Verzerrte Kosten für deutsche Energiewende | Wissen & Umwelt | DW | 15.10.2013
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Wissen & Umwelt

Verzerrte Kosten für deutsche Energiewende

Das Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG) ermöglicht den Boom von Ökostrom. Über eine Umlage wird dieser Energieumbau finanziert. Doch Fremdkosten belasten die Umlage zu Lasten der Verbraucher.

Lange Zeit galt die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien als Preisschild für die Energiewende in Deutschland. Doch Experten sind sich einig, dass die Förderung der erneuerbaren Energien nur noch einen Teil der sogenannten EEG-Umlage ausmachen. Vor allem die gefallenen Preise für Strom an der Börse und die Befreiung vieler Industrieunternehmen von der Umlage treiben die Kosten in die Höhe.

Sechs Mal mehr Umlage als vor sechs Jahren

2008 lag der Anteil des geförderten Ökostroms bei 15 Prozent. Die EEG-Umlage, die auf den Strompreis aufgeschlagen wird und vor allem Privatverbraucher und kleine Unternehmen bezahlen, lag bei 1,1 Eurocent pro Kilowattstunde (kWh). Im Jahr 2014 soll der Ökostromanteil bei etwa 26 Prozent liegen und die Umlage für die Verbraucher bei 6,2 Cent/kWh - also fast sechs Mal so hoch wie 2008.

Als größter Kostentreiber für die steigende EEG-Umlage gilt der fallende Preis an der deutschen Strombörse, wie Energieexperte Felix Matthes im DW-Interview erklärt. 2008 lag der Handelspreis für Strom an der Börse noch bei 7,3 Cent/kWh. Heute, fünf Jahre später, bei nur noch vier Cent/kWh. Damit ist deutscher Strom der günstigste in der EU. Durch den fallenden Börsenstrompreis stieg jedoch die EEG-Umlage deutlich an. Mittlerweile macht er rund ein Drittel der Umlagekosten aus.

Auch die Privilegien, die die Industrie genießt, treiben die Kosten für die Umlage nach oben. So verbraucht die energieintensive Industrie rund ein Fünftel des deutschen Stroms. Sie profitiert besonders stark von den gesunkenen Strompreisen an der Börse und ist gleichzeitig weitgehend von der EEG-Umlage befreit. Nach Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energien macht der Anteil der Industrieförderung bereits ein Fünftel der Umlagekosten aus. 1,3 Cent/kWh zahlen so die normalen Stromverbraucher für die großen Industriebetriebe mit.

Solarausbau: früher teuer, heute günstig

Auch die anfänglich hohe Förderung der Solarenergie belastet die Umlage. Dabei handelt es sich ausschließlich um die älteren Solaranlagen, die bis 2012 errichtet wurden. "Wir hatten in der Vergangenheit hohe Preise für Photovoltaik", bestätigt Joachim Pfeiffer, der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-CSU-Fraktion im DW-Interview.

Um die Verbraucher zumindest von diesen "Altlast"-Kosten zu befreien, fordert Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale, die ausstehenden Vergütungen für alte Photovoltaikanlagen aus der Umlage herauszunehmen und über Steuermittel zu finanzieren.

Kampf um Interessen bei der Energiewende

Die meisten Energieexperten sind sich einig, dass die EEG-Umlage nicht mehr die Kosten der Energiewende widerspiegelt und die zukünftige Bundesregierung die Preisberechnung und EEG-Umlage verändern muss. "Eine grundlegende Reform des EEG gehört zu den wichtigsten Aufgaben jeder neuen Bundesregierung", betont Bundesumweltminister Peter Altmaier.

Doch wie die EEG-Reform aussehen soll, wer profitiert und wer verliert, ist vollkommen offen. "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein Meilenstein bei der Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik", sagt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland, und fordert eine sinnvolle Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien und eine faire Debatte.

Die energieintensive Stahl- und Chemieindustrie warnt dagegen vor einer Kostenbeteiligung an der Umlage. "Die Energiewende darf nicht zur Vernichtung von Arbeitsplätzen führen", so Stahlverbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff.

Während Bürger, Kleinunternehmer und Verbraucherschützer vor allem eine faire Kostenverteilung und damit eine Entlastung fordern, gibt es Stimmen aus der Energiebranche, die die Förderung der erneuerbaren Energien in Frage stellen. "Die Energiekonzerne versuchen zu suggerieren, dass die erneuerbaren Energien zu einer rasanten Kostensteigerung des Strompreises führen." Das aber sei falsch, sagt Energieexperte René Mono und ergänzt, dass Strom aus Windenergie mittlerweile sogar billiger sei als aus Kohle oder Gas.

Mono, Geschäftsführer der "100 prozent erneuerbar stiftung", zeigt aber zugleich auch Verständnis: "Die Energiebranche wehrt sich momentan massiv, weil ihr Geschäftsmodell erodiert. Die Konzerne haben die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien unterschätzt."