Vier Palästinenser bei Protesten an Grenze zu Israel getötet | Aktuell Nahost | DW | 27.04.2018
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Nahostkonflikt

Vier Palästinenser bei Protesten an Grenze zu Israel getötet

Am fünften Tag in Folge ist es an der Gaza-Grenze zu Ausschreitungen gekommen. Erneut gab es Tote und Verletzte. Auslöser für die Proteste sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels.

Nach den erneuten gewaltsamen Protesten im Gazastreifen ist nach palästinensischen Angaben ein 15-jähriger Palästinenser seinen Verletzungen erlegen. Der Jugendliche sei bei den Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften durch Schüsse am Kopf getroffen worden, erklärte das Gesundheitsministerium im Gazastreifen. Mit seinem Tod stieg die Zahl der bei den Protesten am Freitag getöteten Palästinenser auf vier.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza teilte mit, insgesamt seien mehr als 150 Menschen durch Schüsse verletzt worden. Bei weiteren Menschen sei es nach dem Einsatz von Tränengas zu Atembeschwerden gekommen. Nach Angaben von Augenzeugen bewarfen Palästinenser die Soldaten mit Steinen.

Die israelische Armee teilte mit, dass rund 10.000 Palästinenser an den Ausschreitungen teilnahmen. Hunderte Menschen hätten im Norden des Gazastreifens versucht, auf israelisches Gebiet vorzudringen und den Grenzzaun zu verbrennen.

Jahrestag der Staatsgründung Israel Auslöser für Proteste

Seit Ende März sind 45 Palästinenser bei Massenprotesten getötet worden, mehr als 5500 wurden nach Angaben des  Gesundheitsministeriums verletzt - darunter laut den Vereinten Nationen 1739 Menschen durch Schüsse der israelischen Sicherheitskräfte. Es ist der fünfte Freitag in Folge, an dem es zu Protesten an der Gaza-Grenze kommt. Auslöser des "Marschs der Rückkehr" ist der 70. Jahrestag der israelischen Staatsgründung, den die Palästinenser als "Nakba" bezeichnen - zu deutsch: Katastrophe. Israel feiert seine Staatsgründung am 14. Mai - bis dann sollen die Proteste andauern. Die Palästinenser erinnern an die Vertreibung und Flucht von rund 760.000 Landsleuten. Am 14. Mai soll zudem die US-Botschaft auf Beschluss von US-Präsident Donald Trump von Tel Aviv nach Jerusalem umziehen.

Ein verwundeter Palästinenser liegt am Boden. Um ihn herum rennen Menschen. Qualm liegt in der Luft. (Foto: Reuters)

Ein verwundeter Palästinenser liegt am Boden nachdem der Proteste im Gazastreifen erneut eskaliert sind.

Das UN-Menschenrechtsbüro in Genf wirft Israel übermäßige Gewalt gegen protestierende Palästinenser an der Grenze zum Gazastreifen vor. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, warnte Israel, das Vorgehen könnte das humanitäre Völkerrecht verletzen. Sicherheitskräfte dürften nur im äußersten Notfall tödliche Gewalt anwenden, und zwar wenn sie selbst in Lebensgefahr seien oder das Risiko schwerer Verletzungen hoch sei.

Wichtigster Hafen beschossen

Die israelische Armee hat zudem nach eigenen Angaben den wichtigsten Hafen des Gazastreifens beschossen. Der Angriff habe sich gegen sechs "militärische Ziele" der radikalislamischen Hamas-Organisation gerichtet, erklärte die Armee. Nach palästinensischen Angaben wurden zwei Schiffe im Hafen beschädigt, verletzt wurde niemand.

jmw/kle/as (dpa/afp)

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