Volker Kutscher: ″Der nasse Fisch″ | 100 gute Bücher - ein literarisches Jahrhundert-Panorama deutschsprachiger Literatur | DW | 08.10.2018
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100 gute Bücher

Volker Kutscher: "Der nasse Fisch"

Es ist der erste und auch der schwärzeste Band der berühmten Krimiromane um den Ermittler Gereon Rath. Ein atmosphärisches Sittenbild Berlins in den 20er Jahren – mit illegalen Tanzlokalen, jeder Menge Drogen, und Toten.

1929, das Schicksalsjahr zwischen den Weltkriegen. In der Reichshauptstadt Berlin scheint alles möglich zu sein. Die Pornoindustrie boomt, in illegalen Clubs berauschen sich die Menschen mit Absinth und Kokain als gäbe es kein Morgen. Es war der letzte Tanz auf dem Vulkan, die Totenfeier der Weimarer Republik, bevor die Nationalsozialisten das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte einläuteten. 

Tanz auf dem Vulkan

In einer solchen Atmosphäre irrlichtert Kommissar Gereon Rath durch Berlin. Er ist von der Kölner Mordkommission zur Sitte nach Berlin versetzt worden. Ein unpolitischer "Kriegszitterer", der seine Traumata mit Drogen unterdrückt und nach Dienstschluss gleich in den illegalen Nachtklubs bleibt, die er eigentlich ausheben soll. 

Die Wirtschaftskrise wird das Land ins Elend stürzen. Hitler ist für Rath noch ein "komischer Kauz mit Charlie Chaplin-Bart, der genauso humorlos dreinblickte wie Wilhelm zwo". 

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"Der nasse Fisch" von Volker Kutscher

Sex and Drugs 

Volker Kutscher stellt in seinem ersten Rath-Krimi schon die Weichen für die nahende  Katastrophe. Doch sein Gereon Rath ist kein Prophet kommenden Unheils, sondern selbst ein Gefangener seiner Zeit.

Deutschland Volker Kutscher (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Volker Kutschers Romanmanuskript wurde zunächst von vielen Verlagen abgelehnt

Um Charlotte, eine Stenotypistin, in die er verliebt ist, zu beeindrucken, beginnt er heimlich in einem Mordfall zu ermitteln. Und kommt dabei in Teufels Küche. Plötzlich hat er selbst einen Toten auf dem Konto. 

Russische Adelige, kriminelle Ringvereine und tonnenschwere Ladungen von Gold werden später noch eine Rolle spielen. Volker Kutscher entwirft ein detailgenaues Panorama dieser vibrierenden Zeit. Der Lokalredakteur aus dem Rheinland hätte wohl nicht ahnen können, welchen Erfolg ihm seine Gereon-Rath-Krimis bescheren würden. Mit "Der nasse Fisch" - Polizeijargon für einen ungelösten Fall - fing alles an, inzwischen sind noch fünf weitere Bände dazu gekommen. 

Babylon Berlin

Und eine preisgekrönte, in alle Welt verkaufte Serie namens "Babylon Berlin". Die Verfilmung von Kutschers Kriminalroman wurde nach der Fertigstellung der ersten Staffel 2017 ein weltweiter Exportschlager. So penibel Kutscher die 1920er Jahre beschrieb, so opulent und authentisch hat Tom Tykwer die Geschichte visualisiert, sich und die Betrachter hineinversetzt ins Berlin der Zwanziger Jahre: eine Stadt im Kokainrausch, ein politisches Pulverfass mit Kommunisten und Klassenkampf. 

Standbild Babylon Berlin (X Filme 2017/Frédéric Batier)

Die Adaption des Romans von Tom Tykwer kostete rund 40 Millionen Euro. Die Serie wurde in über zehn Länder verkauft - von Schweden bis in die USA

Kutscher hat seine Gereon-Rath-Serie inzwischen auf neun Bände angelegt – das Ende plant er um das Datum 9. November 1938. Ermitteln wird Rath dann immer noch, aber aus dem Polizeidienst wird er  entlassen sein. Unpolitisch bleibt er also nicht, das hat sein Autor bereits verraten.


Volker Kutscher: "Der nasse Fisch" (2007), Kiepenheuer & Witsch Verlag

Volker Kutscher, 1962 in Lindlar geboren, arbeitete vor seinem Erfolg als Krimiautor  als Lokalredakteur der "Kölnischen Rundschau". 2007 erschien der erste Band seiner Gereon-Rath-Serie, 2017 der sechste, "Lunapark". 

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