Vom Ei zum Bild | Archiv | DW | 19.12.2013
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Archiv

Vom Ei zum Bild

Im Reisetagebuch schildern die Kandidaten abwechselnd ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Gedanken rund um die Dreharbeiten. Heute erzählt Nichole davon, dass die Tauschaufgabe sie zum Nachdenken gebracht hat.

Durch die Aufgabe in Wittenberg habe ich gesehen, was durch Tauschen möglich ist. Obwohl wir 'nur' mit einem Ei angefangen hatten, haben wir am Ende ein sehr teures Bild bekommen, ohne einen einzigen Euro auszugeben.

Durch diese Erfahrung habe ich realisiert, dass ich in meinem Leben vielleicht zu viel Wert auf Geld lege. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch, dass wir das Konzept des Tauschens falsch verstanden haben. Aber das lag auch an der Aufgabe: Wir haben in Wittenberg nur mit der Absicht getauscht, Profit zu machen, und nicht, um Dinge zu erhalten, die wir wirklich brauchen.

Das Bild, das wir am Ende bekommen haben, war viel teurer als das Ei. Aber war es mehr wert? Wie definiert man, wie viel eine Sache wert ist? Wenn ich am Verhungern wäre, bräuchte ich ein Ei sehr viel dringender als das Bild. In dieser Situation hätte das Ei für mich einen größeren Wert.

In Australien habe ich bei einem Kleidertauschring mitgemacht. Ich habe meine Kleidungsstücke gegen andere gebrauchte Kleidung getauscht. Ich fand das eine tolle Idee, weil ich so viele Kleider in meinem Schrank habe. Trotzdem möchte ich immer wieder etwas Neues anziehen, will aber nicht immer mehr Anziehsachen haben. Wenn ich meine Kleider nicht wegwerfe, sondern sie über den Tauschring weitergebe, kann jemand anders sich darüber freuen, und ich bekomme neue Kleidung, ohne Geld dafür auszugeben.

Ich muss aber auch zugeben, dass wir in Wittenberg wahrscheinlich nur so viel Erfolg hatten, weil wir zusammen mit einem Kamerateam unterwegs waren. Ich fürchte, dass es heute unmöglich ist, ganz ohne Geld zu leben. Genauso wie beim Ei und dem Bild hängt der unterschiedliche Wert auch mit verschiedenen Fähigkeiten zusammen. Eine Ärztin verdient in der gleichen Arbeitszeit mehr als ein Schülerlotse. Ich denke, dass das in Ordnung ist, denn sie hat ja viel länger studiert. Daher ist es für mich schwer, mich mit der Idee eines Tauschrings anzufreunden, bei dem der Wert über die Zeit definiert wird. Eine Stunde ist nicht für alle das Gleiche.

Text: Nichole