Vettel sucht das Super-Cockpit | Sport | DW | 10.07.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Formel 1

Vettel sucht das Super-Cockpit

Zurück zum alten Team: Das könnte glatt ein Trend werden gegenwärtig in der Formel 1. Der Trendsetter ist Renault-Rückkehrer Fernando Alonso. Und Sebastian Vettel - ist weiter auf Tournee. Schließt er sich dem Trend an?

Vielleicht liegt es am Schauplatz Spielberg. Dort findet am Sonntag der Große Preis der Steiermark statt. Ausgerechnet hier in Österreich sind vor dem zweiten Rennen der neuen Formel-1-Saison unter Corona-Bedingungen Personalfragen fast wichtiger als sportliche Aspekte. Österreich ist das Stammland des Red-Bull-Teams, mit dem sich der frühere Weltmeister Sebastian Vettel seinen Platz in der Rennsportgeschichte eroberte.

Der Flirt mit dem Ex

Was wird aus Vettel? Diese Frage wird auch im Fahrerlager diskutiert. Und der 33-Jährige befeuert Spekulationen, indem er vor Journalisten das Red Bull Team in den höchsten Tönen lobt. Wie sich das gehört, trug Vettel dabei seine rote Ferrari-Kluft, aber deutlicher hätte der Kontrast nicht ausfallen können: Denn Ferrari und Vettel, das ist wie eine Ehe, in der sich die Partner nicht mehr viel zu sagen haben. Die Liebe der Scuderia gilt dem jüngeren Charles Leclerc (22) - und man gibt sich beim Traditions-Rennstall längst keine Mühe mehr, das noch zu kaschieren. Stattdessen: ein Flirt Vettels mit der Ex. Oder besser gesagt dem Ex. 

Formel 1 | Großer Preis von Abu Dhabi 2009 - Sebastian Vettel (picture-alliance/dpa/J. Büttner)

Gute Zeiten, bessere Zeiten: Vettel 2009 im Red Bull

"Sie sind ein sehr starkes Team. Das weiß ich von früher", erinnert sich Vettel. "Das Team hat sich seither weiterentwickelt und ist nicht mehr genau das gleiche. Daher kann ich nicht behaupten, dass ich alles noch in- und auswendig kenne. Aber ich weiß, warum sie damals so stark waren und sie sind immer noch ein Anwärter mit einem Auto, mit dem man Rennen gewinnen kann." Zusammenfassend gefragt, ob Vettel ein Angebot zur Rückkehr annehmen würde: "Wahrscheinlich wäre die Antwort: ja."

Der nächste interne Zweikampf?

Doch eine Rückkehr zu Red Bull wäre für den viermaligen Weltmeister keine Selbstverständlichkeit. Dort versehen gegenwärtig die Herren Max Verstappen und Alexander Albon ihren Dienst - und nicht nur der das Spektakel verfolgende AlphaTauri-Teamchef Franz Tost ist davon überzeugt, dass eine solche Personalie nur über den Tisch von Red-Bull-Inhaber Dietrich Mateschitz geregelt werden kann. Einen Zweikampf mit Verstappen um die Führungsrolle würde Vettel in Kauf nehmen. Aber tut sich Red Bull damit einen Gefallen?

Portrait - Dietrich Mateschitz (picture-alliance/dpa)

Der Herr von Red Bull: Dietrich Mateschitz

Vettel hat allen Grund, sich im Gespräch zu halten. Sein Verhältnis zum gegenwärtigen Arbeitgeber? Getrübt wäre noch freundlich umschrieben. Nach seinem Dreher im Duell mit Carlos Sainz junior und einem enttäuschenden Platz 10 beim Saisonauftakt sagte Vettel: "Irgendwas war falsch am Auto." Sein Ferrari-Teamchef Mattia Binotto konterte: "Es war heute sicher nicht sein tollstes Rennen." Vielleicht sollte ein Paartherapeut schlichten. Aber ein Einsatz solcher Fachkräfte der Mediation ist im "Selbstbewusstseins-Tempel" Formel 1 für gewöhnlich nicht vorgesehen.

Bei Renault nichts zu suchen

Lange war Sebastian Vettel unterstellt worden, er spekuliere auf den freiwerdenden Fahrerplatz im Renault-Team. Doch das kann getrost als "Schnee von gestern" mitten im Sommer abgehakt werden. Denn auch Renault hat bekannterweise eine mit viel Sentimentalität aufgeladene Erinnerungsgeschichte. Sie ist verbunden mit dem Namen Fernando Alonso. Der 38-Jährige kehrt 2021 zurück zu dem Team, mit dem er 2005 und 2006 die Weltmeisterschaft in der Königsklasse holte: "Renault ist meine Familie und steht für meine liebsten Erinnerungen in der Formel 1", erklärte der Spanier, als der überraschende Deal bekanntgegeben wurde. Renault habe das Ziel, "wieder auf das Podium zurückzukehren, und das will ich auch", sagte Alonso.

Da also hat Vettel, etwas flapsig ausgedrückt, nichts zu suchen. Seine Träume, mit Ferrari an die Erfolge eines anderen deutschen Weltmeisters anknüpfen zu können, haben sich nicht erfüllt. Endet also so seine Rennsport-Karriere? Das vermag man sich gar nicht vorzustellen. Aber gegenwärtig erinnert seine Position an die "Reise nach Jerusalem".

Die Träume der anderen

Immerhin wissen Vettel und all die anderen im Formel-1-Zirkus nun, wo ihre Reise in allernächster Zukunft hinführt. Für den Notkalender der Serie wurde nun zwei weitere Termine bestätigt. Am 13. September soll in Mugello (Italien) und am 27. September in Sotschi (Russland) gefahren werden. Der Kurs in Italien gehört Ferrari. Und der Traditions-Rennstall wird dort den 1000. Grand Prix seiner Geschichte bestreiten. "Ich kann es nicht abwarten, dass dieser Traum wahr wird", sagte Ferrari-Teamchef Binotto. Vettel würde sicher auch sagen, dass er es nicht erwarten kann. Aber ob er in dem Fall noch von Traum sprechen würde?

Die Redaktion empfiehlt