass um ihre Häuser eine lange Bank gebaut wurde, auf der die Kunden warten konnten.

Bankrotte Bankiers

Doch zurück zum Tisch der Geldverleiher. Wenn der zerschlagen wurde, dann war das eine „banca rotta“, eine zerbrochene Bank oder ein kaputter Tisch. Die Erklärung des Wortes Bankrott ist also nicht schwer.

Bank und Bank: Die Wortbedeutungen haben sich im Laufe der Jahrhunderte sozusagen auseinandergelebt. Am Plural kann man das erkennen. Die Mehrzahl der Sitzbank ist „Bänke“, die Mehrzahl der Geldinstitute lautet „Banken“. Schieben wir es also nicht auf die lange Bank, trennen wir die Sache und kümmern uns erst einmal um das Möbel und seine Verwandten.

Setzen, stellen, legen

Eine Frau liegt auf der Sonnenbank

Auf der Sonnenbank kann man sich auch im Winter bräunen

Natürlich kann man auf einer Bank nicht nur sitzen. Die Fußbank dient der Entspannung nach einem schweren Arbeitstag, auf der Kniebank zeigt der fromme Christ seinem Gott, wie unterwürfig er ist, auf der Schulbank wird nicht gesessen, sie wird gedrückt, beim Bankdrücken werden Gewichte gestemmt – allerdings im Liegen –, und auf der Sonnenbank darf sich der Mensch ausstrecken und sich schon etwas in Urlaubsstimmung bringen.

Die Parkbank ist ausnahmsweise mal zum Sitzen da. Der Tischler steht an der Werkbank oder der Hobelbank und der nicht geständige Sünder des späten Mittelalters liegt oder hängt auf der Streckbank. Und Turner wissen, dass eine Bank ein einfaches und nützliches Sportgerät sein kann. Fußballer auf der Auswechselbank warten auf ihren Einsatz.

Bänke, die keine sind

Rotes Meer-Korallenbank

Korallenbänke sind durch die Umweltverschmutzung bedroht

Auf einer Sandbank mag man noch sitzen können. Aber man versuche das mal mit einer Nebelbank oder einer Wolkenbank. Auch die Muschel- oder Korallenbänke, die man im Meer findet, haben mit einer Sitzbank nur noch gemeinsam, dass sie mehr lang als breit sind.

Ganz anders die Bankhäuser, die fürs Geldeinzahlen, Verleihen, Aufbewahren und – zumindest bis dato – auch fürs Geldvermehren zuständig sind. Die sind vorzugsweise hoch. Städte wie Frankfurt am Main hätten wesentlich weniger Wolkenkratzer, wenn hier nicht so viele Banken ansässig wären.

Bankiers und Bankbeamte

Und wer arbeitet nun in einer Bank? Da wäre zunächst der Bankier, also jemand, der nach Diskretion und Vornehmheit klingt und im Verborgenen die Geschäfte für seinen Kunden abwickelt.

Protestmarsch vor der Deutschen Bank

Die Machenschaften der Bankiers sorgen für viele Proteste

Anders sieht das mit dem Banker aus, der anglo-amerikanischen Variante des französischen Bankiers. Der hat seit der Bankenkrise einen schlechten Ruf.

Der Bankbeamte, eine typisch deutsche Erfindung, hat allein durch seine Bezeichnung Generationen unserer Eltern Respekt eingeflößt. Dabei gab es in Banken mit wenigen Ausnahmen gar keine Beamten. Stattdessen findet man dort Bankangestellte, einen Bankkaufmann oder eine Bankkauffrau – und das hört sich schon viel bescheidener an.

Geld verspielt in der Bankenkrise

Heutzutage haben Banken durch die Bank einen schlechten Ruf. Banker verzocken das Kapital der Anleger, immer mehr Bankfilialen werden zugunsten des Online-Bankings geschlossen – und wenn man sein Geld auf die Bank tragen will, bekommt man keine Zinsen mehr für das Ersparte. Spätestens seit der Bankenkrise sind Banken keine sichere Bank mehr. Dann doch lieber die Spielbank, da weiß man wenigstens gleich, dass es immer die Bank ist, die am Ende gewinnt.


Glossar

sich quetschen – hier: sich hinsetzen, wo es sehr eng ist

etwas nicht auf die lange Bank schieben – etwas nicht unnötig verzögern

die Schulbank drücken – zur Schule gehen

durch die Bank – ohne Ausnahme

etwas verzocken – beim Glücksspiel verlieren; durch falsche Anlagestrategien Geld verlieren

Geld auf die Bank tragen – Geld auf ein Bankkonto einzahlen

jmd. ist keine sichere Bank – jmd. ist nicht zuverlässig

die Bank gewinnt am Ende immer (redensartlich) – die Tatsache, dass beim Glücksspiel am Ende immer die Spielbank gewinnt



Arbeitsauftrag
Du liest den Brief eines entfernten Verwandten, der dir 100.000 Euro hinterlassen hat. Du möchtest das Geld vermehren und stehst vor der Wahl, zu einer Spielbank zu gehen oder das Geld gewinnbringend anzulegen. Entscheide dich für eine Möglichkeit und begründe schriftlich, warum du dich so entschieden hast. Berücksichtige dabei auch die Vor- beziehungsweise Nachteile deiner Entscheidung.

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