Viele Verletzte bei mutmaßlichem Anschlag in Jerusalem | Aktuell Nahost | DW | 06.02.2020
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Naher Osten

Viele Verletzte bei mutmaßlichem Anschlag in Jerusalem

Ein Auto fährt im Zentrum der israelischen Metropole mit hohem Tempo in eine Menschenmenge, dabei erleiden zwölf Soldaten Verletzungen. Polizei und Armee gehen von einem "Terrorangriff" militanter Palästinenser aus.

Israelische Polizisten inspizieren den Tatort im Zentrum Jerusalems (Foto: picture-alliance/AP Photo/M. Illean)

Israelische Polizisten inspizieren den Tatort im Zentrum Jerusalems

Im Stadtzentrum von Jerusalem ist ein Auto in eine Menschenmenge gerast und hat mindestens 14 Personen verletzt. Darunter sind allein zwölf Soldaten, wie die israelische Armee mitteilte. Der Vorfall ereignete sich etwa zwei Stunden nach Mitternacht in einem Viertel mit vielen Restaurants und Bars. Nach Polizeiangaben flüchtete der Fahrer oder die Fahrerin.

Der Vorfall werde als möglicher "Terrorangriff" untersucht, erklärte ein Polizeisprecher. Ähnlich äußerte sich die Armee. Zur möglichen Motivation des Täters wurde zunächst nichts bekannt. In der Vergangenheit hat es jedoch immer wieder von Palästinensern verübte Anschläge mit Autos auf israelische Soldaten oder Zivilisten gegeben.

Die radikalislamische Hamas, die im Gazastreifen herrscht, nannte den Angriff einen "Akt des Widerstands" und eine "zweckmäßige Antwort" der Palästinenser auf die Verkündung des Nahost-Plans von US-Präsident Donald Trump. Die Miliz bekannte sich aber nicht zu der Attacke.

Gewalt auch in Dschenin und Hebron

Auch aus dem Westjordanland wurden Gewalttaten gemeldet. In der Stadt Dschenin töteten israelische Soldaten einen Palästinenser. Nach Meldungen der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa wollten die Soldaten das Haus eines Attentäters zerstören. Bei Konfrontationen seien dann der 19-Jährige getötet und sieben weitere Palästinenser verletzt worden. Die israelische Armee bestätigte, es sei das Haus eines Attentäters zerstört worden, der 2018 an einem Anschlag beteiligt gewesen sei. Bereits am Mittwoch war in Hebron ein 17 Jahre alter Jugendlicher bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten von einer Kugel tödlich getroffen worden.

Israelische Sicherheitskräfte in Jerusalem (Reuters/A. Awad)

Israelische Sicherheitskräfte beobachten in Jerusalems Altstadt eine Protestveranstaltung gegen Trumps Nahost-Plan

Seit der Vorstellung des Nahost-Plans durch US-Präsident Donald Trump vor mehr als einer Woche gibt es fast täglich Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis. Militante Palästinenser attackierten den Süden Israels mit Raketen, Mörsergranaten oder Brandballons, das Land reagierte mit Vergeltungsangriffen.

"Realistische Zwei-Staaten-Lösung"

Trumps Nahost-Plan sieht eine "realistische Zwei-Staaten-Lösung" mit Jerusalem als "ungeteilter Hauptstadt" Israels vor. Die Palästinenser sollen dem Plan zufolge unter Bedingungen die Möglichkeit erhalten, einen eigenen Staat zu gründen - allerdings ohne das strategisch und wirtschaftlich wichtige Jordantal im Westjordanland und ohne Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser hatten Trumps Plan umgehend abgelehnt und zu Protesten in Westjordanland und Gazastreifen aufgerufen. Auch international stieß der Plan auf ein geteiltes Echo.

sti/kle (afp, ap, dpa)