„Vollpfosten“ statt „Buschklepper“ | Deutschlehrer-Info | DW | 12.07.2013
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Deutschlehrer-Info

„Vollpfosten“ statt „Buschklepper“

Sprache verändert sich ständig. Deswegen müssen auch Wörterbücher wie der Duden immer wieder aktualisiert werden. Neu aufgenommene Wörter spiegeln so auch die Entwicklungen einer Gesellschaft wider.

Am 4. Juli ist die neue Auflage des Rechtschreib-Dudens – eines seit über 130 Jahren bestehenden Wörterbuchs für die deutsche Sprache – erschienen. Benannt ist das Nachschlagwerk nach dem Lehrer Konrad Alexander Friedrich Duden, ist 1880 erstmals erschienen und hat seitdem große Bedeutung erlangt. Durch ihn wurde erstmals eine Einheitsschreibung eingeführt, die sich ab 1955 in Westdeutschland sogar zu einer offiziellen Rechtschreibung entwickelte.

Damals umfasste das Wörterbuch nur 27 000 Stichwörter. Heute hingegen, in der 26. Auflage, lassen sich 140 000 Wörter, ausgewählt nach dem aktuellen Sprachgebrauch der Deutschen, und ihre Schreibweisen finden. Seit der Rechtschreibreform von 1996 bestimmt zwar nicht mehr der Duden, was richtig oder falsch ist, sondern die amtliche Rechtschreibregelung. Der Duden ist jedoch immer noch das bedeutendste orthographische Wörterbuch. Fast jeder Deutsche besitzt ein Exemplar und verlässt sich auf dessen Inhalt.

Seit der letzten Auflage von 2009 hat der Duden etwa 5000 neue Wörter aufgenommen und 30 überholte gestrichen. Unter den neuen Wörtern findet man z. B. den „Vollpfosten“, eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen sehr dummen Menschen, oder auch „austicken“, sich sehr über etwas aufregen. Nicht mehr gebräuchlich hingegen sind beispielsweise Begriffe wie „Buschklepper“, ein Dieb, der sich im Busch versteckt hält, und „Stickhusten“, eine veraltete Bezeichnung für die Krankheit Keuchhusten. Diese wurden daher entfernt.

Was im Duden steht, spiegelt immer auch die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen wider. Weder der „Eurobond“ noch die „Finanztransaktionssteuer“ hätten es in das aktuelle Wörterbuch geschafft, hätte es nicht die Finanzkrise gegeben. Und auch die „Vorständin“ existiert nur, weil die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau Fortschritte gemacht hat. Die Veränderung der Sprache ist also einer der wichtigsten Indikatoren für den Entwicklungsstand eines Landes.