Viele Tote bei Selbstmordanschlag in Bengasi | Aktuell Afrika | DW | 02.08.2016
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Aktuell Afrika

Viele Tote bei Selbstmordanschlag in Bengasi

Libyen zwischen Krieg und Neuanfang: Hatte die neue Einheitsregierung zuletzt noch Erfolge vermeldet, zeigt ein neuer Anschlag in Bengasi, wie verletzlich die Sicherheitslage in den Land ist.

Bei einem Autobombenanschlag im libyschen Bengasi sind nach Militärangaben mindestens 22 Soldaten getötet worden. Mehr als 30 weitere Menschen wurden durch das Attentat in Al-Gawarscha im Westen der Hafenstadt verletzt, wie ein Sprecher der Truppen von General Chalifa Haftar sagte. Der Offizier unterstützt eine von den Vereinten Nationen nicht anerkannte Gegenregierung, die ihren Sitz in der Stadt hat.

Haftars Milizen liefern sich seit zwei Jahren blutige Kämpfe mit anderen bewaffneten Gruppen. Darunter sind auch die Dschihadistengruppen Ansar al-Scharia und "Islamischer Staat" (IS). Zu dem Angriff bekannte sich im Kurznachrichtendienst Twitter ein Bündnis namens "Revolutionärer Schura-Rat", zu dem auch Islamisten gehören.

Zwischen Sirte und Bengasi

Der neue Vorfall zeigt, wie instabil die Lage in dem Land unter der neuen Einheitsregierung von Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch noch ist. Al-Sarradsch wird von den UN unterstützt. Sein Kabinett hat den Sitz in der Hauptstadt Tripolis.

Zuvor hatten Truppen der Einheitsregierung gemeldet, bei ihrer Offensive zur Rückeroberung der Küstenstadt Sirte Fortschritte erzielt zu haben. Sie brachten ein Viertel im Stadtzentrum vollständig unter ihre Kontrolle und stießen auf das Hauptquartier der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" in Sirte vor, wie die Kampfverbände mitteilten. Die USA unterstützen die Offensive mit Luftangriffen. Der Einnahme des Viertels al-Dollar gingen nach Angaben des Militärkommandos heftige Kämpfe voraus. Dabei seien fünf Soldaten der regierungsnahen Milizen getötet und 17 weitere verletzt worden.

Mit US-Unterstützung aus der Luft

Der IS beherrscht Sirte seit Juni 2015, im Mai dieses Jahres begann eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt. Der Verlust der 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Stadt wäre ein schwerer Schlag für die Dschihadisten. Sirte bildet die Verbindung zwischen dem Westen und dem Osten des ölreichen Landes.

Libyen Angriff libyscher Streitkräfte auf IS in Sirte

Schlacht um Sirte

US-Präsident Barack Obama verteidigte die Einsätze, die auf Gesuch der libyschen Einheitsregierung erfolgt seien. Es sei nicht nur im Interesse der nationalen Sicherheit der USA. Das Machtvakuum in dem nordafrikanischen Land habe auch zur Flüchtlingskrise in Europa und zu "humanitären Tragödien" im Mittelmeer beigetragen. Daher habe auch Europa ein großes Interesse an einer Stabilisierung Libyens. In einer Erklärung des russischen Außenministeriums wurde - ohne direkte Kritik an den US-Luftangriffen - dazu aufgerufen, "in strikter Übereinstimmung mit dem internationalen Recht" zu handeln und beim Kampf gegen den IS in "enger Zusammenarbeit" vorzugehen.

Libyen ist seit dem mit westlicher Militärhilfe erreichten Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahre 2011 nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die neue Einheitsregierung schickt sich an, zwei bislang um die Macht kämpfende Führungen ersetzen.

ml/wa (rtr, afp, dpa)